Horizonte Aargau

Kurzzeitig entschleunigt   

Einstimmung zum letzten Teil der Horizonte-Sommerserie

Offenbar bekam Circus-Pfarrer Ernst Heller von oben eine kleine Pause verordnet. Soeben aus Südafrika zurückgekehrt, wo er zwischen den Promis in der FIFA-Lounge und den Kindern in den Slums als Brückenbauer gewirkt hatte, machte er am 18. Juli 2010 einen Zwischenhalt in Ibach bei Schwyz. Dort feierte der 63-Jährige Luzerner im Kindercircus Piccolo einen Gottesdienst. Sein weiteres Tagesprogramm sollte den ständig auf Achse befindlichen Seelsorger in den Europa-Park nach Rust führen. Doch als Ernst Heller seinen silbrigen Citroën besteigen wollte, mit dem er als Fahrender unter den Schweizer Priestern jedes Jahr gut 50 000 Kilometer zurücklegt, hatte dieser einen Plattfuss. Im Vertrauen, dass Gott sich hierbei schon das Richtige gedacht hat, genoss der Circus-Pfarrer das Warten auf den Pannendienst bei einem Kaffee mit Circus-Leuten und Freunden.

Vom Vertrauen hatte Ernst Heller auch im kleinen Zirkuszelt zu den Kindern gesprochen. Er erzählte die Geschichte von einem Clown, der auf dem Hochseil eine Schubkarre hin und her manövrierte und schliesslich fragte, ob nicht jemand aus dem Publikum in derselben Platz nehmen wolle. Zumal der Clown sein Gefährt zur Unterhaltung der Menschen höchst abenteuerlichen Schlenkern ausgesetzt hatte, wollte zunächst niemand das Wagnis eingehen. Da meldete sich aber ein kleiner Junge und liess sich übers Hochseil chauffieren. Alle Anwesenden staunten über den Mut des kleinen Knaben und einige wollten wissen, warum er dem Clown so leichtfertig habe vertrauen können. Der Bub lächelte und meinte: «Der Clown ist mein Vater». So sei es auch mit Gott, erklärte Ernst Heller: «Wir können Gott auf allen noch so abenteuerlichen Wegen vertrauen, weil er doch unser Vater ist». acm

Mehr über den Circus-Pfarrer Ernst Heller, sein temporeiches Leben und seine Zeit als Vikar in der Wettinger Pfarrei St. Anton ab heute in der Horizonte-Printausgabe.