Die Ranftschlucht als Wirkungsstätte von Niklaus von Flüe steht als Kraftort im Fokus der Gedenkfeierlichkeiten zu seinem 600 Geburtstag. | © Bruder-Klausen-Stiftung

In der Tiefe liegt die Kraft

«Mehr Ranft» ist das Leitmotiv für das Gedenken an Niklaus von Flüe

Marie-Christine Andres Schürch, 27.3.17

Vor 600 Jahren ist Niklaus von Flüe in Flüeli in der Gemeinde Sachseln geboren. Nur wenige Minuten von seinem Geburtshaus entfernt liegt in der Tiefe jener Ort, der zu seiner wichtigsten Wirkstätte wurde.

Die Ranftschlucht, in der Niklaus von Flüe als Bruder Klaus betete und fastete, wurde noch zu seinen Lebzeiten ein Wallfahrtsort. Ratsuchende aus der damaligen Eidgenossenschaft und darüber hinaus fanden den Weg in seine Klause. Bis heute hat die Ranftschlucht sowohl ihre Anziehungs- als auch ihre Ausstrahlungskraft behalten. Jährlich besuchen etwa 100’00 Menschen die Zelle, die Kapellen und das Grab in der Pfarrkirche von Sachseln.

Rütli und Ranft

«Mehr Ranft» heisst denn auch das Leitmotiv des Vereins, der die koordinierte Organisation und Durchführung des Jubiläums durch die staatlichen und kirchlichen Behörden zum Ziel hat. Der Verein «600 Jahre Niklaus von Flüe 2017» erklärt: «Damit lenken wir die erste Aufmerksamkeit nicht auf die Person (Niklaus von Flüe, Anm. d. Red.), sondern auf diesen identitätsstiftenden, spirituellen Kraftort nahe dem geografischen Zentrum der Schweiz, der auf eine Stufe mit dem Rütli zu stellen ist. Laut Verein «verkörpert das Rütli den Aufbruch in eine neue politische und rechtliche Verantwortung als Gemeinschaft und steht der Ranft für eine Versöhnungskultur, welche das schweizerische Gemeinwesen immer wieder ausgezeichnet hat.»

Ökumenischer Gedenktag

Mystiker, Mittler, Mensch: der Verein «600 Jahre Niklaus von Flüe 2017» gedenkt des Heiligen unter diesen drei Aspekten. Sie zeigen, dass Niklaus von Flües Persönlichkeit und Wirken sowohl für die Kirche als auch für den Staat bis heute bedeutsam ist. Beide nehmen das Jubiläum zum Anlass diverser Gedenkfeiern. Am Samstag, 1. April 2017 geht in der Stadt Zug der nationale ökumenische Gedenk- und Feiertag «500 Jahre Reformation – 600 Jahre Niklaus von Flüe» über die Bühne. Abschluss und Höhepunkt bildet der ökumenische Gottesdienst mit Bischof Felix Gmür und SEK-Präsident Gottfried Locher. «In Wort und Musik wollen wir die Dankbarkeit für das bisher in der Ökumene Erreichte ausdrücken. […] Dazu wollen wir ein Zeichen der Versöhnung setzen auf dem Weg, den wir in ökumenischer Verbundenheit und in der Hoffnung auf wachsende Einheit miteinander gehen.», schreiben die Organisatoren in der Einladung.

Politische Akzente

Am 30. April 2017 folgt der offizielle Staatsakt auf dem Landenberg bei Sarnen mit Gästen aus Politik und Gesellschaft. Die Gedenkfeier und das Rahmenprogramm sollen laut Organisatoren «politische, historische und gesellschaftliche Akzente setzen». Der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Peter von Matt hält den Festvortrag, Bundespräsidentin Doris Leuthard überbringt die Grussworte des Bundesrats. Am Nachmittag laden verschiedene kulturelle Angebote in Sarnen, Sachseln und Flüeli-Ranft zur Auseinandersetzung mit dem Heiligen ein. Die Durchführung des Staatsakts in der Nähe des spirituellen Kraftortes Ranft zeigt schön die Verschränkung der religiösen und politischen Aspekte in der Person Niklaus von Flüe. Als Sinn und Ziel der offiziellen Anlässe im Gedenkjahr formuliert der Trägerverein: «Es geht um Stille, um Intensität und um Begegnungen – es geht um MEHR RANFT.»

 

Offizielle Gedenkanlässe

Samstag, 1. April 2017: Nationaler ökumenischer Gedenk- und Feiertag «500 Jahre Reformation – 600 Jahre Bruder Klaus» in Zug. Sonntag, 30. April 2017: Staatsakt – Nationaler Gedenktag auf dem Landenberg Sarnen.

www.mehr-ranft.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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