Aufgrund des moralischen Anspruchs der Kirchen sollten auch deren Pensionskassen vorbildlich agieren. Konkret unter Ausschluss aller Anagen, die auch nur im entferntesten Sinne mit Umweltzerstörung und Menschenechtsverletzungen in Verbindung stehen. Alls andere bedeutet ein Glaubwürdigkeitproblem. Bei seiner Recherche musste Horizonte feststellen, dass zumindest im Aargau und den beiden Basel eine grosse Lücke zwischen Anspruch und Realität klafft - auch bei den Versicherten. | © Werner Rolli

Kirchliche Pensionskassen auf dem Prüfstand

Das Kreuz mit der Nachhaltigkeit

Andreas C. Müller, 13.3.17

Die Ökumenische Fastenkampagne 2017 fordert zu nachhaltigen Investitionen auf, die weder Menschenrechte noch Umwelt gefährden. Bei kirchlichen Pensionskassen kontrastieren Anspruch und Wirklichkeit.

Apple und Samsung bauen nicht nur smarte Telefone und Tablets, sondern nehmen laut Menschenrechtsorganisationen in Zulieferbetreiben nach wie vor skandalöse Arbeitsbedingungen in Kauf. Der Pharma-Riese Novartis kämpft aktuell mit Korruptionsvorwürfen in Griechenland, der Lebensmittelgigant Nestlé steht seit der Lancierung von «Pure Life» wegen angestrebter «Grundwasser-Privatisierung» am Pranger, und der erfolgreiche US-Mineralölkonzern Exxon Mobil – bekannt für die Ölpest der «Exxon Valdez» in Alaska von 1989 – versuchte unlängst Umweltschäden in Arkansas zu vertuschen. Ebenso wurde vor kurzem bekannt, dass Lafarge-Holcim sich offenbar mit dem sogenannten «Islamischen Staat» eingelassen hat und Beton für US-Präsident Trumps Mauer liefern will.

Kirchen investieren in Nestlé, Lafarge-Holcim, Apple und Co.

Trotz des zweifelhaften Rufs: Die Aktien von Apple, Samsung, Novartis, Nestlé oder Exxon Mobil sind lukrative Anlagen, gelten in Zeiten der Tiefzinspolitik der Nationalbanken als vergleichsweise aussichtsreiche Rendite-Generatoren. Und sie sind in den Portfolios der kirchlichen Pensionskassen in den Kantonen Aargau und beider Basel prominent vertreten (Horizonte hat die Kassen der Reformierten Landeskirche Aargau sowie der Römisch-Katholischen Landeskirche beider Basel und Aargau untersucht).

Aber nicht nur das: Die Pensionskasse der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau weist in seinem Geschäftsbericht explizit auch Anlagen in sogenannten «Emerging Markets» aus – also in «Schwellenmärkten» (Anmerkung der Redaktion: Im Fokus sogenannter «Emerging Markets» stehen Schwellenländer wie China oder Indonesien, bei denen erfahrungsgemäss der Standard in Punkto Umweltschutz und Einhaltung der Menschenrechte umstritten ist). Stiftungsratspräsident Daniel Roth dazu: «Eine Investition in gesunde Unternehmen in schwächeren Gebieten darf nicht in Punkto Umweltschutz und Einhaltung der Menschenrechte mit fragwürdigen Investitionen verwechselt werden, sondern dient auch dazu, die Lage der Menschen in solchen Ländern zu verbessern.»

Einschlägige Empfehlungen spielen keine Rolle

Zumal von Seiten der Kirchen beim Thema Menschenrechte und Umwelt stets der Mahnfinger erhoben wird, stellt sich die Frage, weshalb kirchliche Pensionskassen auf die gleiche Anlage-Schiene abstellen wie die Pensionskassen säkularer Einrichtungen. Gewollt ist dies bestimmt nicht. Immerhin haben die Evangelischen Kirchen in Deutschland ein 50-seitiges Handbuch zum Thema «Nachhaltiges investieren» verfasst – wohl nicht zuletzt im Wissen um die Brisanz des Themas, geht es doch auch hier um Glaubwürdigkeit.

Kurt Zaugg vom Verein «oeku – Kirche und Umwelt» erklärt, dass das Schweizer Institut für Sozialethik in Zusammenarbeit mit der bischöflichen Kommission Justitia et Pax und den Hilfswerken Brot für alle und Fastenopfer im Jahre 2000 ebenfalls einen Leitfaden zum Thema «Verantwortlich Geld anlegen» herausgegeben habe, doch dieses Dokument sei bisher nicht aktualisiert worden. «Ich habe an verschiedenen Orten deponiert, dass eine Aktualisierung notwendig wäre», so Kurt Zaugg.

Seelsorge-Personal will Renditen

Auf Nachfrage, warum sich denn kirchliche Pensionskassen nicht als Vorreiter im Bereich «Sustainable Finance» positionieren, weist Lutz Fischer-Lamprecht, Präsident des Stiftungsrates der Pensionskasse der Reformierten Landeskirche Aargau, auf einen interessanten Widerspruch hin: «Seelsorgende – ein Grossteil unserer Versicherten – haben ein sehr ausgeprägtes ethisches Bewusstsein. Doch wenn es um die Verzinsung des eigenen Vorsorgekapitals geht, tritt das in den Hintergrund.» Die Erwartungen der Versicherten seien hoch, der Druck, entsprechende Renditen zu erwirtschaften, gross, erklärt auch Geschäftsführer Christian Boss.

Daniel Roth, Stiftungsratspräsident der Pensionskasse der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau, argumentiert: «Als Pensionskasse müssen wir primär dafür sorgen, dass unsere Mitglieder eine gesicherte Rente haben.» Man habe sich im Stiftungsrat durchaus mit dem Thema «Anlagen und Ethik» auseinandergesetzt, so der Rechtsanwalt unter Verweis auf den Geschäftsbericht 2014. Man investiere daher auch nicht in Rohstoffe und Gold. «Aber wenn wir in einem Fonds noch jede Aktienbeteiligung einzeln prüfen müssten, hätten wir einen zu grossen Aufwand».

Das sieht auch Philipp Sutter so, der für die St. Heinrich-Stiftung, dem Fusionspartner in Spe für die Pensionskasse der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau (Horizonte berichtete) Auskunft gibt: «Als Pensionskasse müssen wir breit investieren, um die Diversifikationsbestimmungen erfüllen zu können. Wenn wir uns streng auf das konzentrieren würden, was in den Medien als nachhaltig gilt, wären unsere Investitionsmöglichkeiten zu stark eingeschränkt und wir würden die Erreichung der erforderlichen Anlagebeträge für die Aufrechterhaltung der Leistungen der Pensionskasse weiter erschweren.»

Wachsender Risiko-Druck wegen hoher Leistungen

Christian Boss, Geschäftsführer der Pensionskasse der Reformierten Landeskirche Aargau, bringt noch einen anderen Aspekt ins Spiel: «Die Leistungen, die wir unseren Versicherten bieten, sind hoch. So hoch, dass wir auf Anfragen für ein Zusammengehen mit anderen Vorsorge-Einrichtungen bisher stets Absagen erhalten haben. Aus diesem Grund sind wir auf uns allein gestellt und müssen, um die versprochen Leistungen erbringen zu können, beim Anlegen uneingeschränkt und ertragsorientiert handeln können.»

Dass es aber auch anders geht, weiss Claude Amstutz vom Sustainable Finance-Team beim WWF Schweiz. Zusammen mit der britischen NGO «ShareAction» veröffentlichte der WWF Schweiz im vergangenen Jahr ein Rating der 20 grössten Schweizer Pensionskassen. Untersucht wurde, ob die Vorsorge-Einrichtungen die Gelder ihrer Versicherten nachhaltig anlegen und ob sie darüber transparent informieren.

WWF: Nachhaltiges Investment nachweislich nicht schlechter

Zum Einwand von Seiten der befragten kirchlichen Pensionskassen, wonach nachhaltiges Investment zu aufwendig und kostenintensiv sei und zu wenig Rendite abwerfe, sagt Claude Amstutz vom WWF Schweiz: «Sicher, Pensionskassen haben von Rechts wegen die Pflicht, die Renten zu sichern. Verantwortungsvolles Investieren muss sich demnach lohnen. Verschiedene Studien sowie Meta-Analysen der vergangenen Jahre zeigen aber, dass Anleger, die auf Nachhaltigkeit setzen, dieselbe, wenn nicht sogar bessere Performance erzielen.»

Gegen Aktien von Öl- oder Pharmafirmen sowie von umstrittenen Technologiekonzernen sei dann nichts einzuwenden, wenn die Vorsorge-Einrichtung gewichte, inwieweit sich ein Unternehmen im Positiven verändere, so Claude Amstutz. Dem Problem, dass Schweizer Pensionskassen indexorientiert seien und sich nach bestimmten Bandbreiten richten müssten, könne dadurch begegnet werden, dass nur jene Unternehmen berücksichtigt würden, die in dieser Richtung das grösste Entwicklungspotential aufweisen.

Keine Strategie, nur Ausschlusskriterien

In Pensionskassen ein Nachhaltigkeits-Knowhow aufzubauen, sei allerdings eine Herausforderung, gesteht auch Claude Amstutz ein. Da aber der Grossteil der Pensionskassen-Vermögen sowieso von externen Vermögensverwaltern und Banken verwaltet würden, müssten «bei der Mandatierung bewusst die Fähigkeit und der Leistungsausweis im Bereich Sustainable Finance überprüft und als elementarer Bestandteil der Mandatsvergabe definiert» werden. Darüber hinaus könne heutzutage problemlos über diverse Anlageklassen mittels verschiedener Nachhaltigkeitsanlagestrategien, beispielsweise «Best-in-Class» oder «anhand von Ausschlusskriterien eine Wirkung für den Planeten, die Gesellschaft und eine zukunftsfähige Wirtschaft erzielt werden.»

Bei den kirchlichen Pensionskassen im Aargau und der St. Heinrich-Stiftung gibt es keine explizit ausgewiesenen Nachhaltigkeitsstrategien. Lediglich einzelne Ausschlusskriterien sind als Beschlüsse in den Protokollen des Stiftungsrates festgehalten oder im Anlage-Reglement enthalten. Philipp Sutter weist darauf hin, dass für die St. Heinrich-Stiftung «Anlagen in Titel von Rüstungsfirmen nicht zulässig sind und neben Renditeüberlegungen auch ethisch vertretbare und nachhaltige Vermögensanlagen zu berücksichtigen sind.» Bei der Pensionskasse der Reformierten Landeskirche, die wie die St. Heinrich-Stiftung Direktanlagen hält, investiert man «nicht in Firmen, die explizit mit Kinderarbeit, Waffenproduktion – oder Waffenhandel in Verbindung stehen».

Kritisierte Grossbanken für Anlagen zuständig

Problematisch scheint jedoch, dass für die untersuchten katholischen Pensionskassen just jene beiden Schweizer Grossbanken im Mandat Anlagen tätigen, die von Fastenopfer im Rahmen der Ökumenischen Kampagne 2017 wegen zweifelhafter Investitionsgeschäfte kritisiert werden. Im Fokus stehen «Land Grabbing», Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden. Das hätte man besser machen können, ist auch Claude Amstutz vom WWF überzeugt und weist darauf hin, dass sich in der Schweiz bereits heute Bankinstitute sowie Vermögensverwaltungsgesellschaften mit einem klaren Nachhaltigkeitsfokus, beziehungsweise einem klaren Bekenntnis zur Nachhaltigkeit etabliert haben.

Die Musterschüler im Rating von WWF Schweiz und «Share Action» zeichnen sich auf einer ersten Ebene dadurch aus, dass Grundsätze für nachhaltiges Investieren vorliegen und aus diesen konkrete Massnahmen abgeleitet und festgehalten wurden. Konkret meint das die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in die Bewertung von Anlagen sowie Ausschlusskriterien von bestimmten Segmenten oder Regionen (z.B. Rohstoffe, bestimmte Schwellenländer) sowie eine Fokussierung auf explizit nachhaltige Anlagen als auch die Definition von Nachhaltigkeitszielen bei der Anlage (Performance soll mit weniger CO2-Ausstoss innerhalb einer bestimmten Zeitspanne einhergehen).

Transparenz für Nachvollzug entscheidend

Auf einer zweiten Ebene geht es um die Umsetzung der formulierten Zielsetzungen: Wie wird angelegt? Wer ist die Mandatsbank? Wie wird sichergestellt, dass die Mandatsbank die entsprechenden Nachhaltigkeitsrichtlinien einhält? Wie werden die Aktionärsstimmrechte ausgeübt? Inwieweit wird ein Dialog mit Firmen geführt, in die man investiert ist?

Als nicht minder entscheidend erachtet die Studie die Transparenz gegenüber den Versicherten und der Öffentlichkeit. Laut Studie veröffentlicht beispielsweise die Pensionskasse des Kantons Aargau – in besagter Studie im oberen Mittelfeld angesiedelt – eine Kurzfassung des Anlagereglements. Weiter legt sie im Geschäftsbericht ihre Mandatsbanken offen, dokumentiert, in welche Fonds investiert wird und informiert in separaten Berichten detailliert über die Ausübung von Stimmrechten und die geführten Dialoge mit Unternehmen.

Katholiken halten sich bedeckt

Die von Horizonte untersuchten kirchlichen Pensionskassen veröffentlichen weder Anlage-Reglemente noch Grundsätze, beziehungsweise Kriterien für ein nachhaltiges Investieren. Diese würden an den Sitzungen des Stiftungsrates und des Anlage-Ausschusses beschlossen und entsprechend protokolliert sowie mit dem Vermögensverwalter der Bank besprochen worden, erklärt Daniel Roth, Stiftungsratspräsident der Pensionskasse der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau auf Nachfrage. Die Protokolle durfte Horizonte nicht einsehen, und dies, obschon sich die Pensionskasse der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau in ihrem Geschäftsbericht von 2014 als Mitgliedschaft im Schweizerischen Dachverband der Pensionskassen ausweist, dessen Charta «vor allem auf transparentem Geschäftsverhalten» den Schwerpunkt legt. Auch die Mandatsbanken werden nicht öffentlich gemacht. Horizonte hat sich gegenüber den katholischen Vorsorge-Einrichtungen verpflichten müssen, die Mandatsbanken sowie die grössten Aktienpositionen im In- und Ausland nicht explizit zu nennen.

Seitens der St. Heinrich-Stiftung wurden keine genauen Angaben zu den Aktieninvestitionen gemacht. Man halte «die typischen SMI-Titel», erklärt Philipp Sutter für die St. Heinrich-Stiftung gegenüber Horizonte. Gleiches für die Ausübung der Stimmrechte: «Wir nehmen die Stimmrechte gemäss den gesetzlichen Vorgaben wahr». Gegenüber der Pensionskasse der Römisch-Katholischen Landeskirche erübrigte sich diese Frage, zudem die Kasse keine einzelnen Aktienpakete mehr hält, sondern nur noch in Fonds investiert ist.

Reformierte geben Auskunft

Die Pensionskasse der Reformierten Landeskirche hatte nichts dagegen, dass Horizonte mit der «Aargauer Kantonalbank» (AKB) und der «Neuen Aargauer Bank» (NAB) die Mandatsträger für die Anlage-Investitionen öffentlich macht. Ebenso gewährte sie Horizonte Einblick in die Anlage-Portfolios. Darin enthalten: Aktienfonds (im Ausland lediglich für Länder der EU, Norwegen, USA, Australien und Kanada), Direktanlagen in SMI-Titel wie beispielsweise Roche, Novartis, Swatch, Lafarge Holcim, Julius Bär, UBS und Credit Suisse. «Im Portfolio der Reformierten befindet sich aus Diversifikationsgründen auch ein kleiner Anteil in Gold», so Christian Boss und Lutz Fischer-Lamprecht. Auf Hedge Funds und andere Alternative Anlagen sowie Derivate werde bewusst verzichtet.

Die Ausübung der Stimmrechte bei den investierten Firmen nimmt Geschäftsführer Christian Boss sorgfältig war, wie er erklärt. «Das geschieht in Rücksprache mit dem Stiftungsratspräsidenten, weiter verfasse ich einen Rapport.» Dieser wird allerdings nicht veröffentlicht. Einen Dialog mit den Firmen gibt es nicht. «Darin sehen wir auf Grund unserer Grösse keinen Sinn. Zudem werden wir von unseren Vertrauensbanken, der AKB und der NAB, diesbezüglich perfekt vertreten» so Christian Boss.

Basler setzen auf eigene Immobilien

Bei den Immobilien hält die St. Heinrich-Stiftung nahezu ausschliesslich Liegenschaften in der Region Nordwestschweiz: «Diese machen einen Fünftel des gesamten Investitionsvolumens aus», so Philipp Sutter – ohne genauere Angaben zu den Objekten zu machen. Auch die Reformierten im Aargau halten im Bereich Immobilien vor allem eigene Liegenschaften – konkret die Liegenschaft in Aarau, in welcher die Reformierte Landeskirche eingemietet ist, wodurch sich sowohl für die Versicherten wie auch für die Öffentlichkeit die Transparenz zumindest in diesem Anlagebereich erhöht.

Die Pensionskasse der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau tätigt auch im Bereich Immobilien keine Direktanlagen, hält demgegenüber aber Anteile in rund zehn verschiedenen Immobilienfonds in der Schweiz, «welche in uns bekannte Wohnliegenschaften investieren – unter anderem auch in der Region» so Stiftungsratspräsident Daniel Roth. Die Liegenschaften seien «gut durchmischt, kein Luxussegment».

 

Sie wollen wissen, wie Ihre Pensionskasse Ihre Gelder investiert? Sind Sie unsicher, wie Sie Ihre Anfrage formulieren wollen? Orientieren Sie sich am Musterbrief von Fastenopfer: Viel Erfolg!

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Abonnieren Sie unseren Newsletter. Er erscheint alternierend zur Printausgabe alle zwei Wochen – immer mit den aktuellsten Horizonte-Geschichten und oftmals spannenden Verlosungen.
Weltweit wächst die Nachfrage nach Palmöl rasant. Als Folge werden in Indonesien Quadratkilometer um Quadratkilometer Regenwald für Palmölplantagen gerodet. Auch jene Schweizer Banken sind investiert, die für kirchliche Pensionskassen Vermögen verwalten. © François de Sury
Der Hunger nach Palmöl...
Wie ein Gespenst bedroht das Wachstum der Palmölindustrie auf Indonesien die ansässige Bevölkerung. Ständig werden neue Plantagen angelegt. Viele Kleinbauern verlieren ihr Land und finden nur selten auf den Plantagen eine Beschäftigung. | © Urs Walter
...sorgt für immer mehr Plantagen auf Indonesien
Daniel Roth, Stiftungsratspräsident der Pensionskasse der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau, argumentiert: «Als Pensionskasse müssen wir primär dafür sorgen, dass unsere Mitglieder eine gesicherte Rente haben.» Man habe sich im Stiftungsrat durchaus mit dem Thema «Anlagen und Ethik» auseinandergesetzt. Man investiere daher auch nicht in Rohstoffe und Gold. «Aber wenn wir in einem Fonds noch jede Aktienbeteiligung einzeln prüfen müssten, hätten wir einen zu grossen Aufwand». | © Werner Rolli
Daniel Roth
Auf Nachfrage, warum sich denn kirchliche Pensionskassen nicht als Vorreiter im Bereich «Sustainable Finance» positionieren, weist Lutz Fischer-Lamprecht, Präsident des Stiftungsrates der Pensionskasse der Reformierten Landeskirche Aargau, auf einen interessanten Widerspruch hin: «Seelsorgende – ein Grossteil unserer Versicherten – haben ein sehr ausgeprägtes ethisches Bewusstsein. Doch wenn es um die Verzinsung des eigenen Vorsorgekapitals geht, tritt das in den Hintergrund.» | © Werner Rolli
Lutz Fischer-Lamprecht (links) und Christian Boss
Um auch künftig im Markt bestehen und die Renten ihrer gut 900 Mitglieder sichern zu können, will die Pensionskasse der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau wachsen. Als erster Schritt forciert sie Anstrengungen für eine Fusion mit der Basler St. Heinrich-Stiftung. Langfristige Vision ist ein Pensionskasse für möglichst das gesamte Bistumsgebiet. | © kna-bild
Fusion: Aargauer und Basler Kirchen-PKs

Kommentar

Andreas C. Müller

von Andreas C. Müller
redaktion@horizonte-aargau.ch

Wenn die Kirchen beim Thema Menschenrechte und Umwelt stets den Mahnfinger erheben, müssen sich auch kirchliche Vorsorge-Einrichtungen entsprechend abheben und beim Thema «Nachhaltiges Investieren» eine Vorreiter-Rolle einnehmen. Alles andere wäre unglaubwürdig.

Leider verhält sich die Situation nicht wunschgemäss, wie die exemplarische Recherche von Horizonte ergab. Es hapert nicht nur beim Investieren, sondern auch bei der Transparenz. Stichprobenartige Gespräche mit Versicherten ergaben, dass Sie bei Nachfragen teils regelrecht abgespeist wurden. Es ist davon auszugehen, dass es sich in anderen Regionen nicht anders verhält.

Wurde das Thema verschlafen? Nicht nur. Den Pensionskassen sind die Hände gebunden sind, wenn bei den Versicherten das Bewusstein für Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Menschenrechte bei der eigenen Rente aufhört. Es menschelt auch bei den Mitarbeitenden im kirchlichen Dienst.

Was den Gestaltungsspielraum kirchlicher Pensionskassen beim Thema Nachhaltigkeit zusätzlich einschränkt, ist der Faktor Grösse. Mit einem Vermögen von unter einer halben Milliarde Franken kämpfen kirchliche Pensionskassen teils ums Überleben oder treten, wie die Pensionskasse der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau, die Flucht nach vorn an. Das heisst, sie versuchen mit anderen Vorsorge-Einrichtungen zusammenzuspannen. Und genau das könnte auch helfen, beim Thema Nachhaltigkeit verlorenen Boden gutzumachen.

Die Vision einer einzigen kirchlichen Vorsorge-Einrichtung für das gesamte Bistum Basel wurde bereits formuliert (Horizonte berichtete) und könnte einem kirchlichen Player mehr Gewicht verleihen. Aber denken wir doch mutig weiter – wir haben ja Reformationsjubiläum: Wie viel Gewicht hätte beispielsweise eine ökumenische Vorsorge-Einrichtung aller Landeskirchen und Bistümer in der Schweiz? Das Ticket für die Schweizer Super League der Vorsorge-Einrichtungen wäre wohl mit Sicherheit gelöst, Nachhaltigkeit, Umweltschutz und die Einhaltung der Menschenrechte könnten beim Investment konsequenter eingefordert werden.

Weitere Artikel der Kategorie «Aargau»