Der Kampf für die Gleichberechtigung innerhalb der katholischen Kirche geht verschiedene Wege. Horizonte zeigt prominente Schweizer Team-Player und Einzelkämpferinnen | © Anne Burgmer

Frauenwege zur Gleichberechtigung

Solistinnen und Teamplayerinnen engagieren sich gleichermassen

Anne Burgmer, 3.4.17

Die Preisträgerinnen und Preisträger des diesjährigen Herbert-Haag-Preises haben eindrücklich gezeigt, wie verschieden die Wege zu einem Ziel sein können. Das lautet grob umrissen: Das «Heute» in die Kirche zu holen. Zum «Heute» gehören die Frauen und ihr Engagement.

Hildegard Aepli, Mitinitiantin des Pilgerprojektes «für eine Kirche mit* den Frauen», welches mit dem Herbert-Haag-Preis ausgezeichnet wurde, differenziert die verschiedenen Wege aus: «Zunächst wurden die Ordensfrauen Jadranka Rebeka Anić  und Mercedes Navarro Puerto geehrt, die als Frauen in der wissenschaftlichen, theologischen Forschung tätig sind, grundlegend und differenziert nachdenken und damit öffentlich auftreten. Dann die Basler Initiantinnen und Initianten der Kirchlichen Gleichstellungsinitiative. Hier wurden  Chancen und Grenzen des Schweizer dualen Systems deutlich. Chancen, weil die Gleichstellungsinitiative grosse Unterstützung hatte; Grenzen, weil im kirchlichen Selbstverständnis kirchliches Recht nach wie vor über staatskirchlichem Recht steht. Die Ehrung der «Kirche mit* den Frauen» schliesslich, drückte aus, dass das spirituelle Unterwegssein ein Fundament ist, auf dem wir unser Anliegen formulieren».

Forschung, Politik und Dialog

Der Herber-Haag-Preis ging 2017 also an zwei einzelne Frauen, die sich im Rahmen wissenschaftlicher Forschung mit Genderthemen und feministischer Theologie beschäftigen und auch den Konflikt mit der katholischen Kirche in Kauf nehmen; ausserdem an eine Basisinitiative, die den politisch-rechtlichen Weg verfolgt und per Urnengang den Verfassungen der kantonalkirchlichen Körperschaften von Basel-Stadt und Basel-Landschaft die bleibende Verpflichtung einschreibt, «den zuständigen kirchlichen Amtsträgern das Anliegen der gleichberechtigten Zulassung zum Priesteramt, unabhängig von Zivilstand und Geschlecht, zu unterbreiten».

Die zweite ausgezeichnete Basisbewegung, «Kirche mit* den Frauen», hatte im Gegensatz zur Gleichstellungsinitiative von Beginn weg davon abgesehen, konkrete Forderungen zu stellen, auch nicht die nach dem Frauenpriestertum. «Wir verzichten darauf zu wissen, welches der nächste Schritt ist. Dieser Schritt zeigt sich aus dem Dialog. Wir stehen für Dialog auf allen Ebenen ein, postulieren ihn, stellen uns zur Verfügung», erklärt Hildegard Aepli weiter.

Ein weiterer Weg

Das Frauenpriestertum ist aber genau das, was die junge Theologin Jacqueline Straub anstrebt. Sie wünscht sich die Weihe zur ersten katholischen Priesterin. Sie wählt mit ihrem offenen und öffentlichen Auftreten einen weiteren möglichen und sehr individuellen Weg: Sie packt den Stier bei den Hörnern. «Der Weg von «Kirche mit* den Frauen» ist wichtig und darum habe ich dafür auch Werbung gemacht in meinem Umfeld, doch es ist ein anderer Weg als meiner», sagt Jacqueline Straub im Gespräch.

Dass die Weihe zur Priesterin in der Römisch-Katholischen Kirche nahezu unwahrscheinlich, der Stier also unbezwingbar ist, schreckt Jacqueline Straub nicht ab. Weder Konversion in eine andere Konfession oder der Eintritt in einen Orden seien für sie eine Option, erklärt sie und betont: «Ich spüre diese Berufung zur Priesterin als römisch-katholische Christin und bleibe in meiner Kirche».

Bücher und ein Dok

Über ihren Weg, der langen Atem braucht, hat Jacqueline Straub mittlerweile zwei Bücher verfasst. Das zweite, «Endlich Priesterin sein» erschien Anfang 2017. Die 26-jährige Theologin arbeitet momentan als Katechetin sowie freie Journalistin und betreibt nebenher im Ehrenamt und in ökumenischer Zusammenarbeit ein Webportal (www.preachers.ch). Darüber hinaus hält sie Vorträge.

Einer dieser Anlässe beschäftigt sich mit der Dokumentation «Jesus und die verschwundenen Frauen. Vergessene Säulen des Christentums », die im Jahre 2013 im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) erstausgestrahlt wurde und in dem Jacqueline Straub ebenfalls befragt wurde. Der Film legt auf spannende und eindrückliche Weise dar, wie wichtig Frauen in den Anfängen des Christentums waren und wie wenig diese Wichtigkeit Beachtung fand.

Von der Realität überholt

Die ZDF-Dokumentation ist – und das ist für einmal ein gutes Zeichen – in einem Punkt nicht mehr «up to date». Eine der verschwundenen Frauen, Junia, ist nämlich wieder aufgetaucht. Diese Frau, eine Apostelin, ist in der umfassend überarbeiteten und im Februar 2017 veröffentlichten neuen Katholischen Einheitsübersetzung wieder aufgetaucht. Gemeinsam mit ihrem Mann Andronikus ragt Junia heraus unter den Aposteln (Röm 16, 7).

Langsam, sehr langsam, bewegt sich also etwas. Dass sich bei diesem Schneckentempo ihr Wunsch vielleicht nie erfüllt, hält Jacqueline Straub nicht ab: «Wenn ich auf dem Sterbebett läge und nicht Priesterin wäre, wäre ich dennoch nicht verbittert. Ich wüsste, dass ich in einer langen Reihe von Frauen gekämpft habe, die sich für die Gleichberechtigung auch bei den Ämtern in der Kirche stark gemacht haben».

Die Stellung der Frau in der katholischen Kirche – Vortragsabend

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