Die VCU wurde 1949 gegründet und umfasst derzeit gut 400 Führungspersönlichkeiten aus der deutschsprachigen Schweiz. Die Regionalgruppe Aargau/Solothurn mit ihren rund 70 Mitgliedern um Präsident Louis Dreyer ist die zweitgrösste der insgesamt sieben VCU-Gruppierungen. | © Werner Rolli

Werte und Glauben statt Gewinnmaximierung

Die Vereinigung Christlicher Unternehmer (VCU)

Fabrice Müller, 19.1.17

Die Vereinigung Christlicher Unternehmer der Schweiz (VCU) setzt sich für christliche Werte in der Wirtschaft ein. In der Regionalgruppe Aargau/Solothurn engagieren sich 70 Unternehmer.

«Ich hätte Hemmungen, für solche Kunden Werbung zu machen», sagt Louis Dreyer, Senior Partner einer Kommunikationsagentur in Baden. Gemeint sind Personen und Parteien mit extremen Haltungen oder Aufträge, in denen andere Menschen oder Gruppierungen bewusst diffamiert werden. Anfragen für solche Werbekampagnen habe es in den letzten Jahren immer wieder gegeben. Von Firmen, Parteien, Gruppierungen und sogar von staatlichen Einrichtungen aus dem Ausland. Allen erteilte Louis Dreyer eine Absage. Sie passten nicht in seine Wertvorstellung von Respekt, Fairness und Verantwortung. Unter diesem Motto tritt auch die Vereinigung Christlicher Unternehmer der Schweiz (VCU) nach aussen auf. Louis Dreyer leitet seit 2009 die Regionalgruppe Aargau/Solothurn und versucht, die christlichen Werte in seinem Alltag als Unternehmer zu leben.

Sieben VCU-Sektionen in der Schweiz

Die VCU wurde 1949 gegründet und umfasst derzeit gut 400 Führungspersönlichkeiten aus der deutschsprachigen Schweiz. Sie leben im persönlichen und beruflichen Alltag bewusst die christlichen Grundwerte, die einen festen Bestandteil der hiesigen Kultur bilden. Als Mitglied der Internationalen Christlichen Unternehmervereinigung UNIAPAC (Union internationale chrétienne des dirigeants d’entreprise) mit Niederlassungen in 26 Ländern und über 30 000 Mitgliedern ist die VCU auch mit Firmen aus Europa, Kanada, Lateinamerika, Asien und Afrika vernetzt. In der Schweiz zählt die Regionalgruppe Aargau/Solothurn mit rund 70 Mitgliedern zur zweitgrössten der insgesamt sieben VCU-Gruppierungen, die zusätzlich in Basel, Bern/Freiburg, in der Linth-Region, der Ostschweiz, Zentralschweiz und in Zürich aktiv sind.

Unterstützung für Kleinstunternehmerinnen in Afrika

Mit lokalen, regionalen und gesamtschweizerischen Anlässen zu aktuellen Themen aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Glaube fördert die VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Die VCU bietet somit ein geschäftliches wie auch privates Netzwerk für den Gedankenaustausch mit Persönlichkeiten aus der Berufswelt.

Die Sektion Aargau/Solothurn etwa organisiert pro Jahr vier Business-Lunches mit einem Referat und Mittagessen. Auf dem Programm stehen nächstes Jahr beispielsweise ein Vortrag von Erwin H. Hofer, Jurist und ehemaliger Botschafter in Russland, Serbien und Libyen, zum Thema Migration nach Europa und in die Schweiz. Der international bekannte Gefäss- und Herzchirurg Thierry Carrell steht ebenfalls auf dem Programm, wie Claude Werder, ebenfalls ein Mitglied der VCU und Inhaber einer Metallbauunternehmung im Bereich Feinwerktechnik, erklärt.

Hinzu kommen drei Abendveranstaltungen mit wirtschaftlichem oder kulturellem Hintergrund. Ausserdem unterstützt die VCU über die 1968 gegründete Stiftung «Offene Hand“» (Swisshand) Kleinstunternehmerinnen mit Beratung und Mikrokrediten in Afrika.

Eine faire Chance für Menschen über 50

Wodurch unterscheidet sich die VCU von anderen Unternehmergruppierungen und Serviceclubs? «Ich erlebe die VCU als humanorientierte Vereinigung und daher auch als Gegenpol zur Hochfinanz», sagt Louis Dreyer und äussert sich kritisch zu den Gebaren und Kulturen gewisser Grossunternehmen. Mit einer respektvollen, fairen und verantwortungsvollen Wirtschaftskultur wolle die VCU, die sich vor allem aus KMU-Unternehmen zusammensetzt, aber auch für Grossbetriebe offen ist, Gegensteuer zu den aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen geben. Dazu gehöre auch der Umgang mit Mitarbeitenden über 50, die – so Louis Dreyer – «eine faire Chance im Berufsleben verdienen».

Natürlich sei die VCU eine wertvolle Plattform für die Mitglieder, um sich gegenseitig zu vernetzen und so wirtschaftlich voneinander zu profitieren. «Die Vernetzung ist eine wichtige Triebfeder der VCU», betont Louis Dreyer. Wer kann Mitglied werden? Willkommen sind Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Führungskräfte jeden Alters und aller christlicher Konfessionen. Interessierte Personen haben die Möglichkeit, eine der Veranstaltungen einer VCU-Sektion zu besuchen, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Die Regionalgruppe Aargau/Solothurn blickt auf ein besonders starkes Wachstum zurück, traten doch in den letzten Jahren rund 40 neue Personen der Vereinigung bei.

Bedürfnis nach Werteorientierung

Zu ihnen gehört zum Beispiel Max Zeier, Schulvorstandspräsident des Berufs- und Weiterbildungszentrums Brugg und bis vor Kurzem Stiftungsratspräsident des Technoparks Aargau. Er trat der VCU vor drei Jahren bei und engagiert sich unterdessen dort als Vorstandsmitglied. «Ich bin seit 40 Jahren Mitglied der CVP und vertrete viele christliche Werte in meinem Arbeitsalltag. Zudem komme ich in der VCU mit vielen interessanten Menschen in Kontakt, das hat mich zu einer Mitgliedschaft bewogen», erzählt Max Zeier. Er ist überzeugt, dass gerade in der heutigen Wirtschaftswelt das Bedürfnis nach einer Werteorientierung und einem Austausch über Moral, Ethik und Glauben gefragter denn je ist. Zugleich prägen die Werte, die die VCU vertritt und lebt, auch eine Firmenkultur. «Man spürt die Verbundenheit der Mitarbeitenden mit ihrem Arbeitgeber. Und dem Patron liegen seine Angestellten am Herzen. Dieser Geist wirkt sich schliesslich auf die Arbeitsmotivation aus», ist Max Zeier überzeugt.

Bereits seit über sechs Jahren Mitglied in der VCU ist Monika Schenker, Geschäftsleitungsmitglied eines Hydraulikgeräte-Reparaturdienstes in Däniken und Erlinsbach. Über eine persönliche Anfrage kam Monika Schenker in Kontakt mit der VCU. «Hier habe ich Gelegenheit, mich regelmässig mit Unternehmern und Gleichgesinnten in einem ungezwungenen Rahmen zu treffen. Die Mittagslunches sind für mich ideal, weil sich der zeitliche Aufwand so in einem vertretbaren Rahmen hält.» Die christlichen Werte seien ein Teil der Firmenkultur, unterstreicht Monika Schenker, einerseits im Umgang mit den Mitarbeitenden, aber ebenso mit Kunden und Lieferanten. Bewusst stelle das Unternehmen auch Mitarbeiter über 50 ein, wenn die Qualifikationen vorhanden sind. «Diese Werte sind mir wichtig, weil sie letztlich eine Kultur vermitteln, wie man miteinander umgeht. Ich bin überzeugt, dass der Miteinbezug der christlichen Werte in die Philosophie einer Firma nachhaltig wirkt und mit zum Erfolg beiträgt.»

Andere Wege als Entlassungen

Wo stossen die VCU-Mitglieder bei der Einhaltung der christlichen Werte an Grenzen? «Der Erfolg ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Alleine mit den christlichen Werten erreichen wir unsere Ziele nicht. Jeder muss Verantwortung tragen für sich selber und sein Tun. So können wir auch weiterhin gute und sichere Arbeitsplätze erhalten und neue schaffen», sagt Monika Schenker. Für Max Zeier bedeuten christliche Werte in der Wirtschaft, Kompromisse und andere Wege zu suchen, als einfach Mitarbeitende auf die Strasse zu stellen, um Kosten zu sparen. Bei den Verhandlungen der Berufsschulen mit dem Aargauer Regierungsrat um die geplante Schliessung von gewissen Standorten indes seien die christlichen Werte von Max Zeier oftmals «auf eine Belastungsprobe gestellt worden». Doch der Einsatz habe sich gelohnt.

 

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