08.03.2021

Wie Urs Bisang gegen die Auswirkungen der Coronakrise auf die Jugend kämpft
Ein steiler Einstieg als Jugendfachstellenleiter

Von Cornelia Suter

  • Die Jugend leidet besonders unter den Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie. Kann die kirchliche Jugendarbeit da unterstützend wirken? Horizonte wollte es genauer wissen und fragte bei der zuständigen Aargauer Fachstelle der Römisch-Katholischen Landeskirche für Jugendliche und junge Erwachsene nach.
  • Urs Bisang leitet seit diesem Jahr besagte Fachstelle. Sein Start war alles andere als einfach, gleichwohl bringt der Fachstellenleiter laufend neue Ideen ein und spannt mit anderen Fachstellen zusammen.
  • Aktuelle Projekte sind die Firmvorbereitungen in Coronazeiten oder auch ein Blog.

Kommentar


von Andreas C. Müller
redaktion@horizonte-aargau.ch

Jetzt Einstehen für die Jugend

Gerade Jugendliche haben wohl sehnlichst auf die ersten Lockerungen gewartet, die der Bundesrat auf Anfang des Monats in Aussicht gestellt hat. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene sind in der aktuellen Pandemie am wenigsten gefährdet, spüren aber wohl am meisten die Auswirkungen der Schutzmassnahmen. Erste Schritte sind auf dem Weg. Aber von der Normalität sind wir noch meilenweit entfernt. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen müssen weiter Entbehrungen auf sich nehmen. Freizeitangebote können nicht genutzt werden, Nebenjobs zur Ausbildung sind weggefallen, hinzu kommen einschränkende Massnahmen, die das Lernern in der Schule erschweren. Die Folgen dieser Entbehrungen werden sich erst noch zeigen. Im Gegensatz zu verschiedenen Berufsgruppen, Branchen und Verbänden haben die Jugendlichen keine Lobby. Meines Erachtens eine Chance für die kirchlichen Jugendarbeitenden oder die kantonalen kirchlichen Jugendfachstellen, sich positiv in Szene zu setzen. Dass für die Jugendlichen spezielle Unterstützungsangebote geschaffen werden, ist wichtig und richtig. Aber jetzt geht es auch darum, für die Jugend einzustehen. So aktiv die Jugendlichen fürs Klima mobil machen konnten, so ohnmächtig erscheinen sie in der aktuellen Pandemiesituation.

Urs Bisang, Sie leiten seit dem 1.1.21 die Fachstelle Jugend und junge Erwachsene der Landeskirche. Wie haben Sie sich eingelebt?
Urs Bisang:
Es war ein steiler Einstieg, doch ich finde die neuen Aufgaben spannend und lustvoll. Mehr Verantwortung, neue Rollen, neue Themen.

Corona hat Ihren Start nicht gerade vereinfacht…
Wichtig ist mir, dass wir als Fachstelle trotz Corona die Jugendarbeitenden vor Ort möglichst gut unterstützen und stärken. Das kommt dann wiederum den Jugendlichen vor Ort zugute. Für die Fachstelle bedeutet dies – wie für alle anderen auch –, mit viel Ungewissheit zu planen und gleichzeitig flexibel zu bleiben für kurzfristige Änderungen und Anfragen.

Corona hat die kirchliche Jugendarbeit bestimmt stark verändert. Was kann noch stattfinden, was nicht mehr? 
Vieles musste abgesagt werden. Jugendtreffs waren mehrere Monate geschlossen. Die Jubla und die Pfadi haben ihre Aktivitäten, wie etwa Gruppenstunden oder Schneeweekends, sistiert und zum Teil Onlineaktivitäten als Ersatz angeboten. Seit dem 1. März können die Jugendtreffs wieder unter Schutzauflagen öffnen, und die Jugendverbände fahren ihr Programm langsam wieder hoch. Aber Lager und Reisen können nach wie vor nicht verlässlich geplant werden.

Was hat das für Folgen?
Viele Jugendverantwortliche engagieren sich stark und suchen aktiv, im jeweils geltenden Rahmen, zusammen mit den Jugendlichen nach Lösungen. So ist beispielsweise der «Lernraum 4+1» entstanden. Vier Jugendliche und ein Betreuer treffen sich dort, um zusammen zu lernen, aber auch zum Kochen und Essen. Es gibt Pfarreien, die Jugendlichen Räume zur Verfügung stellen, die zurzeit nicht genutzt werden. Dort können sich Jugendliche ungezwungen treffen – natürlich unter Einhaltung der Coronaregeln. Jugendarbeitende müssen ihre Rolle neu erfinden und sich verstärkt in digitale Tools einarbeiten.

In den Medien ist immer wieder die Rede davon, wie stark Jugendliche und junge Erwachsene unter den Einschränkungen der Coronapandemie leiden. Stimmt das? 
Unsere Jugendarbeitenden bestätigen dies aus ihrer Erfahrung. Es ist für Jugendliche schwierig, wenn sie sich nicht mehr treffen können. Persönliche Kontakte, Gespräche, Berührungen, Umarmungen sind essentiell. Das ist ja auch bei Erwachsenen nicht anders. Jugendliche müssen sich selbst spüren können und Dampf ablassen. Zuhause fällt vielen irgendwann die Decke auf den Kopf. Auch gibt es weniger Ausweichmöglichkeiten. Familiäre Konflikte und knapper Raum belasten dann zusätzlich. Von daher ist es sehr zu begrüssen, dass der Bundesrat nun Lockerungen für Jugendliche beschlossen hat.

Inwieweit ist das auch auf Ihrer Fachstelle spürbar?
Wir erhalten regelmässig Anfragen von Jugendarbeitenden, die wissen wollen, was sie denn nun noch tun dürfen. Sie nehmen die Bedürfnisse der Jugendlichen stark wahr. Ein Jugendarbeiter ist beispielsweise mit Jugendlichen und den Gemeindebehörden am Abklären, welche Plätze und Räumlichkeiten im Dorf den Jugendlichen als Treffpunkte im kleinen Rahmen angeboten werden können.

Sie haben ein besonderes Angebot lanciert, um die Jugendlichen zu unterstützen. Was beinhaltet dies? 
Unsere Fachstelle arbeitet in erster Linie mit den Jugendarbeitenden und Jugendseelsorgenden. Wir unterstützen diese, damit sie vor Ort mit «ihren» Jugendlichen und jungen Erwachsenen gut und sinnvoll arbeiten können. Aktuell erarbeiten wir ein Angebot, bei dem Jugendliche Sorgen und Schwierigkeiten rund um die Coronasituation thematisieren und wieder Kraft schöpfen können. Jugendarbeitende und andere Interessierte können bei uns fixfertig vorbereitetes Material beziehen und auf ihre konkrete Situation anpassen. 

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