In der reformierten Satdtkirche Aarau feiern dieses Jahr die ökumenischen Frauengottesdienste ihr 30-Jahr-Jubiläum. | © Andreas C. Müller

Aarauer Frauengottesdienste feiern Jubiläum

Andreas C. Müller, 22.6.20
  • Am 6. September werden in der reformierten Stadtkirche Aarau 30 Jahre ökumenische Frauengottesdienste gefeiert. Dieses Mal erstmals im Rahmen eines für beide Geschlechter offenen Sonntagsgottesdienstes.
  • Horizonte sprach mit Susanne Andrea Birke und Marianne Saputo vom Organisationsteam.

 

Susanne Andreas Birke, der Jubiläumsfrauengottesdienst findet erstmals im Rahmen eines «normalen» Sonntagsgottesdienstes statt. Das heisst also, es dürfen auch Männer kommen?
Susanne Andrea Birke: Ja, das stimmt.

Sind denn schon mal Männer weggeschickt worden?
Susanne Andrea Birke: Nein, es kamen schon welche – ganz selten aber die wurden nie weggeschickt.

Ökumenische Gottesdienste extra für Frauen: Warum braucht es das?
Susanne Andrea Birke: Das hat seine Geschichte und geht noch auf die Zeit zurück, in der die Kirche von Männern dominiert wurde. Diesbezüglich hat sich besonders in der Schweiz in den vergangenen Jahrzehnten einiges geändert. Aber nicht genug. Und vielen Frauen ist es noch immer ein Anliegen, dass es so etwas gibt.
Marianne Saputo: Diese Gottesdienste gingen seinerzeit von den katholischen Frauen aus. Sie wollten für ihre Frauenthemen eigene Gottesdienste haben, weil das in den normalen Gottesdiensten keinen Platz hatte.

Inwieweit unterscheiden sich denn diese Frauengottesdienste von gewöhnlichen Gottesdiensten?
Susanne Andrea Birke: Sie sind liturgisch freier und intimer: Die Frauen, die daran teilnehmen, kennen sich. Es kann auch einmal etwas ausprobiert werden.

Was denn?
Susanne Andrea Birke: Ganzheitliche Spiritualität mit Tanz zum Beispiel. Auch frei formulierte Fürbitten.

War das schon immer so?
Marianne Saputo: Die Form, der Ablauf ist sicher freier geworden. Wichtig war uns immer, dass die Anwesenden einbezogen werden und sich einbringen konnten.

Werden in den ökumenischen Frauengottesdiensten auch Frauenanliegen thematisiert?
Susanne Andrea Birke: Weibliche Gleichstellung im Alltag und in der Kirche, das sind schon Themen, die immer wieder kommen. Die Reformierte Kirche ist da allerdings viel weiter als wir. Auch biblische Frauengestalten sind wichtig – beispielsweise dieses Jahr Mirjam, die Schwester von Aaron und Mose.

Hat sich diesbezüglich auch etwas verändert in den letzten Jahren?
Marianne Saputo: Nein, die Frauenanliegen sind mehr oder weniger die gleichen. Aber ja, für die jüngeren Frauen braucht es wahrscheinlich ein anderes Gefäss als Gottesdienste.

Wie erklären Sie sich das? Fühlen sich Frauen im Zusammenhang mit Frauenanliegen in der Kirche nicht abgeholt?
Marianne Saputo: Es könnte sein. Ich denke, wir als Kirche sind auch zu wenig mutig, um unsere Angebote besser zu bewerben. Vieles ist Insider-Wissen und wir treten nicht nach aussen und zeigen unsere Fortschritte in dieser Beziehung. Ich wünsche mir mehr Mut, Selbstbewusstsein und weiterhin Beharrlichkeit.

Zurück zum bevorstehenden aktuellen Anlass: Was ist für den 6. September Besonderes geplant?
Susanne Andrea Birke: Wie eingangs erwähnt, machen wir anlässlich des Jubiläums keinen speziellen Frauengottesdienst, sondern feiern im Rahmen eines gewöhnlichen Gottesdienstes. Wir versuchen aber, so nah wie möglich am Konzept des Frauengottesdienstes zu bleiben. Auch ein Apéro ist geplant. Was aber letztlich durchgeführt werden kann, ist noch ungewiss – angesichts der Möglichkeit einer zweiten Corona-Welle.

Mit wie vielen Leuten rechnen Sie?
Susanne Andrea Birke: Mit 60 bis 70 Personen.

Sind die ökumenischen Frauengottesdienste eigentlich das einzige kirchliche Angebot für Frauen im Aargau?
Susanne Andrea Birke: Nein, es gibt sehr viele Angebote: etwa vom Aargauischen Katholischen Frauenbund AKF, sowie von den Ortsvereinen, auch der Aargauischen Evangelischen Frauenhilfe AEF, von manchen Pfarreien oder das Frauenkirchenfest.

Das sind Angebote ausschliesslich für Frauen. Gibt es auch Veranstaltungen, an denen Männer willkommen sind, welche die Anliegen der Frauen unterstützen wollen?
Susanne Andrea Birke: Auf jeden Fall. Zum Beispiel das Donnerstagsgebet oder die Gottesdienste vor der Kirchentür.

 

 

 

 

 

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