Alain de Raemy (Weihbischof in Lausanne, Genf und Freiburg) und Encarnacion Berger Lobato (Leiterin Marketing und Kommunikation der SBK) an der Medienkonferenz der Schweizer Bischofskonferenz in Rom. Die Synode habe sich auf gute Weise mit dem Platz der Jugendlichen in der Kirche auseinandergesetzt, so Jugendbischof Alain de Raemy. | © Georges Scherrer/kath.ch

«Die jungen Leute haben Spuren hinterlassen»

cath.ch - Übersetzung: kath.ch/rp - abu, 29.10.18
  • In Rom ging am 27. Oktober 2018 die Jugendsynode mit der Verabschiedung des Schlussdokumentes zu Ende.
  • Für die Schweizer war Bischof Alain de Raemy (Weihbischof in Lausanne, Genf und Freiburg) an der Vollversammlung in Rom. An der Medienkonferenz der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) bewertete er den Monat der Reflexion über den Platz der Jugendlichen in der Kirche insgesamt positiv.

 

«Synode bedeutet gemeinsames Gehen», erinnerte sich Alain de Raemy. Am späten Abend empfing der Bischof etwa zehn Journalisten in einem Raum der Schweizergarde. Er freue sich, dass das soeben beendete Treffen mit grossem Respekt vor dem Wort aller stattgefunden habe. «Es gab nie ideologische Konfrontationen», sagte der Bischof. Alles, was gesagt wurde, habe der Diskussion gedient, die Stimmen aller seien berücksichtigt worden: «Alles, was ich schriftlich oder mündlich ausdrücken konnte, war irgendwie im Dokument zu finden.»

Kein gemeinsames Rezept

Alain de Raemy engagierte sich trotz französischer Muttersprache in der deutschsprachigen Gruppe, und hielt seine öffentlichen Beiträge auf Italienisch, um alle Landessprachen zu respektieren und das Verständnis der Versammlung zu erleichtern. Diese sprachliche und kulturelle Vielfalt war eines der Markenzeichen der Synode. Eine komplexe Realität, die von den Bischöfen gebührend zur Kenntnis genommen wurde. «Die Länder sind so unterschiedlich, die Jugendlichen so unterschiedlich, dass es kein gemeinsames Rezept geben kann», sagte Bischof de Raemy. Die Teilnehmer kamen daher zu dem Schluss, dass die Überlegungen im Schlussdokument in den verschiedenen Regionen der Welt weitergeführt werden sollten.

Den Rest der Kirche «anstecken»

Bischof de Raemy erinnerte an die Worte von Papst Franziskus, nach denen dieses Dokument «nicht zuerst von anderen gelesen werden soll, sondern von jenen umgesetzt werden soll, die die Synode erlebt haben». «Er überträgt uns die Verantwortung, die Repräsentanten des Synodeninhalts zu sein und den Rest der Kirche damit «anzustecken»«, betonte der Freiburger Kirchenvertreter. In diesem Prozess der Synode hätten die Jugendlichen ihre Spuren eindeutig hinterlassen, stellt er fest: «Sie erinnerten uns daran, dass wir von Jesus ausgehen müssen, um zu Jesus zu gelangen, und dass jede Diskussion ausserhalb dieser Perspektive nutzlos sei».

Respekt vor anderen Generationen

Der Bischof hob einige wichtige Punkte des Dokuments hervor. Insbesondere erwähnte er die Beschreibung der Jugend als «theologischen Ort». «Das heisst, wenn wir beobachten, was junge Menschen heute im Allgemeinen erleben, und wenn wir diejenigen beobachten, die versuchen, Christus zu folgen, können wir verstehen, was Gott von uns verlangt», verdeutlichte er diese Aussage.

Es unterstrich auch die Verantwortung der Kirche, junge Menschen zu begleiten, die danach streben, erwachsen zu werden. Gleichzeitig müsse man die verschiedenen «Rhythmen», der Generationen beachten. Das Dokument appelliere daher an die Jugendlichen, für die «alles schneller geht», auch die «Langsamkeit» der Älteren zu respektieren.

Das brennende Thema des sexuellen Missbrauchs durch Mitglieder des Klerus, der allgemein als Machtmissbrauch angesehen wird, werde im Dokument mit besonderer Ernsthaftigkeit behandelt, erläuterte Alain de Raemy. Gefordert werde eine Reform «epochalen» Umfangs, damit die Kirche keine Straflosigkeit für ihr Handeln mehr empfinden könne.

Kritik und kontroverse Themen

Laut dem Freiburger Kirchenvertreter gab es einige umstrittene Passagen im Schlussdokument. Etwa den Absatz, der die Begleitung homosexueller Personen innerhalb der Kirche fordert. Der Text lädt dazu ein, Homosexuelle vor allem als Christen an sich zu betrachten, ohne sich auf ihre sexuelle Identität zu konzentrieren. Dieser Abschnitt, so stellte Bischof de Raemy fest, habe den grössten Widerstand hervorgerufen, abgesehen von jenem über die Synodalität und jenem über den Platz der Frauen in der Kirche.

Der Bischof brachte auch eine Reihe von Kritikpunkten an der Funktionsweise der Synode an. Insbesondere erwähnt er Interventionsmodi, die es nicht immer ermöglicht hätten, den eigenen Gedankengang bis zum Schluss auszudrücken. Oder das Fehlen einer Form des «Debriefings» am Ende der Synode, mit dem zukünftige Weltbischofsynoden verbessert werden könnten.

Vorschläge für die Schweiz

Nach seiner Rückkehr in die Schweiz will Bischof de Raemy seinen Kollegen der SBK eine Zusammenfassung des Schlussdokuments und seiner Erfahrungen an der Synode anbieten, um ihnen das Verständnis für dessen Inhalt zu erleichtern. Er habe auch die Idee, den Jugendrat als Dikasterium  (Amt, Anmerkung der Redaktion) der SBK «wiederzubeleben». Ziel sei es, die Funktionsweise dieses Gremiums zu verbessern, indem es repräsentativer und effektiver werde.

«Es wird jetzt wichtig sein, dass alles, was die SBK sagt oder tut, durch die Augen und Ohren junger Menschen geht und dass wir ihr Feedback darüber bekommen, was sie davon halten», sagte der Freiburger Weihbischof. Es gehe auch darum, eine stärkere Beteiligung junger Menschen jeden Alters am Leben der Kirche, insbesondere auf Pfarreiniveau, zu fördern. Der Prozess – nichts anderes sei die Synode – gehe nun weiter, betonte der Bischof, denn: «Das endgültige Dokument ist kein abschließender Text, sondern ein Fortsetzungstext».

 

Lesehinweis

Für die deutschsprachigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen war Thomas Andonie, der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, an der Synode in Rom. Thomas Andonie steht auch in regem Austausch mit den katholischen Jugendorganisationen in der Schweiz. Im Interview mit kath.ch spricht er über seine Eindrücke.

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