Auf dem Jakobsweg nach Santiago de  Compostela. 13 Fricktaler Jugendliche stellten sich vergangene Woche dieser Herausforderung. | © Simon Hohler

Auch die Jugend entdeckt das Pilgern

Andreas C. Müller, 15.7.19
  • 7 Etappen, 100 Kilometer, ein Ziel: Die Jugendseelsorge (Juseso) Fricktal pilgerte vergangene Woche mit 13 Jugendlichen auf dem letzten Teilstück des Jakobswegs nach Santiago de Compostela.
  • Subventioniert wurde das neuntägige Projekt unter anderem von verschiedenen Pfarreien, der Aargauer Pastoralkonferenz und der Stiftung Pro Fricktal.

 

Vergangenen Samstag war die Freude unter den 13 fricktaler Jugendlichen gross, die sich gemeinsam mit Juseso-Leiter Simon Hohler auf den Jakobsweg begeben hatten: Endlich angekommen. Zwei Teilnehmerinnen schlugen in Santiago de Compostela spontan das Rad, bei vielen machten sich aber auch Ermüdungserscheinungen breit. Nach 100 Kilometern Wandern während einer Woche aber durchaus nachvollziehbar.

Keine Feier unter dem schweren Weihrauchfass

Wegen Bauarbeiten fand die berühmte Pilgermesse in der benachbarten Franziskuskirche statt. Also keine Andacht unter dem schweren, hin und her schwingenden Weihrauchfass. Gleichwohl waren unter den Teilnehmenden viele Emotionen zu spüren, wie Leiter Simon Hohler gegenüber Horizonte berichtete. «Es gab Umarmungen und Tränen. Die Woche hat die Gruppe zusammenwachsen lassen und es haben viele vertrauensvolle Gespräche stattgefunden. Zudem sind einige Freundschaften während dieser Woche entstanden.»

Gestartet ist die Gruppe am Samstag vor einer Woche in Tui. Wie üblich zu jeder Wanderetappe begleitete ein Impuls die Gruppe durch den Tag. Am ersten Tag zum Thema Gewohnheiten – positive und negative. Den überbordenden Medienkonsum und die Abhängigkeit vom Handy nannten die Jugendlichen fast unisono als eine Gewohnheit, die sie verändern wollen. Man nehme sich aber oft vor, etwas zu verändern, scheitere aber oft an der eigenen Bequemlichkeit, gab eine Teilnehmerin zu.

Sonnenbrand beim Sonnenbad

Die knapp 19 Kilometer am ersten Tag hatte die Gruppe bereits kurz nach Mittag bewältigt. «Wir haben immer versucht, möglichst am Vormittag unser Streckenpensum zu bewältigen, um nicht in die grosse Hitze zu kommen», erklärt Leiter Simon Hohler. Einen Sonnenbrand haben sich die meisten Jugendlichen gleichwohl geholt: Am Ruhetag auf den Islas Cies. «Karibikfeeling», fasst Simon Hohler die Atmosphäre jenes Tages zusammen.

Auf der Route über Cesantes, Pontevedra, Caldas del Reis und Padron stellten sich die Jugendlichem immer wieder sehr persönlichen Fragen. Was möchte ich auf meinem Lebensweg erreichen? Was brauche ich, um glücklich zu sein? Wie stehe ich zur Schöpfung? Was gibt mir Kraft? Die von Simon Hohler eingebrachten Impulse brachten im Verlaufe der Tage die Jugendlichen immer wieder in Austausch miteinander.

Auseinandersetzung mit Ballast

Jeder trägt Ballast – gerade als Pilger. Nämlich den Rucksack. Eine nahe liegende Erkenntnis. Auf den Alltag übertragen waren es die zu fällenden Entscheidungen hinsichtlich Berufsausbildung, welche die Jugendlichen beschäftigten. Aber auch von verletzenden Erfahrungen wie Mobbing wurde berichtet. Freunde, Familie, der Glaube, Spazieren in der Natur: Das, so die einhellige Meinung der Jugendlichen, gibt Kraft, um die Herausforderungen des Alltags bewältigen zu können.

«Es war unglaublich spannend, aber auch anstrengend, was wir in diesen Tagen erlebt haben», meint Teilnehmerin Rahel aus Möhlin. Lukas aus Gipf-Oberfrick genoss vor allem den Anblick der ihm bis dato nicht bekannten Umgebung: «Die vielen kleinen spanischen Häuser in der mediterranen Landschaft haben mir sehr gefallen», erklärt er. «Ich bin mir über viele Sachen besser im Klaren als vor Antritt der Reise», meint ein weitere Teilnehmerin.

Reich an neuen Erfahrungen

Mit den Pilgerurkunden im Gepäck ist die Gruppe gestern Sonntag wieder in der Schweiz gelandet – reich an neuen Erfahrungen und Freunden

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