Ein neuer Name und klarer auf den Punkt gebracht, was angeboten wird. Der «rote Wagen» des Caritas-Unterstützungsdienstes schärft nach drei Jahren sein Profil. | © Andreas C. Müller

Aus der «helfenden Hand» wird «Caritas Care»

Andreas C. Müller, 1.4.19
  • Nach drei Jahren schärft der Heimunterstützungsdienst der Caritas in Suhr sein Profil. Geblieben ist als Bezugspunkt der Rote Wagen mitten im Zentrum.
  • Im Gegensatz zu anderen Care-Dienstleistern nimmt die Caritas für sich in Anspruch, nicht einfach auf Auftragsanfragen zu warten, sondern in den Quartieren aktiv nach hilfsbedürftigen Menschen Ausschau zu halten. Und weiter darf auch Hilfe in Anspruch nehmen, wer es sich nicht leisten kann.

 

Vor etwas mehr als drei Jahren startete Caritas Schweiz in Suhr mit einem roten Wagen ein Pilotprojekt, das gezielt ältere Menschen zuhause unterstützt. Der rote Wagen steht noch immer in Suhr und das Projekt wurde nach und nach professionalisiert. Aus der «helfenden Hand» wurde «Caritas Care – Stundenweise Unterstützung».

«Ältere Menschen stundenweise unterstützen»

Wir treffen Projektleiter Andy Huwyler in Suhr. Zusammen mit dem Zivildienstleistenden Cedric Waser bringt er am roten Wagen neue Informationstafeln an. Man habe «das Projekt geschärft», erklärt er. Es werde deutlicher benannt, was man mache: Ältere Menschen stundenweise unterstützen, damit diese zuhause bleiben können und nicht ins Heim müssen. «Zusammen einkaufen und kochen, zum Arzt gehen, im Haushalt helfen oder einfach auch mit den Leuten Zeit verbringen», berichtet Cédric Waser. Pflege mache man nicht, das überlasse man den Spitex-Organisationen.

Auf den ersten Blick ist es dasselbe, was auch andere Care-Dienstleister anbieten. Doch Andy Huwyler differenziert: «Wir sitzen nicht in einem Büro und warten auf Aufträge. Wir gehen aktiv auf die Menschen zu, bauen eine Beziehung und Vertrauen auf.» Aus diesem Grund auch der rote Wagen mitten im Dorfzentrum. «Wenn deutlich wird, dass wir jemanden an Dritte zuweisen können, dann drücken wir den Leuten nicht einfach einen Flyer in die Hand. Wir begleiten die Betroffenen zu den entsprechenden Fachstellen. Überdies richte man das Augenmerk gezielt auf ältere Armutsbetroffene, für welche die Angebote der anderen Dienstleister aus finanziellen Gründen wenig oder gar nicht in Frage kommen.

Begleitet Velofahren

Eine der Personen, die von den Mitarbeitern des Projekts in Suhr betreut werden, ist Albert Wüthrich. Ein Leben lang war der 90-Jährige aktiv gewesen. Einen grossen Teil seiner Freizeit verbrachte er mit Velofahren. Ausserdem spielt er Schach auf hohem Niveau. Seit seine Frau gestorben ist, lebt Albert Wüthrich alleine in seiner Wohnung.  Als er einen Flyer des Projekts «Caritas Care» in seinem Briefkasten fand, meldete er sich spontan.

Seither erhält Albert Wüthrich einmal pro Woche Besuch von Ida Odermatt, der Koordinatorin und Mitarbeiterin der Dienstleistung «Caritas Care» in Suhr. Die beiden fahren gemeinsam Fahrrad. Aufgrund einer Kinderlähmung, an der Albert Wüthrich als Kind erkrankte, ist er nicht mehr so gut zu Fuss unterwegs, doch Fahrrad fahren geht immer noch sehr gut. Allein im vergangenen Jahr schaffte er 5’000 Kilometer. «Ich komme fast nicht hinterher!», meint  die deutlich jüngere Ida Odermatt grinsend.

Auch ohne Geld gibt’s Unterstützung

Wenn das Wetter mal schlecht ist, spielen die beiden Schach oder jassen. Dankbar meint Albert Wüthrich: «Von der Caritas bekomme ich psychische und moralische Unterstützung!» Er geniesst die Gesellschaft sehr.

Zwischen 15 und 25 Klienten betreut das dreiköpfige Team in Suhr. An zwei Tagen in der Woche hilft zudem der Zivildienstleistende Cedric Waser mit. Ein überschaubarer Kundenstamm mit Luft nach oben, der seine Nische im stetig wachsenden Betreuungsbedarf gefunden hat. Seit einigen Jahren werden immer mehr Menschen pensioniert, die akut von Armut betroffen sind. Und genau die hat die «Caritas Care» im Blick. «Wir haben einen Stundenansatz von 55 Franken», erklärt Andy Huwyler. «Armutsbetroffene mit Kulturlegi der Caritas zahlen den halben Preis. Und wenn auch das nicht geht, finden wir einen anderen Weg.» Drei Viertel der betreuten Personen könnten den Normaltarif nicht stemmen, weiss der Projektleiter.

Gemeinden in die Pflicht nehmen

Die Standorte in Suhr und Zürich müssen sich selbst finanzieren. Das dies nicht ausschliesslich über die Klienten gelingt, nimmt Caritas die Gemeinden in die Pflicht. «Die Betreuung älterer Menschen zu Hause ist Sache der Gemeinden», erklärt Andy Huwyler. In Suhr teilt man diese Ansicht. Die Gemeinde leistet einen Unterstützungsbeitrag an die Dienstleistung.

Auch über die Krankenkassen können bestimmte Leistungen finanziert werden. «Wenn der Hausarzt beispielsweise Hilfe im Haushalt verordnet und darauf hinweist, dass die betroffene Person mit dieser Unterstützung länger zu Hause sein kann, wird Haushaltshilfe je nach Versicherung durch die Krankenkasse oder durch die Ergänzungsleistung – sofern ein Anspruch besteht – anteilmässig vergütet.

Die betreuten Klienten sind längst nicht alle über 65 Jahre alt. Es gebe auch Menschen um die 50, die von einer IV-Rente leben und mit vielen Alltagsverpflichtungen jetzt schon überfordert seien, weiss Andy Huwyler. Man habe noch Möglichkeiten, weitere Klienten aufzunehmen, erklärt Andy Huwyler. Auch stehe man in Gesprächen mit umliegenden Gemeinden.

 

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