So unterschiedlich wie diese Stuhlreihe aus Rheinfelden sind die verschiedenen Bänkli-Kreationen, die im Rahmen des Wettbewerbs «Bei uns haben alle Platz» eingereicht wurden. | © Pfarrei Rheinfelden

Bänkli-Aktion der Fachstelle Diakonie

Carmen Frei, 22.8.19
  • «Bei uns haben alle Platz!» Mit diesem Slogan und einer Bänkli-Aktion den Dienst am Nächsten sichtbar machen. Die Idee stammt von der Fachstelle Diakonie der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau.
  • Rund 40 Bänkli aller Art, gestaltet von Kreativen wie den «Bad Boys», stehen rund ein Jahr nach dem Start der diakonischen Offensive mittlerweile im Kirchenaargau. Eine Jury wird im Rahmen eines Wettbewerbs die besten Bänke prämieren. Doch nicht alle Bänkli wurden mit offenen Armen entgegengenommen.

 

«Wie bitte, ein Bänkli? Nur damit ich nachher wieder alle Jugendlichen vor der Kirche habe, die nur Lärm und Abfall produzieren?»; «So etwas stelle ich bestimmt nicht auf. Bei mir haben nicht alle Platz. Ich will doch keine Massenmörder in der Kirche haben!» Dies zwei Beispiele von negativen Voten, mit denen Olivia Conrad von der Fachstelle Diakonie konfrontiert wurde, als sie auf Tournee war, um allfälligen Mitbewerbern der Bänkli-Aktion den Slogan-Aufkleber «Bei uns haben alle Platz» zu überreichen.

Das Positive im Plus

«In einer Pfarrei hatten sie ein Bänkli aufgestellt, auf das alle etwas schreiben konnten», ergänzt die ausgebildete Sozialarbeiterin. «Vieles stand auf dem Bänkli. Auch Themen wie Trauern oder Homosexuelle. Eines Tages war das Wort ‚Homosexuelle’ durchgestrichen.»

«Mittlerweile sind im Aargau dennoch 40 Bänkli gebaut. Total unterschiedliche. Genau diese Vielfalt ist Kurt Adler und mir von der Fachstelle Diakonie wichtig. Denn es spielt keine Rolle, welche Menschen ihr auf euer Bänkli einlädt. Wichtig ist, dass ihr sie einlädt», erklärt Olivia Conrad. In Möhlin waren es die Jugendlichen der Relitreffen der 6. bis 8. Klasse, die sich der Bänkli-Aktion annahmen. Entstanden ist eine leicht zu transportierende Bank mit integrierten Pflanzgefässen samt Apfel- und Birnbaum.

Bänkli als beliebtes Foto-Sujet

In Baden legte sich der freiwillig in der Pfarrei engagierte Hans Heim in Sachen Bänkli ins Zeug. «Vor allem die Gottesdienst-Besucherinnen und Besucher haben stets Freude, vor und nach dem Kirchgang auf dem Bänkli zu verweilen», berichtet der Jugendarbeiter in Ausbildung, Robert Berisha.

Um die Bedeutung des Miteinanders herauszustreichen, wurden in Rheinfelden bunte Stühle von Menschen aus der Pfarrei zusammengetragen und zu einer Stuhl-Bank verbunden. «Unsere Bank wurde am Pfarreifest eingeweiht. Seitdem dient sie Menschen aus der direkten Umgebung täglich zur kleinen Erholung. Zudem stellt sich immer wieder jemand hin und fotografiert das Bänkli samt dem Motto ‚Bei uns haben alle Platz’», erzählt Rado Stecki vom Pfarreiteam.

Skatebord-Bänkli von den «Bad Boys»

Aus Suhr berichtet Silvia Hergöth Calivers: «Was ich gemerkt habe aus der Reaktion von Arbeitskolleginnen und -kollegen: Wir denken oft zu ‚klassisch’, zu konservativ. Eine Bank muss so und so aussehen. Und wir denken verschieden: Die einen haben Freude an der Originalität und die anderen vermissen die Funktionalität. Die jungen Erwachsenen haben einen völlig anderen Blick als wir Erwachsenen. All das war im Zusammenhang mit der Bänkli-Realisation anregend.»

«Upcycling statt wegwerfen, Mobilität in jedem Brett und bequem für alle Altersstufen.». So lautet der Kurzbeschrieb des Skateboard-Bänkli der Seelsorgestelle Bergdietikon. Realisiert vom Bubentreff «Bad Boys». Michael Jablonowski: «Es sind die Senioren, die nach dem Gottesdienst diese Bank den anderen Bänken vorziehen. Sie sind begeistert, wie bequem sie ist und wie toll die Jugendlichen gearbeitet haben.

Sogar als Sprungbrett nutzbar

Die Idee mit den alten Skateboarddecks gefällt den Senioren gut. Mit etwas Ausgedientem etwas Neues zu schaffen, ist ganz in ihrem Sinn.» Der Fachverantwortliche Religionsunterricht und Katechese im Pastoralraum am Mutschellen weiter: «Jüngst waren die Kindergärtler zu Besuch und haben die Sitzebenen an den Seiten als Sprungbrett genutzt. Sogar als Spielgerät taugt diese Bank.»

Schöne Geschichten also, welche dank der Bänkli-Aktion der Fachstelle Diakonie im Kirchenaargau geschrieben werden. Gleichwohl beschäftigen die kritischen Rückmeldungen. Ende Juli war Olivia Conrad zu Gast im ökumenischen Sommergottesdienst in Möhlin und brachte die erwähnten Abwehrreaktionen ein. Dort nahm sie pointiert Stellung zu den weniger erfreulichen Reaktionen.

Wettbewerb dauert noch bis Ende August

«Der Pfarrer, welcher der problematischen Jugendlichen wegen ein Bänkli abmontierte, hätte vielleicht weniger Lärm und Abfall gehabt, wenn er einfach mal zu den jungen Menschen hingesessen wäre, um mit ihnen zu plaudern. Hätte er sich erklären können, hätten die Jugendlichen zumindest die Möglichkeit gehabt, sein Anliegen zu hören. Oder was hättet ihr mit dem Bänkli gemacht, wo das Wort ‚Homosexuelle’ durchgestrichen wurde? Ich hätte mit einem dicken Filzer darüber geschrieben: Jetzt erst recht!»

Noch bis Ende August 2019 können Bänkli-Kreationen unter dem Motto «Bei uns haben alle Platz» bei der Fachstelle Diakonie gemeldet werden. Danach wird eine Jury, zusammengesetzt aus Kirchenrätin Claudia Chapuis, Synodepräsident Daniel Holenstein und der landeskirchlichen Kommunikationsverantwortlichen Esther Kuster, die Werke beurteilen und die Bänkli quasi aufs Podest hieven.

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