Eines von vielen Balkendiagrammen, die das Bundesamt für Statistik (BFS) im Rahmen der Strukturerhebung 2016 erstellt hat. Am Mittwoch 1. Februar 2018 veröffentlichte das BFS die aktuellen Zahlen, die auch die Religionslandschaft Schweiz in den Blick nehmen. | © zvg/Quellen: BFS - VZ (1970-2000), Strukturerhebung (SE, 2010-2016)

BFS: Zahlen zur Religionslandschaft Schweiz

kath.ch/Georges Scherrer, 5.2.18
  • Die Zahl der Mitglieder der römisch-katholischen Landeskirche ist in den letzten Jahren in der Schweiz stabil geblieben.
  • Jene der evangelisch-reformierten Landeskirche ist zurückgegangen, die Konfessionslosigkeit nimmt zu. Das stellt das Bundesamt für Statistik (BFS) in Neuenburg in einer Pressemitteilung von Mittwoch fest.

 

Der Anteil der römisch-katholischen Kirche an der Wohnbevölkerung ist zwischen 2000 und 2016 von 41,1 Prozent auf 36,1 Prozent, also um fünf Prozentpunkte zurückgegangen. Wegen des Bevölkerungswachstums durch Zuwanderung blieb die Anzahl der Katholiken mit 1,9 Millionen Mitgliedern jedoch stabil. Die Zahl der Mitglieder der evangelisch-reformierten Landeskirchen hingegen minderte sich um zehn Prozentpunkte. Im Jahr 2000 lebten 1,9 Millionen Reformierte in der Schweiz. Heute sind es rund 300 000 weniger.

Islamisch GLaubensgemeinschaften wachsen

Im Gegensatz dazu hat der Anteil der muslimischen und aus dem Islam hervorgegangenen Glaubensgemeinschaften um 1,6 Prozentpunkte gemäss BFS leicht zugenommen. Der Anteil der jüdischen Glaubensgemeinschaften ist gleich geblieben. Die Zahlen des BFS beziehen sich auf die ständige Wohnbevölkerung in der Schweiz, die älter als 14 Jahre alt ist. Die Zahl der Konfessionslosen nahm zwischen 2000 und 2016 um 12,3 Prozentpunkte zu.  Gemäss BFS waren 2016 23,3 Prozent der Bevölkerung konfessionslos.

Die grosse Mehrheit (71 Prozent) suchte maximal fünfmal pro Jahr eine religiöse Einrichtung auf, um einem Gottesdienst beizuwohnen. Die Mitglieder islamischer Gemeinschaften gaben an, in den letzten zwölf Monaten vor der Befragung nie (46 Prozent) oder einmal pro Woche (knapp 12 Prozent) an einem Gottesdienst teilgenommen zu haben.

Ein Drittel betet regelmässig

Knapp ein Drittel der Katholikinnen und Katholiken und ein Sechstel der Mitglieder der muslimischen Gemeinschaften beten täglich oder fast täglich . Der Anteil der Personen, die in den letzten zwölf Monaten vor der Erhebung nie gebetet haben, ist gemäss BFS bei den muslimischen Gemeinden höher (40 Prozent) als bei den Mitgliedern der protestantischen (34 Prozent) und der katholischen Kirche (26 Prozent). 34 Prozent der Mitglieder evangelikaler Gemeinden beteten mehrmals täglich und 51 Prozent täglich oder fast täglich.

Von den katholischen und protestantischen Befragten gaben 59, beziehungsweise 46 Prozent an, an einen einzigen Gott zu glauben. Deutlich höher ist der Anteil bei den evangelikalen Gemeinden. Dort glauben 92 Prozent an einen einzigen Gott. Bei den muslimischen Gemeinschaften sind es 90 Prozent. Ein Drittel der Konfessionslosen bezeichnete sich als atheistisch und ein Viertel als agnostisch. Letztere wüssten nicht, ob es einen oder mehrere Götter gibt, schreibt das Bundesamt.

Religion und Spiritualität bleiben wichtig

Frauen beten im Allgemeinen häufiger als Männer. Frauen neigten auch eher dazu, sich mit verschiedenen Glaubensformen zu befassen. So glauben beispielsweise 58 Prozent der Frauen und lediglich 37 Prozent der Männer eher oder sicher an Engel oder übernatürliche Wesen, «die über uns wachen», wie das BFS schreibt. Über die Hälfte der befragten Frauen glaubt, dass es Personen gibt, die über die Gabe des Heilens oder Hellsehens verfügen. Bei den Männern belief sich dieser Anteil auf 42 Prozent.

Religion oder Spiritualität spielte gemäss BFS bei mehr als jeder zweiten Person (56 Prozent) eine eher oder sehr wichtige Rolle in schwierigen Momenten des Lebens und bei 47 Prozent im Falle einer Krankheit. In Bezug auf die Einstellung gegenüber Natur und Umwelt sowie auf die Kindererziehung war Religion oder Spiritualität bei 43 beziehungsweise 47 Prozent der befragten Bevölkerung von Bedeutung. Im Berufsleben (23 Prozent), bei Entscheidungen in Zusammenhang mit Abstimmungen oder bei der politischen Ausrichtung (16 Prozent), im Sexualleben (16 Prozent) oder bei den Ernährungsgewohnheiten (13 Prozent) seien religiöse oder spirituelle Aspekte laut BFS weniger wichtig.

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