Am Sonntag, 23. September 2018, fand das Bistumsjugendtreffen 2018 (BJT) in Brugg-Windisch statt. Rund 325 Jugendliche und junge Erwachsene konnten an verschiedenen Orten in Brugg und Windisch Ateliers und Gesprächsrunden besuchen. Der BJT 2018 stand unter dem Motto «tomorrow – die Welt liegt in deiner Hand». Gegessen wurde im Amphitheater, der Abschlussgottesdienst fand aufgrund der Wetterwarnungen anders als geplant in der Kirche in Windisch statt. | © Anne Burgmer

Bistumsjugendtreffen 2018 in Brugg-Windisch

Anne Burgmer, 24.9.18
  • Rund 325 Jugendliche und junge Erwachsene erlebten ein reichhaltiges Atelierangebot am diesjährigen Bistumsjugendtreffen (BJT) in Brugg und Windisch. Das Treffen lief unter dem Motto «tomorrow – die Welt liegt in deiner Hand».
  • Der Abschlussgottesdienst mit Bischof Felix Gmür wurde wegen des starken Windes nicht wie geplant im Windischer Amphitheater gefeiert, sondern aus Sicherheitsgründen in der direkt benachbarten Kirche St. Maria.

 

Das Motto des Bistumsjugendtreffens hatte OK-Präsident Urs Bisang in einem Interview mit Horizonte so verdeutlicht: «Die Jugendlichen setzen sich mit Fragen zu Umweltschutz, Ökologie, weltweiter sozialer Gerechtigkeit, Zusammenleben der Generationen und Kulturen auseinander, und damit, was unser christlicher Glaube damit zu tun hat. Erfahrene Persönlichkeiten berichten von ihrer täglichen Arbeit. So zum Beispiel Mitarbeitende der Caritas, von Fastenopfer, der Spitalseelsorge, der Jubla oder eines Hilfsangebots bei Suizidgedanken. Die Ateliers bieten die Chance, sich mit Leuten auszutauschen, die mitten in ihrer Tätigkeit stehen. Unsere Idee ist, Initiativen zu zeigen, die funktionieren. Diese positiven Beispiele sollen dazu anregen, selber aktiv zu werden».

Ateliers in ganz Brugg und Windisch

Zunächst irritiert es, dass die Ateliers über ganz Brugg, Windisch und auch den angrenzenden Wald Richtung Habsburg verstreut waren. Doch dahinter stand eine Absicht: «Wir haben im Vorfeld gesagt, die Jugendlichen sollen sich gut mit dem Programm beschäftigen und sich Gedanken machen, was sie besuchen wollen.» Verirren war kaum möglich, die Beschilderung deutlich, allein die Zeitangaben für die Wege waren vielleicht etwas knapp bemessen. Das OK hatte sich einige Gedanken gemacht, auch unvermutete Kooperationspartner ins Boot zu holen. «Do ut des – die Götter der Legionäre» hiess ein Atelier, bei dem die Teilnehmenden aus einem Sandsteinblock einen eigenen kleinen Opfer-Altar hauen konnten. Angeleitet wurden die Interessierten von einem Mitglied des Vindonissa-Museums Brugg.

Das Mittagessen wurde zentral im Amphitheater Windisch «Vindonissa» ausgegeben. Dort standen auch der Info-Point und ein grosses Zelt mit Bänken und Tischen. Doch die meisten Jugendlichen sassen fröhlich und entspannt auf den Mauern rund um die grosse Wiese des römischen Baus. Neben dem Info-Point beim Eingang sass ein sichtlich gut gelaunter Luc Humbel. «Ich habe grade grosse Freude daran, zu sehen, wie die Mitarbeitenden der katholischen Landeskirche hier das Treffen auf die Beine stellen», sagte der Kirchenratspräsident der Römisch-Katholischen Landeskirche im Aargau. Er teilte sich die Bank mit Gabriele Tietze, Bistumsregionalleitung St. Urs, und Felix Gmür, Bischof von Basel. Der wurde auf seinem Weg über die Wiese zum Kirchenzentrum St. Marien Windisch immer wieder von Jugendlichen für ein Foto angesprochen.

Sag’s dem Bischof

Später ging es nicht um Fotos, sondern um Inhalte. Der Bischof stand achtzehn Jugendlichen und jungen Erwachsenen Rede und Antwort und diskutierte mit ihnen. «Sorry, dass ich jetzt nicht ja oder nein antworten kann, doch es ist eben nicht so einfach zu lösen», sagte Bischof Felix zum Schluss seiner Antwort auf die Frage nach dem Zölibat. Zuvor hatte er erklärt, dass es komplizierte Folgefragen geben würde, wenn die Kirche den Pflichtzölibat sofort abschaffe. «Ein Priesterkollege in Frankreich beispielsweise bekommt rund 1000 Euro – davon kann er keine Familie ernähren. Hier wiederum kann man von den Ehefrauen nicht erwarten, dass sie daheim bleiben, ihren Priester-Ehemann voll unterstützen und dafür nicht bezahlt werden. Sie sind ja nicht die Dienerinnen des Mannes».

Was kommt nach dem Tod? Wie ist es mit dem Ewigen Leben? – Ewigkeit gebe es, so Bischof Felix, wenn die Dimensionen von Raum und Zeit wegfielen. Es  sei eine andere Dimension, über die man keine Aussagen machen könne. Eine Ahnung von Ewigkeit könne man erleben, wenn man staune: «Dann zählt nichts mehr um einen herum. Keine Zeit, kein Raum. Das kann einem in der Natur passieren». Wenn die Ewigkeit frei von Zeit und Raum sei, sei sie auch frei von Veränderung. Das hiesse auch, man solle sich gut überlegen, was für ein Mensch man am Lebensende sein wolle, ein guter oder eher ein nicht so guter, sagte Bischof Felix sinngemäss.

Indoor-Abschlussgottesdienst

«Es war schön, dass der gemeinsame Gottesdienst als Abschluss des Bistumsjugendtreffen gefeiert wurde. So konnte man die Fülle des Tages, die Eindrücke, Gespräche und Erlebnisse mit in die Feier nehmen», meinte Gabriele Tietze von der Bistumsregionalleitung St. Urs nach dem Gottesdienst. In diesem war die gleiche ruhige, entspannte und fröhliche Atmosphäre wie beim gesamten Bistumsjugendtreffen spürbar. Liedtexte und Gebete wurden per Beamer auf eine Leinwand vorne an der Seite projeziert, so dass weder Gesangbücher noch zusätzliche Liedzettel notwendig waren. Immer wieder gab es Applaus und mehr als einmal bestätigten vor allem die Jugendlichen einzelne Gebete mit einem deutlichen «Amen». In seiner Predigt machte Bischof Felix Gmür deutlich: «Für Gott zählt nicht, wer der Beste oder Grösste ist. Für Gott zählt, wer sich um seine Mitmenschen gekümmert hat und Sorge getragen hat zur Schöpfung».

Genau eine Stunde dauerte der Gottesdienst, den Jugendseelsorgende vorbereitet hatten, und bei dem Jugendliche aktiv und mit eigenen Gedanken mitwirkten. Er wurde von einer Band und einem Ad-Hoc-Chor aus OK-Mitgliedern und anderen Interessierten gestaltet; ab 13 Uhr konnte dafür geprobt werden. In einem Zwischenimpuls und den Fürbitten wurde deutlich, dass sich die jungen Menschen sehnlichst wünschen, ihre Fähigkeiten entdecken und ihren Mut für eine gute Zukunft einsetzen zu dürfen: Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen wünschen sich die Chance, ein gelingendes Leben zu führen. Sie wissen, dass das Morgen in ihren Händen liegt.

 

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Die meisten Teilnehmenden kamen aus dem Aargau – zum Beispiel die Gruppe von Peter Zürn, Pastoralassistent in der Seelsorgeeinheit Killwangen/Neuenhof/Spreitenbach. Doch auch aus den Kantonen Solothurn und Thurgau waren Jugendliche angereist. | © Anne Burgmer
Jugendgruppe aus dem Aargau
Von links nach rechts: Susanne Muth, von der Fachstelle für Jugend und junge Erwachsene, vom Organisationskomitee, sowie Barbara, Vanessa und Tamina, die am Infozelt im Amphitheater Dienst leisteten. | © Anne Burgmer
Am Infozelt
Francesco Montalto und Mirjam Dörfer vom OK. Man habe gewartet, bis die Auswertung des BJT 2017 in Basel fertig gewesen sei, dann sei die Planung für Brugg-Windisch angelaufen. «Es sind oft Kleinigkeiten, die die Vorbereitung komplizierter machen, als am Anfang gedacht», sagt Mirjam Dörfer, die für die Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation verantwortlich war.| © Anne Burgmer
OK-Mitglieder im blauen Rahmen
Verschiedene Ateliers und Posten gab es in Brugg und am Amphitheater in Windisch. Gertrud Häbeli, Vertreterin von Bio Aargau, dem Verband der Biobäuerinnen und Biobauern, legte kurzerhand das Labyrinth von Chartres und platzierte darin Holzkisten mit verschiedenen Inhalten. «Wir wurden angefragt, zum Thema tomorrow ein Angebot zu machen. Die spontane Reaktion war: Ja, zu diesem Thema haben wir Biobäuerinnen und Biobauern so manche Idee». | © Anne Burgmer
Nachhaltigkeit für morgen
«Fremdes erleben» hiess ein Atelier, welches von Jubla Aargau begleitet wurde. Darin – in Übergrösse – die Klappgespräche der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau zum Legislaturziel Fremd-sein. Die Mittagspause sei jetzt sehr ruhig, am Morgen seien viele Jugendliche vorbeigekommen, hiess es. | © Anne Burgmer
Fremdes erleben bei der Jubla Aargau
Von links nach rechts: Luisa (13), Alessia (14), Giada (13), Tanja (14) und Julie (14) aus Rheinfelden. Zwischen den Mauern des Amphitheater haben sie im Schatten Zmittag gegessen und sind guter Laune. Unter viel Gelächter erzählen sie von den Ateliers des Morgens: «Glückskekse braucht die Welt» und «Bucketlist – Träume deine Zukunft». Auf die Frage, ob das BJT «Top» oder «Flop» sei, antworten sie einstimmig mit «Top!». | © Anne Burgmer
Das BJT ist top!
«Sag’s dem Bischof» hiess ein anderes Angebot. Jugendliche und junge Erwachsene konnten zehn Fragen diskutieren. Pro Frage hingen ein Symbolbild und ein grosses, weisses Papier in der Wand des Raumes. Die Antworten klebten die Teilnehmenden per gelbem «Post-it» auf die Papiere. Eine Stunde am Nachmittag nahm sich Bischof Felix Zeit, die zehn Fragen im direkten Gespräch mit den jungen Frauen und Männern zu beantworten. | © Anne Burgmer
Atelier mit Bischof Felix Gmür
Kaum überraschend fragten die Jugendlichen nach Themen wie Zölibat oder Homosexualität. Doch auch die Frage nach dem ewigen Leben war auf der Liste oder, was der Bischof seinen Kindern vom Glauben mit auf den Weg geben würde. Das wären zwei Dinge, so Felix Gmür: Die biblischen Geschichten und kleine Rituale.| © Anne Burgmer
Felix Gmür im Gespräch
Der Gottesdienst bot neue Praxis: Liedtexte oder die Information, wer vorne steht, wurden per Leinwand an die Gemeinde weitergegeben. Liedbücher oder –zettel wurden so überflüssig. Kleines Detail und auch für ungeduldige Erwachsene spannend: Am Rand der Leinwand wurde eingeblendet, welcher Teil des Gottesdienstes als Nächstes kommt. | © Anne Burgmer
Gottesdienstfahrplan
Brigitta Minich, Seelsorgerin im Pastoralraum Region Brugg-Windisch, war für drei Unterbrechungen des Gottesdienstes zuständig. Die Anwesenden sollten über Impulsfragen nachdenken und sich mit dem Nachbarn oder der Nachbarin darüber austauschen. | © Anne Burgmer
Brigitta Minich, Seelsorgerin
Volle Kirche: Der reguläre Gemeindegottesdienst am Samstag wurde für dieses Wochenende nicht durchgeführt. Deshalb mischte sich die normale Gemeinde mit den jungen Gästen von nah und fern. | © Anne Burgmer
Volles Gotteshaus
Alle Lieder wurden auch in Gebärdensprache übersetzt. Ein Lied wurde gar nur in Gebärdensprache und ohne Musik «gesungen». Die Gebärdendolmetscherin machte es gemeinsam mit dem Ad-Hoc Chor vor, die Gemeinde machte mit. Singen bei totaler Stille. | © Anne Burgmer
Singen in Gebärdensprache
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