Im Seitenschiff steht der Altar, der dem Katakombenheiligen Synesius geweiht ist. Darin ruhen die Gebeine, die 1653 aus den Katakomben Roms nach Bremgarten gebracht wurden. | © zvg

Bremgartens Stadtheiliger öffnet das innere Auge

Marie-Christine Andres Schürch, 10.10.19
  • Am Sonntag, 27. Oktober feiert Bremgarten seinen Stadt- und Landpatron Synesius.
  • Die Reliquien des Katakombenheiligen ruhen seit dem Jahr 1653 in der Bremgarter Stadtkirche.
  • Zu seiner Verehrung gehört auch der Brauch der Augensegnung. Der Augenheilige soll vor allem für eine klare innere Sicht sorgen.

 

Die Stadtkirche in Bremgarten ist dem heiligen Nikolaus von Myra geweiht. Doch der heimliche Star ist ein anderer, dessen Reliquien in einem Schrein auf dem mittleren Altar des Seitenschiffs ruhen: Synesius. Seit 1653 wird er in Bremgarten als Fürbitter gegen Augenleiden verehrt und angerufen. Jeweils am vierten Sonntag im Oktober feiert die Pfarrei das Synesiusfest mit einem feierlichen Gottesdienst, in dessen Anschluss die Gläubigen den Synesiussegen empfangen können.

Unbekannte Biografie

Der Stadt- und Landpatron von Bremgarten ist ein so genannter «Katakombenheiliger». Darunter versteht man jene Heiligen, deren Reliquien seit dem 17. Jahrhundert den Grabnischen der römischen Katakomben entnommen und zu Kultuszwecken in Kirchen der katholischen Welt übertragen wurden. Der Schädel und die Knochen in der Bremgarter Stadtkirche stammen aus einem Reliquienschatz, über den es kein Namensverzeichnis gibt. Als die Reliquien vor 366 Jahren ans Tageslicht kamen, gab man ihnen den Namen Synesius gab. Von seinem Leben ist nichts bekannt.

Rege Wallfahrtstätigkeit

Am 22. Oktober 1653, brachten der damalige Stadtpfarrer und der Custos der Pfarrkirche die Reliquien nach Bremgarten. Vermittelt worden war der Schatz vom damaligen Hauptmann der Schweizergarde. In Bremgarten mauserte sich Synesius rasch vom Stadtpatron zum Schutzheiligen der gesamten Region und es entstand eine rege Wallfahrtstätigkeit. Regelmässig erinnerten in Bremgarten grosse Volksfeste an die feierliche Überführung der Reliquien.

Reliquien nur am Festtag sichtbar

Noch heute wird jedes Jahr anlässlich des Synesiusfestes mit den Reliquien der Augensegen gespendet. Über Jahrhunderte waren an diesem Feiertag sämtliche umliegenden Pfarreien ins Städtchen gepilgert. Heute sind es vor allem Einzelpersonen, die für den Segen nach Bremgarten kommen. Der Brauch erfreut sich aber nach wie vor grosser Beliebtheit. Dazu trägt sicher bei, dass die Reliquien nur am Feiertag betrachtet werden können. Für den Rest des Jahres sind Schädel und Knochen sorgfältig eingeschlossen.

Augenheiliger

Warum Synesius als Patron gesunder Augen, als Augenheiliger, verehrt wurde und wird, weiss niemand genau. Auch der Bremgarter Lokalhistoriker Heinz Koch kann nur mutmassen: «Es war die Zeit der Gegenreformation, als die Reliquien der Katakombenheiligen als ‚Wächter’ zu uns kamen. Möglich, dass man ihnen einfach einen Wirkungsbereich zugeteilt hat.»

Heilige entstauben

Für den Segen wird eine Fingerreliquie nicht auf die Augen, sondern auf die Nasenwurzel gehalten. Es werde also quasi das «dritte», das innere, Auge gesegnet, erklärt Heinz Koch. So, dass die Gesegneten innerlich offen würden, und überlegten, wo es ihren persönlichen Einsatz brauche. «Wir müssen unsere Heiligen vom Staub befreien und uns fragen, welche Wirkung sie hier und heute entfalten können», findet Heinz Koch.

Synesius wirkt in Afrika

Die Bremgarter haben ihren Heiligen im Jahr 2003 gründlich entstaubt. Anlässlich des 350. Gedenktages der Übertragung der Reliquien gründeten sie unter dem Slogan «Synesius gehört nach Afrika» das Projekt Synesius, das Schulen und Gesundheitseinrichtungen in Afrika – momentan in Kenia – unterstützt. So wurde, wie in ersten Ausgabe des Vereinsblatts von 2006 zu lesen ist, der Bremgarter Augenheilige «vom lokalen zum internationalen Helfer und Fürbitter».    Marie-Christine Andres

 

Synesiusfest 2019

Samstag, 26. Oktober: 16 bis 17 Uhr: Augensegnung.  17.15 Uhr: Vesper zum Synesiusfest (mit Beda Szukics, Abt des Klosters Muri-Gries, Don Luigi Talarico, Pater Uche Iheke und Diakon Andreas Bossmeyer), Musik: Lidija Bänziger (Gesang), Andrea Kobi (Orgel). Anschliessend Augensegnung.

Sonntag, 27. Oktober: 9.30 bis 10.15 Uhr: Augensegnung. 10.30 Uhr: Festgottesdienst zum Heiligen Synesius. Mit Abt Beda Szukics (Festpredigt), Pater Uche Iheke und Diakon Andreas Bossmeyer. Musik: Kirchenchor Bremgarten. Anschliessend Augensegnung. 14 bis 16 Uhr: Augensegnung.

 

 

 

Foto:  Roger Wehrli

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