Rudolf Thomann organisiert am Samstag, 4. November 2017, eine Kulturnacht zugunsten des Erhalts der reformierten Kirche in Villmergen. Der Anlass beginnt um 18 Uhr in der Kirche. | © Roger Wehrli

Bürger wollen reformierte Kirche Villmergen retten

Andreas C. Müller, 3.11.17
  • Eine Gruppe Kirchenmitglieder organisiert am 4. November eine Kulturnacht zugunsten des Kirchenerhalts.
  • «Die Renovation ist ohne Steuererhöhung zu machen und günstiger als von der Kirchenpflege behauptet», erklärt Initiant Rudolf Thomann.
  • Der Widerstand gegen die Abrisspläne mobilisiert über Konfessionsgrenzen hinaus.

 

Infolge von Kirchenaustritten und wegsterbenden Kirchgängern lichten sich die Reihen in den Kirchen. Die Reformierten trifft das bis jetzt stärker als die Katholiken. Mancherorts wird bereits über die Umnutzung von Gotteshäusern diskutiert (Horizonte berichtete).

Kirchenpflege befürwortet Verkauf des Kirchengrundstücks

In Villmergen soll gar die aus den 1960er Jahren stammende reformierte Kirche abgerissen werden. Sie ist stark baufällig, eine Renovation gestaltet sich teuer. Nun regt sich jedoch Widerstand. Verschiedene Mitglieder der Kirchgemeinde sowie zahlreiche Sympathisanten – auch Katholiken – engagieren sich für den Erhalt der Kirche. «Unsere Kirche muss nicht abgerissen werden, «erklärt der pensionierte Bezirkslehrer und Biologie Rudolf Thomann, der seit ein paar Wochen auch in der Öffentlichkeit für das Anliegen weibelt.

Über die Zukunft der reformierten Kirche Villmergen wird bereits seit längerem diskutiert. Die Kirchenpflege empfiehlt den Verkauf des gesamten Grundstückes. An der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung vom 14. September 2016 wurde ein Antrag angenommen, wonach ein Investor übernimmt die gesamte Liegenschaft im Baurecht übernimmt und eine Überbauung im sozial gemeinschaftlichen Sinn realisiert. Vorgehsehen war, dass hernach die Kirchgemeinde in dieser Überbauung einen Mehrzweckraum mietet oder kauft.

Gottesdienste künftig im Altersheim

Weil in einer Wohnzone aber kein Mehrzweckraum für öffentliche Nutzung gebaut werden darf, stellt die Kirchenpflege an der Kirchgemeindeversammlung vom 22. November 2017 nun einen Änderungsantrag. Die Kirchgemeinde mietet anderswo passende Räumlichkeiten für das kirchliche Leben in der Gemeinde Villmergen. Gottesdienste und andere kirchliche Veranstaltungen würden fortan im Seniorenzentrum «Obere Mühle» stattfinden. «Die Reformierte Landeskirche begrüsst dieses Vorhaben», erklärt Kirchenpflegepräsidentin Berta Hübscher. Es würde also weiterhin möglich sein, Gottesdienste in Villmergen zu besuchen.

Rudolf Thomann hingegen ist überzeugt, dass es nicht soweit kommen müsse. «Die Renovation kostet nicht 1,5 Millionen Franken wie von der Kirchenpflege behauptet, sondern nur etwa 700 000 Franken». Finanziert werden könne sie über einen Teilverkauf des Grundstücks, erklärt Rudolf Thomann gegenüber Horizonte. Verkauft werden müsse demnach nur der unbebaute Teil der Parzelle sowie der Teil mit dem Pfarrhaus, das vom Pfarrer ohnehin nicht mehr bewohnt werde. «Es wäre schade, wenn wir unsere Kirche verlieren würden», so Rudolf Thomann.

Umfrage zeigte: Über 80 Prozent gegen Abrisspläne

Bei den deutlich tieferen Kosten stützt sich der pensionierte Bezirkslehrer auf eine in Auftrag gegebene Expertise. «Wir haben gebeten, nur das wirklich Notwendige zu prüfen.» Dies jedoch verkenne die Fakten, kritisiert Kirchenpflegepräsidentin Berta Hübscher. Wenn man schon renoviere, müsse man es richtig machen. «Auch muss man mit Überraschungen rechnen, die Mehrkosten verursachen».

«Wir haben nochmals einen Kostenvoranschlag in Auftrag gegeben, der die Kostengenauer aufzeigen soll», erklärt Berta Hübscher. Dieser wird an der Kirchgemeindeversammlung vom 22. November vorgestellt. «Die Kirchenpflege möchte die Kirche auch behalten. Dies muss aber finanziell tragbar sein, ohne dass der Steuerfuss erhöht werden muss.»

Rudolf Thomann ist überzeugt, dass es ohne Steuererhöhung geht und verweist auf die Möglichkeit, die Kirchenräume an Externe zu vermieten. Das bringt jährlich etwa 25 000 Franken. Zudem seien die viele Leute den Abriss der Kirche. «In einer nicht repräsentativen Umfrage der Wohlener Zeitung sprachen sich über 80 Prozent für den Erhalt der Kirche aus.» Zudem unterstützten verschiedene Gewerbetreibende, aber auch Katholiken das Anliegen zum Erhalt der reformierten Kirche in Villmergen.

Kulturnacht zugunsten der Kirche am 4. November

Am kommenden Samstag, den 4. November, organisiert ein Gruppe um Rudolf Thomman eine Kulturnacht in der reformierten Kirche Villmergen. Das Ganze verstehe sich als Manifestation für den Erhalt der Kirche. «Es liessen sich ohne Probleme zehn Gruppen finden, die gratis auftreten werden», so Rudolf Thomann. Der Eintritt ist frei, es gibt eine Kollekte zugunsten des Kirchenerhalts. Die Stunde der Wahrheit folgt dann an der Kirchgemeindeversammlung am 22. November. Die anwesenden Kirchenmitglieder werden dann nochmals über den Erhalt ihrer Kirche entscheiden.

 

 

 

 

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