Beim Projekt «Co-Pilot» von Caritas Aargau werden Asylsuchende von Freiwilligen im Alltag bei der Integration unterstützt. | © Roger Wehrli

Caritas-Projekt «Co-Pilot» in der Transitzone

Andreas C. Müller, 25.3.19
  • Isabelle Odermatt von Caritas Aargau zieht eine positive Bilanz zum Projekt «Co-Pilot», das vor einem Jahr in Aarau und Baden gestartet wurde. 54 Freiwillige haben je einen Flüchtling zwei bis vier Mal im Monat besucht und bei der Integration unterstützt.
  • Das Projekt «Co-Pilot» wird fortgeführt. Im April werden neue Freiwillige rekrutiert.

Mit Unterstützung seiner Co-Pilotin erreichte der 44-jährige Tekle aus Eritrea den Familiennachzug seiner Frau und seiner Tochter. Dies nachdem er bereits seit vier Jahren in der Schweiz lebte. Das Caritas-Projekt «Co-Pilot» bringt Migranten mit Freiwilligen zusammen, welche sie bei der Integration unterstützen.

2’500 Stunden Freiwilligenarbeit

Am 15. März trafen sich in Baden die sogenannten «Cockpit-Teams« zu einem abschliessenden Austausch. 16 Teams werden weiterfahren, vier Teams «sind definitiv gelandet», wie Isabelle Odermatt erklärte. Mit Aarau zusammen seien laut Isabelle Odermatt im vergangenen Jahr 54 «Cockpit-Teams» an den Start gegangen. Monatlich zwei bis viermal hätten sich die Freiwilligen mit den Flüchtlingen getroffen. «Das ergab gegen 2’500 Stunden Freiwilligenarbeit», rechnete Isabelle Odermatt vor.

Die Freiwilligen betreuten zur Hauptsache Menschen aus Eritrea, Syrien Somalia und Afghanistan, aber auch aus Tibet, dem Jemen und Irak. Geholfen wurde bei der Arbeits- und Wohnungssuche, bei Fragen rund um Gesundheit, Familiennachzug und Bildung.

Ankämpfen gegen den Widerstand aus der Bevölkerung

«Ich wollte einfach mal in das Asylwesen Einblick erhalten und mir eine eigene Meinung bilden», erklärte Conny B. gegenüber Horizonte ihre Motivation, sich als Co-Pilotin zur Verfügung zu stellen. Die 60-Jährige Treuhänderin durfte eine Frau aus Eritrea begleiten.

Die Flüchtlingsfrau sei zwar sehr liebenswürdig gewesen, berichtete Conny B. Allerdings auch schwer traumatisiert, weil sie zwei ihrer drei Kinder habe zurücklassen müssen. Darüber hinaus sei die Situation generell schwierig: «Auf diese Flüchtlinge hat niemand gewartet, die werden hier nicht gebraucht.» Es gebe viel Widerstand aus der Bevölkerung, zudem seien die Flüchtlinge trotz mehrjährigen Aufenthalts in der Schweiz oft schlecht integriert.

Conny B. will ihre Pilotin weiterhin unterstützen: «Ich will ihr helfen, dass sie eine Hundertprozentstelle findet und auf eigenen Füssen steht. Dann kann sie ihren beiden Söhnen Geld schicken.

«Das Sozialamt muss mehr Druck aufsetzen»

Peter R. aus Bad Zurzach hat bereits früher im Ausland mit Flüchtlingen gearbeitet. Mittlerweile pensioniert, dachte er sich, er könne doch beim Projekt «Co-Pilot mitmachen. So begleitete Peter R. im vergangenen Jahr eine Familie mit sechs Kindern aus Somalia. Sein Fazit: «Da ist einiges in der Vergangenheit schief gelaufen, wenn die Familie schon 20 Jahre in der Schweiz lebt und immer noch grosse Probleme mit Deutsch hat». Man habe diese Leute einfach sich selbst überlassen. Mittlerweile hätten sie finanzielle Probleme und Einträge im Betreibungsregister, was die Job- und Wohnungssuche erschwere.

Peter R. nimmt die Flüchtlinge aber nicht in Schutz: Seitens der Sozialämter müsste mehr Druck aufgesetzt werden, damit die Leute Deutsch lernten. Peter R. will «seine Familie» ebenfalls weiter unterstützen. Eine Arbeit für den Familienvater soll gefunden werden: «Das wird sehr schwierig, wenn du kaum Deutsch und auch nicht Auto fahren kannst».

Psychische Belastung als Hauptherausforderung

Die begrenzten Möglichkeiten der Kommunikation, aber auch die psychische Belastung der Flüchtlinge hatten die in Baden anwesenden Freiwilligen als Hauptherausforderungen bei ihrer Arbeit erlebt; dicht gefolgt von kulturellen Unterschieden und unklaren Familienverhältnissen.

Doch bescherte die Arbeit den Freiwilligen auch viele erfüllenden Momente: Dazu gehörte beispielsweise, den Familiennachzug erleben zu können, bekocht zu werden und dabei zu sein, wenn ein Flüchtling die ersten Wörter in deutscher Sprache liest.

In Baden wird das Projekt fortgesetzt

Am 29. März werden die Cockpit-Teams aus der Region Aarau Gelegenheit haben, auf ihre Erfahrungen zurückzublicken. Bereits jetzt steht fest: In Baden wird das Projekt nahtlos fortgeführt. Anfang April findet eine Informationsveranstaltung für Freiwillige statt (siehe Kasten).

 

Werden auch Sie Co-Pilot
Das Projekt «Copilot» wird in Baden bereits in diesem Frühjahr fortgeführt. Die Info-Veranstaltung findet am Donnerstag, 4. April in Baden statt (Chorherrenhaus, Kirchplatz). Weitere Informationen auf der Webseite von Caritas-Aargau.

 

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