Burghard Förster auf dem verwaisten Platz zwischen Pfarrhaus und Kirche. | © Werner Rolli

Covid-19: Asylsuchende haben keinen Treffpunkt mehr

Andreas C. Müller, 26.3.20
  • Aufgrund des am Montag, 16. März, verfügten «Lockdowns» hat auch das offene Pfarrhaus in Aarau dicht gemacht – mit Ausnahmen für Beratungsgespräche der Caritas oder dringende Anliegen im Pfarramtssekretariat.
  • Verantwortliche fangen zu Treffzeiten verunsicherte Migrantinnen und Migranten ab und erklären die Situation.

 

Herr Förster, Sie sind Pfarreileiter in Aarau. Welche Folgen hatte der «Lockdown» für das offene Pfarrhaus?
Burghard Förster:
Es hat geschlossen. Wobei das Pfarreisekretariat am Vormittag besetzt ist, wenn jemand persönlich vorbei kommen muss. Einzig für Direktkontakte der Caritas steht es noch offen. Für solche haben wir eine spezielle Klingel montiert.

Und die vielen Migrantengruppen, die sich für unterschiedliche Treffs jeweils in den Räumen des Pfarrhauses einfanden?
Zu den Treffzeiten stehen jeweils Mitarbeitende von «Netzwerk Asyl» und anderen Organisationen bereit und informieren die Menschen. So soll der Verunsicherung entgegengewirkt und Menschenansammlungen auf dem Platz vor dem Pfarrhaus vermieden werden.

Die Caritas empfängt noch Menschen. Und Sie als Seelsorger?
Ich habe diese Woche keine Anfragen für ein persönliches Gespräch erhalten, rufe aber die Menschen an, mit denen ich für Seelsorge in Kontakt stehe und erkundige mich, wie es ihnen geht. Gleiches gilt für Menschen, die ich aus den Gottesdiensten kenne und von denen ich weiss, dass sie alleinstehend sind. Ich frage dann auch, ob sie etwas brauchen.

Und wenn jetzt jemand ein persönliches Gespräch möchte?
Die Menschen sind ja angehalten, zuhause zu bleiben. Ich würde vorab vorschlagen, das Gespräch doch telefonisch oder mit Videotelefonie zu machen. Auch, um die betreffenden Personen zu schützen. Es sind ja in der Regel ältere Menschen. Sonst würde ich auf die gebotenen Verhaltensregeln verweisen und nach dem Gesundheitszustand fragen.

Gottesdienste wird es bis auf  Weiteres keine geben. Was wird nun an Ostern?
Zu den Feiertagen Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern gruppieren wir Figuren in der Kirche und legen dazu die Texte auf. Zudem werden in der Osternacht, also am Karsamstag auf Ostersonntag, um 22 Uhr, die Glocken läuten. Die Kirche wird geöffnet sein, die Menschen dürfen zur persönlichen Andacht vorbeikommen, beten, Kerzen anzünden und auch Texte mitnehmen. Wir streuen dazu auch Mitteilungen auf unserer Website und unseren Social Media-Kanälen Facebook und Instagramm.

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Das offene Pfarrhaus in Aarau. | © Andreas C. Müller
Das offene Pfarrhaus in Aarau...
Allerhand Hinweise kleben an der Türe des geschlossenen Pfarrhausses. | © Andreas C. Müller
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Andreas C. Müller

Kommentar
von Andreas C. Müller
redaktion@horizonte-aargau.ch

Wir durchleben eine herausfordernde Zeit. Im Zuge der Massnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise werden das öffentliche Leben und unsere sozialen Kontakte eingeschränkt. Auch alle Gottesdienste und Veranstaltungen wurden bis auf Weiteres abgesagt.

Seit dem zweiten Weltkrieg haben wir keine Zeit mehr erlebt, in welcher derart auf das öffentliche und private Leben Einfluss genommen wurde. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie die kommenden Wochen gesund und mit Geduld und Gottvertrauen in Momenten der Einsamkeit und Versunsicherung überstehen mögen. Und vergessen Sie nicht: Die Seelsorgenden in Ihrer Pfarrei bleiben ansprechbar und sind für Sie da. Auch die Kirchen bleiben zur Einkehr geöffnet. Zudem organisieren verschiedene Pastoralräume und Pfarreien Unterstützungs- und Hilfsdienste. Infromationen dazu finden Sie im Nachrichtenteil Ihrer Pfarrei.

Und Horizonte zeigt Ihnen in den kommenden Wochen, wen die aktuelle Krise besonders trifft, was sich für den kirchlichen Alltag verändert und mit welch innovativen Ideen kirchlich Engagierte versuchen, die aktuelle Situation positiv zu beeinflussen.

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