Am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag veröffentlichen abwechslungsweise jeweils die Aargauer Landeskirchen sowie die Aargauer Regierung eine Grussbotschaft. | © Roger Wehrli

Bettag: Grussbotschaft der Aargauer Regierung

Regierungsrat des Kantons Aargau, 12.9.19
  • Der Regierungsrat und die Landeskirchen des Kantons Aargau geben jedes Jahr zum Eidgenössischen Bettag abwechselnd einen Aufruf an die Aargauer Bevölkerung heraus.
  • Die Aargauer Regierung macht im diesjährigen Bettagsmandat Mut, sich der Verantwortung für den Wandel zu stellen.

 

Die einzige Gewissheit ist der Wandel: Wir leben heute in einer sich rasant wandelnden Welt, in der kaum jemand dieses Sprichwort bestreiten dürfte. Wandel findet überall statt. In der Natur, im Lauf der Jahreszeiten, im Menschenleben von der Wiege zur Bahre, in der Technologie, in der Wirtschaft, am Arbeitsplatz, in der Politik oder auch in den Kirchen und ihren Institutionen. Klimawandel, Digitalisierung von Arbeitswelt und Privatleben, neue Formen des Zusammenlebens und des Familienbegriffs sind ein paar wenige von sehr vielen aktuellen Beispielen für rasche und fundamentale Entwicklungen und Veränderungen.

Wandel: Zwischen Chance und Bedrohung

Neben dem Wandel selbst ist eine weitere Gewissheit, dass wir Menschen auf grosse Veränderungen unterschiedlich reagieren. Die einen von uns sehen vor allem Chancen und Möglichkeiten und freuen sich grundsätzlich, Neues, Spannendes und Bereicherndes erleben und mitgestalten zu dürfen. Für sie bedeutet Wandel vornehmlich Fortschritt, Verbesserung und Innovation.

Andere trauern um Bewährtes, Liebgewonnenes und fürchten das Unbekannte und Ungewisse, das auf sie zukommen könnte. Sie empfinden Wandel, besonders das immer schnellere Tempo der Veränderungen, in erster Linie als Belastung und Bedrohung.

Und Dritte nehmen Wandel gelassen und Veränderungen schicksalsergeben hin, als unabänderliche, kaum gross beeinflussbare Tatsachen.

Staat und Kirche sind gefordert

Wie wir auch immer zum Thema stehen: Ignorieren kann man Wandel und Veränderungen nicht, sie finden so oder so statt. Nebst der Frage, wie wir als Individuen, als Menschen dem stetigen Wandel begegnen, ist auch wichtig, wie der Staat und die Kirchen mit den Auswirkungen grosser Entwicklungen umgehen.

Der Staat und die Kirche, eigentlich alle Institutionen, sind herausgefordert, ihre Grundtätigkeiten, Aufgabe, Angebote und Dienstleistungen zu überprüfen, ob sie den sich verändernden Bedürfnissen und Anforderungen noch entsprechen oder angepasst werden müssen. Daraus können zum Beispiel Prioritätenverschiebungen, Reorganisationen, Gesetzesanpassungen, neue Aufgaben resultieren.

Damit die Seele mitreisen kann

Genauso wichtig ist es aber, die von Veränderungen und Wandel betroffenen Menschen emotional abzuholen und zu begleiten. Ihre Ängste und Bedenken, aber auch ihre Hoffnungen ernst zu nehmen, aufzunehmen und ihnen dafür Gestaltungsräume zu bieten. Dies im Sinne der Anekdote vom alten Indianer-Medizinmann, der bei seiner ersten Zugfahrt um einen Zwischenhalt bat, damit seine Seele nachreisen könne.

Es ist wichtig, dass auch wir uns diese Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, was Veränderungen und Wandel für das gesellschaftliche Zusammenleben, die soziale Solidarität und Gerechtigkeit bedeuten. Neue Welten können auf die Dauer nur bestehen, wenn in ihnen bewährte Werte wie Solidarität, Anteilnahme, Rücksichtnahme oder Toleranz nicht ihre Kraft verlieren.

Demokratie ermöglicht, den Wandel mitzugestalten

In unserem Lande sind wir dank der direkten Demokratie in der privilegierten Lage, in der Politik, aber auch in vielen Lebens- und Gesellschaftsbereichen, Veränderungen und Wandel mitbestimmen, mitgestalten zu können. Auch die Kirchen kennen viele Möglichkeiten, ihre Gemeindemitglieder in diese Prozesse einzubeziehen.

Aus diesem Privileg ergibt sich jedoch auch eine persönliche Pflicht, eine Eigenverantwortung für jeden einzelnen von uns. Zum Beispiel ist mit unserer Umwelt, Natur oder Ressourcen so umzugehen, dass auch vielen nächsten Generationen ein lebenswertes Leben möglich ist. Dazu braucht es die Bereitschaft, sein persönliches Verhalten zu überdenken und anzupassen, den eigenen Wertekompass nachzurichten, und gegebenenfalls Veränderungen vorzunehmen, auch wenn diese persönlich unangenehm, einschränkend und anstrengend sind.

Bettag steht für die friedliche Co-Existenz der Konfessionen

Der Eidgenössische Dank-, Bus- und Bettag ist ein Tag der Besinnung und somit eine gute Gelegenheit, über unseren Umgang mit Veränderungen und der damit einhergehenden Verantwortung nach- zudenken. Nicht zuletzt, weil er selbst als Gedenk- und Feiertag über Jahrhunderte hinweg Wandel erfahren hat. Heute steht der Eidgenössische Dank-, Bus- und Bettag für die friedliche und tolerante Co-Existenz von Konfessionen, für Religionsfreiheit und für Religionsfrieden, aber auch für intakte Beziehungen zwischen Kirche und Staat.

Bis es so weit war, brauchte es seine Zeit – und Entwicklungen, welche die Menschen über Jahrhunderte hinweg mindestens so forderten und belasteten wie die Umwälzungen der heutigen Zeit. Das hier Erreichte sollte uns Mut geben, sich positiv und verantwortungsbewusst auf die Entwicklungen und Veränderungen von Morgen einzulassen. Auch im Bewusstsein der Erkenntnis des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Gustav Heinemann: «Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte.»

 

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Für die Aargauer Regierung ist der Bettag Ausdruck einer Errungenschaft: Die friedliche Co-Existenz von Konfessionen. In Baden wird diese jeweils im Rahmen eines gemeinsamen Gebets unter Einbezug verschiedener christlicher Konfessionen, des Islam und des Judentums zelebriert. | © Roger Wehrli
Friedliches Nebeneinander
 
Andreas C. Müller

von Andreas C. Müller
redaktion@horizonte-aargau.ch

«Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag ist ein Tag der Besinnung und somit eine gute Gelegenheit, über unseren Umgang mit Veränderungen nachzudenken», heisst es in der diesjährigen Grussbotschaft der Aargauer Regierung zum diesjährigen Bettag (siehe auch links). Und dass Wandel überall und fortwährend stattfindet: Im Privatleben genauso wie im Beruf.

Wandel ist aktuell auch bei Horizonte angesagt: Unsere langjährige Redaktorin, Frau Anne Burgmer, hat sich entschlossen, neue Wege zu gehen. Aktuell sind wir daran, eine Nachfolgerin, bzw. einen Nachfolger für sie zu finden. Bereits haben Gespräche stattgefunden. Verschiedene Kandidatinnen und Kandidaten werden in der kommenden Woche bei Horizonte Arbeitsalltag schnuppern können. Deren Arbeiten werden Sie in einer der kommenden Printausgaben sowie auf der Webseite lesen können.

Über sechs Jahre hat unser Redaktionsteam in derselben Zusammensetzung bestanden. Nun ist Zeit für Wandel. Wir sind gespannt, wer neu zu uns stossen wird und wie dadurch unser Team von neuen Impulsen profitieren wird. Je nach Verlauf des Bewerbungsprozesses könnten es auch zwei Personen sein. In jedem Fall konzentrieren wir uns bei der Rekrutierung darauf, Kompetenzen im Bereich Video und Social Media an Bord zu holen. Ein frischer Wind wird somit auf jeden Fall bald spürbar sein.

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