Für das Gebiet Homberg-Tierstein plant das Bistum Basel einen Pastoralraum mit 9 000 Gläubigen. In Wittnau sowie in einzelnen Gemeinden am Homberg kann man der Idee «eines noch grösseren Verbandes» wenig abgewinnen. | © Vera Jenni

Dem Fricktal droht die zweite Pastoralraumblockade

Andreas C. Müller, 8.11.17
  • Der Pastoralraum mit Kaiseraugst ist bereits blockiert. Nun droht auch die grösste Fricktaler Seelsorgeeinheit im Gebiet Homberg-Tierstein zu scheitern.
  • Die Projektleitung (und damit auch die spätere Pastoralraumleitung) soll laut Bischofsvikar Christoph Sterkman entweder Martin Linzmeier oder Bernhard Lindner übernehmen.
  • Nach dem Weggang von Pfarrer Thomas Sidler wird sich Frick künftig einen Priester mit anderen Gemeinden teilen müssen.

 

Erst acht von 24 Pastoralräumen im Kanton Aargau sind errichtet. Im Fricktal noch keiner. Kaiseraugst hat der Pastoralraumidee bereits eine Absage erteilt, wodurch die gesamte Seelsorgeeinheit mit Rheinfelden, Magden und Olsberg sowie den basellandschaftlichen Pfarreien Giebenach und Arisdorf blockiert ist.

Personalselektion für Leitungseinheit Frick/Gipf-Oberfrick

Für das Gebiet Homberg-Tierstein plant das Bistum Basel einen Pastoralraum mit 9 000 Gläubigen. Laut Bischofsvikar Christoph Sterkman ist ein «Typ A» vorgesehen – also ein Gebilde mit drei Gemeindeleitungen. Als gesetzt gelten Andreas Wieland (Herznach, Hornussen, Zeihen) sowie Christoph Küng (Wittnau, Wölflinswil-Oberhof und Kienberg).

Die dritte Leitungseinheit betrifft das Gebiet um Frick, Gipf-Oberfrick und Oeschgen. Alle drei Orte haben zurzeit noch eine Gemeindeleitung. Im künftigen Pastoralraum wird es für diese Orte nur noch eine Leitung geben. Seit Thomas Sidler, Pfarrer von Frick, angekündigt hat, Frick im Sommer 2018 zu verlassen, steht fest, dass die Gemeindeleitung für die Region Frick entweder Martin Linzmeier (Gipf-Oberfrick) oder Bernhard Lindner (Oeschgen) übertragen wird.

Basis fürchtet administrative Zusatzbelastung für Seelsorger

An der jüngsten Informationsveranstaltung zum geplanten Pastoralraum sparten die Anwesenden nicht mit Kritik. «Ich höre immer nur von Konzepten und Strukturen», meinte beispielsweise Franziska Hugo. «Damit werden sich künftig unsere Seelsorgenden beschäftigen müssen, dabei gehören die doch zu den Menschen», so die Pfarreisekretärin von Herznach.

Christoph Sterkman entgegnete, dass man als Nachfolger von Thomas Sidler in der Leitungseinheit Frick einen Priester installieren wolle, der in mehreren Pfarreien tätig sein soll. So sei dieser in administrativen Belangen entlastet, müsste nur einen kleinen Teil an Leitungsaufgaben wahrnehmen und könne sich zur Hauptsache der Seelsorge und den liturgischen Aufgaben widmen.

Seelsorger in der Beurteilung des Projekts gespalten

Indirekt war dies bereits eine Antwort auf die Frage, wer denn im Pastoralraum «AG 20» die Projektleitung und später die Leitung des Pastoralraums übernehmen werde. «Wir gehen im künftigen Pastoralraum von einer ausserordentlichen Leitung aus und setzen auf Personen, die schon da sind. Also auf Bernhard Lindner oder Martin Linzmeier», so der Bischofsvikar. Genau diese beiden Seelsorger waren von Seiten der in das Pastoralraumprojekt involvierten Seelsorgeverbände auch für diese Aufgabe vorgeschlagen worden.

Nach ihrer Einschätzung gefragt, äusserten sich auch die Seelsorgenden unterschiedlich. Es sei unklug, in einer Blockadehaltung zu verbleiben, warnte beispielsweise Bernhard Lindner, Gemeindeleiter in Oeschgen. «Dass Thomas Sidler im Sommer 2018 geht, bedeutet Handlungsbedarf.» Deutlich kritischer fiel die Einschätzung von Andreas Wieland aus (Gemeindeleiter der Homberger Pfarreien Herznach, Hornussen und Zeihen): «Ich war nie ein Befürworter eines solch grossen Raumes. Der Homberg und das Tierstein haben unterschiedliche Mentalitäten. Für diese beiden Gebiete einen gemeinsamen Weg zu finden, ist sicher nicht einfach», gab Andreas Wieland zu bedenken, räumte aber auch ein: «Ich will aber nicht derjenige sein, der das Projekt blockiert.»

Keine Begeisterung in Wittnau

Gegenüber Horizonte erklärte Christoph Sterkman, er wolle sich dafür einsetzen, dass noch vor dem Weggang von Thomas Siedler die Priesterfrage für die Leitungseinheit geklärt sei. Und die Projektleitung für den Pastoralraum soll bis spätestens Ende Jahr bekannt sein. Für Bernhard Lindner und Martin Linzmeier heisst das: Wer nicht mit der Projektleitung beauftragt wird und damit gemäss Christoph Sterkman automatisch auch «der designierte Pastoralraumleiter ist, muss zum Zeitpunkt der Errichtung des Pastoralraums von seiner Gemeindeleitungsfunktion zurücktreten und künftig als Pastoralassistent in allen Gemeinden des Pastoralraums arbeiten.»

Doch möglicherweise bleibt das Projekt Pastoralraum «AG 20» bis auf weiteres ein Planspiel. «Die Kirchenpflege Wittnau wird den Stimmberechtigten das Pastoralraumprojekt ohne grosse Begeisterung vorstellen», erklärt Kirchenpflege-Co-Präsident Roman Schmid gegenüber Horizonte. «Dieser Pastoralraum ist zu gross, geniesst zu wenig Zustimmung und ist als Projekt zu wenig ausgereift.» Im Übrigen habe man mit Wölflinswil-Oberhof und Kienberg bereits eine gute Zusammenarbeit gefunden, «die wir so gerne weiterführen möchten».

Bischofsvikar: Weiter auch bei «Nein» einer Kirchgemeinde

Die Pläne der Kirchenpflege Wittnau waren an der Informationsveranstaltung in Zeihen bereits verschiedenen Personen bekannt. Einzelne Anwesende äusserten gegenüber Horizonte auch die Vermutung, dass sich auch die Kirchgemeinden auf dem Homberg gegen das Projekt aussprechen werden. Auf die Frage von Anwesenden an die Adresse von Bischofsvikar Sterkman, was mit dem Pastoralraumprojekt geschehe für den Fall, dass eine Kirchgemeinde sich dagegen ausspreche, entgegnete dieser: «Gesetzt den Fall, dass eine Kirchgemeinde den Pastoralraum blockieren will, so können wir das Projekt gleichwohl vorantreiben.»

Natürlich würde er bei der entsprechenden Kirchgemeinde nach Gründen für den negativen Entscheid fragen, gleichwohl aber mit den Präsidien der übrigen Kirchgemeinden über nächste Schritte beraten, so Christoph Sterkman gegenüber Horizonte. «Es sollte nicht sein, dass eine Kirchgemeinde den Prozess für alle anderen blockiert. Das wäre nicht fair!» Die Stunde der Wahrheit schlägt an den Kirchgemeindeversammlungen. Den Auftakt macht Wittnau am 10. November.

 

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Verlässt Frick im Sommer 2018: Pfarrer Thomas Sidler. Einen Nachfolger will das Bistum Basel bis zu diesem Zeitpunkt präsentieren. Dieser soll jedoch nicht mehr für Frick allein, sondern für mehrere Pfarreien zuständig sein. | © Andreas C. Müller
Thomas Sidler
Möglicher Projekt- und Pastoralraumleiter: Martin Linzmeier, Gemeindeleiter in Gipf-Oberfrick. | © Roger Wehrli
Martin Linzmeier
Ebenfalls im Gespräch als Projekt- und Pastoralraumleiter: Bernhard Lindner, Gemeindeleiter in Oeschgen. | © Felix Wey
Bernhard Lindner
«Ich war nie ein Befürworter eines solch grossen Raumes. Der Homberg und das Tierstein haben unterschiedliche Mentalitäten. Für diese beiden Gebiete einen gemeinsamen Weg zu finden, ist sicher nicht einfach», gibt Andreas Wieland, Gemeindeleiter in Herznach, Hornussen und Zeihen, zu bedenken. | © Felix Wey
Andreas Wieland
Die Kirchenpflege Wittnau wird den Stimmberechtigten das Pastoralraumprojekt ohne grosse Begeisterung vorstellen», erklärt Kirchenpflege-Co-Präsident Roman Schmid gegenüber Horizonte. | © Roger Wehrli
Keine Begeisterung in Wittnau
«Gesetzt den Fall, dass eine Kirchgemeinde den Pastoralraum blockieren will, so können wir das Projekt gleichwohl vorantreiben», glaubt Bischofsvikar Christoph Sterkman. | © Felix Wey
Christoph Sterkman

Kommentar

Andreas C. Müller

von Andreas C. Müller
redaktion@horizonte-aargau.ch

Schon die Römer landeten beim Versuch der Kolonisierung des Fricktals – wie Augusta Raurica beweist  – nicht unmittelbar eine Punktlandung. Zwar geht die Gründung einer «Colonia Raurica» noch auf Cäsars Feldherren zurück, doch zur Blüte gelangte römisches Leben im Fricktal erst in augusteischer Zeit.

Zweitausend Jahre später könnte es den Plänen des Bistums Basel für die Reorganisation der Seelsorge enau gleich ergehen. Nach Kaiseraugst, das den Pastoralraumplänen des Bistums bereits eine Absage erteilt hat, zeigen auch Wittnau sowie Kirchenmitglieder in den Gemeinden am Homberg wenig Interesse an noch grösseren Verbänden. «Sie konnten mir nicht ein einziges plausibles Argument dafür liefern, warum wir einen Pastoralraum bilden sollten», meinte am Info-Abend in Zeihen eine Anwesende an die Adresse des Bischofsvikars. «Alles, was sie uns als Vorteile anpreisen, können wir auch ohne einen Pastoralraum – und ohne Bürokratie».

Bischofsvikar Christoph Sterkman erklärte zwar, dass man bei Widerstand einer einzigen Kirchgemeinde das Pastoralraumprojekt gleichwohl vorantreiben könne, doch zeigt bereits das Beispiel Kaiseraugst, dass es so einfach nicht geht. Überdies dürften im Gebiet Homberg und Tierstein weitere Kirchgemeindeversammlungen dem Projekt die grüne Ampel verweigern. Dann läge das grösste im Fricktal geplante Pastoralraumprojekt bis auf Weiteres auf Eis. Nach dem herben Rückschlag im Aargauer Limmattal und in Kaiseraugst droht dem Bistum Basel also im Fricktal ein weiterer Rückschlag. Wir dürfen gespannt sein, wie Solothurn dann reagiert.

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