Der Pastoralraum «Region Aarau» feierte sich selbst: Zwei Jahre nach seiner Errichtung organisierte das Leitungsteam um Beat Niederberger  einen Zirkustag in Entfelden. 500 Personen besuchten den Gottesdienst, die verschiedenen Ateliers und die Vorstellung des Zirkus Stey. | © Werner Rolli

Den Glauben erfolgreich ins Spiel gebracht

Pastoralraum «Region Aarau» feiert Zirkustag mit 500 Besuchern

Andreas C. Müller, 28.8.17

Zwei Jahre nach seiner Errichtung lud der Pastoralraum «Region Aarau» am vergangenen Sonntag zum ersten Pastoralraumtag. Nach einem Gottesdienst vor 500 Personen im Zirkus Stey konnten die Anwesenden hinter die Kulissen des Zirkuslebens schauen und die Nachmittagsvorstellung geniessen.

«Das Leben ist ein Zirkus», begrüsste Pastoralraumleiter Beat Niederberger namens aller anwesenden Gemeindeleitungen die Gläubigen. Für einmal nicht in der Kirche, sondern im Zirkuszelt. Dies anlässlich des ersten Pastoralraumtags mit Zirkusgottesdienst, Aktivitätenprogramm und Besuch einer Zirkusvorstellung.

«Ein kinderfreundlicher Gottesdienst»

«Das Zusammenspiel der Artisten im Zirkus kann nur funktionieren, wenn sie einander blind vertrauen und sich aufeinander verlassen können», führte Beat Niederberger weiter aus. Insofern sei der Zirkus auch ein passendes Bild fürs Leben. «Vertrauen ist das Baugerüst, das unserer Leben zusammenhält», ergänzte die Suhrer Gemeindeleiterin Rita Wismann-Baratto und sprach über den Zusammenhang von Vertrauen und Glaube. Doch es blieb nicht bei der theoretischen Erörterung. Zur Freude nicht nur der Kindern und Jugendlichen illustrierte Duo Paschenko das Thema anhand einer kleinen Demonstration an den Strapaten – das sind in der Luftakrobatik verwendete Bänder, die an der Decke des Zirkuszelts befestigt sind.

Bei den gut 500 Besucherinnern und Besuchern kam das Angebot gut an. «Ich finde es toll, dass es so etwas gibt», freute sich Marlene Dörig aus Rombach. «Der Zirkus zieht Leute an – auch solche, die nicht mehr in die Kirche gehen. Und es ist kinderfreundlich», meinte die Mutter dreier Kinder. Der Besuch eines katholischen Gottesdienstes sei für ihren Nachwuchs gewöhnlich eine Geduldsprobe, verriet sie. Auch Familie Bonetti aus Aarau genoss den Anlass. «Wir finden es toll, dass wir eingeladen sind.» Dem vierjährigen Aurelio gefiel wie vielen Kindern, dass im Gottesdienst Artisten auftreten durften.

Zirkus Stey ändert Tournee für die Kirche

Um möglichst viele Menschen zum Besuch des Pastoralraumtags motivieren zu können, hatte sich das Pastoralraum-Leitungsteam etwas Besonders ausgedacht. «Es war von vornherein klar, dass man zwei Jahre nach der Errichtung des Pastoralraums einen grossen Anlass für den gesamten Pastoralraum machen wollte», holte Adrian Bolzern aus. Rasch sei die Idee aufgekommen, ob nicht er als Zirkuspfarrer seine Beziehungen spielen lassen könnte, um einen Zirkustag zu ermöglichen.

Und siehe da: Mit dem Zirkus Stey fand sich der passende Partner für das Vorhaben. «Die Familie Stey hat für uns sogar ihren Tourneeplan abgeändert», erklärte Adrian Bolzern. Für 15 000 Franken reservierte sodann der Pastoralraum «Region Aarau» den Zirkus Stey am 27. August exklusiv für sich. Die Pauschale beinhaltete die Nutzung der Infrastruktur für den Gottesdienst sowie den kostenlosen Besuch der Vorstellung, wie Martin Fricker, der Kommunikationsverantwortliche des Pastoralraums gegenüber Horizonte aufzeigte.

«Ziel ist es, ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen»

Gerne anerboten sich die Mitglieder und Artisten der Zirkusfamilie Stey, zwischen Gottesdienst und Vorstellung den Menschen einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren. Die Zirkusdirektoren Martin und Rolf Stey stellten sich in einem Gespräch den Fragen der Anwesenden, Artisten gaben Einblick in ihre Arbeit, die Kinder durften auf den Zirkusponys reiten und sogar ein Zirkuswagen konnte ausführlich besichtigt werden. Das Pastoralraumteam ergänzte das Angebot mit verschiedenen Angeboten

«Der Pastoralraumtag soll die Menschen aus den verschiedenen Pfarreien im Pastoralraum einander näher bringen», erklärte Martin Fricker am Rande der Veranstaltung. Dank solcher Aktivitäten könne mit den Jahren ein Gemeinschaftsgefühl entstehen. Pfarreimitglieder, Mitglieder von Kirchenpflegen, aber auch freiwillig Engagierte könnten einander in einem ungezwungenen Rahmen begegnen und besser kennen lernen. Zudem bilde der Pastoralraumtag dieses Jahr den Auftakt für den Religionsunterricht. In diesem Zusammenhang hatten Kinder und Jugendliche verschiedener Religionsklassen unter anderem während des Gottesdienstes alles für den anschliessenden Apéro und die Verpflegung vorbereitet.

Führung mit dem Zirkusdirektor

Zirkuspfarrer Adrian Bolzern, der am Morgen noch für einen Gottesdienst an der «Chilbi« in Hägendorf im Einsatz stand, traf gegen Mittag ein und half den Besucherinnen und Besichern, sich in der Fülle des Angebots zurechtzufinden. Viel Anklang fand die Führung von Zirkus-Seniordirektor Rolf Stey, der anhand anschaulicher Beispiele aus dem Zirkusalltag berichtete und schilderte, wie sich ein kleines Zirkusfamilienunternehmen in einer Zeit veränderten Ansprüche und Freizeitangebote behauptet.

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Die Gemeindeleitungen aus allen fünf Pfarreien feierten den Gottesdienst gemeinsam (von links): Rita Wismann-Barato aus Suhr, Beat Niederberger aus Schöftland, Marco Heinzer aus Buchs und Gregor Tolusso aus Aarau (nicht im Bild: Hedi Bugmann aus Entfelden). | © Werner Rolli
Gottesdienst im Zirkuszelt
Für die jungen Besucherinen und Besucher bot sich Gelegenheit, den Artistinnen und Artisten nachzueifern und das Jonglieren zu üben. | © Werner Rolli
Selber probieren
Dank seinen Beziehungen zur Familie Stey konnte der Zirkustag realisiert werden: Zirkuspfarrer Adrian Bolzern. | © Felix Wey
Zirkuspfarrer Adrian Bolzern
Das Duo Paschenko zeigte an den Strapaten während des Gottesdienstes seine Nummer. | © Werner Rolli
Duo Paschenko
Dank Aktivitäten wie dem Pastoralraumtag könne mit den Jahren ein Gemeinschaftsgefühl entstehen. Pfarreimitglieder, Mitglieder von Kirchenpflegen, aber auch freiwillig Engagierte könnten einander in einem ungezwungenen Rahmen begegnen und sich besser kennen lernen. | © Jean-Claude Heimo
Martin Fricker
Auch die Besichtigung eines Zirkuswagens war am Pastoralraumtag möglich. | © Werner Rolli
Im Zirkuswagen

Kommentar

Andreas C. Müller

von Andreas C. Müller
redaktion@horizonte-aargau.ch

Ein Gottesdienst vor 500 Personen und erst noch im Zirkus: Das ist etwas Besonderes und begeistert, wie die Rückmeldungen von Besucherinnen und Besuchern am Zirkustag des Pastoralraums «Region Aarau» zeigen. Die Menschen haben Freude an «ihrer» Kirche. Und für einmal bedeutet das Zusammenfassen verschiedener Pfarreien in einer gemeinsamen Leitungsstruktur (Pastoralraum genannt) nicht das Ausdünnen des Gottesdienstangebots vor Ort, sondern die Überwindung von Gemeindegrenzen, Begegnung und Aufbruch.

Sowohl der Pastoralraum «Am Rohrdorferberg», der im Juli dieses Jahres mit einem zweitägigen Festwochenende die Menschen im gesamten Pastoralraum zu mobilisieren vermochte (Horizonte berichtete), als auch der Pastoralraum «Region Aarau» zeigen: Mit der Pastoralraumerrichtung und der Umsetzung des damit institutionalisierten Pflichtprogramms ist es nicht getan. Dem neuen Gebilde muss Leben eingehaucht werden. Originelle Pastoralraumtage mit einem bereichernden Rahmenprogramm schaffen nicht nur ein neues, nachhaltiges Gemeinschaftsgefühl, sondern bieten der Kirche auch die Chance, ohne künstliche Verrenkungen Liturgie und Gebet auf bodenständige und unverkrampfte Art und Weise zu zelebrieren. Auf diese Art und Weise wird tatsächlich, wie ursprünglich von Kurt Koch angedacht und erhofft, der Glaube ins Spiel gebracht. Es ist zu hoffen, dass sich andere Regionen daran ein Beispiel nehmen.

 

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