Für die Wiederaufnahme der Gottesdienste sind spezielle Abschrankungen notwendig. | © Francesco Marra

Wiederaufnahme der Gottesdienste steht an

Cornelia Suter, 28.5.20
  • Nach dem Gespräch mit Gesundheitsminister Alain Berset und den Religionsvertretern hat der Bundesrat letzte Woche bekannt gegeben, dass ab heute wieder Gottesdienste möglich sind.
  • Nun arbeiten die Seelsorgenden im Eiltempo die Schutzkonzepte für ihre Pfarreien und Pastoralräume aus. Die einen sind bereit – andere schlicht überrumpelt.

 

«Wir sind bereits seit einer guten Woche parat», sagt Francesco Marra, Diakon im Pastoralraum Muri. Nachdem der Bundesrat die Wiedereröffnung der Gottesdienste für den 28. Mai erlaubt hat (Horizonte berichtete), arbeiten die Aargauer Kirchen mit Hochdruck daran, das vorliegende Schutzkonzept der Schweizer Bischofskonferenz innert nur einer Woche umzusetzen.

Klebebänder und Absperrseile

Vier Quadratmeter Raum wird jedem Gläubigen in der Kirche zugeteilt, so schreibt es das Schutzkonzept der Schweizer Bischofskonferenz vor. In der Kirche Muri zieren deshalb bunte Klebebänder die Kirchenbänke und sperren so den nötigen Sicherheitsabstand zwischen den mitfeiernden Christinnen und Christen ab. Auch in der Pfarrei Guthirt versucht der Gemeindeleiter a.i., Markus Stohldreier, die geforderten zwei Meter Abstand strikt einzuhalten: «Speziell für Guthirt, mit dem traditionellen Kirchenbau mit Sitzbänken, ist es anspruchsvoll, die Anforderungen zu erfüllen.» Die Pfarrei St. Paul hingegen besitzt eine modernere Kirche, welche für die Corona-Massnahmen gewappnet ist. Markus Stohldreier: «Es ist eine Kirche mit Stühlen, von denen man einen Teil leicht entfernen kann, um die Abstände einzuhalten.»

«Ist mein Platz noch frei?»

Während die Risikogruppen aber vorläufig wohl eher noch zu Hause bleiben, hat Francesco Marra die jüngeren Generationen seiner Gemeinde bereits eingeladen, die Kirche vor der Wiederaufnahme der Gottesdienste einmal zu besichtigen. «Es sieht schon ganz anders aus», erklärt der Diakon und ergänzt mit einem Schmunzeln: «Die häufigste Frage, die ich momentan höre in Bezug auf die Schutzkonzepte, ist: ‚Ist mein Platz noch frei?’». Beantworten kann Francesco Marra dieses Anliegen jedoch nicht immer, wie er zugeben muss: «Ich weiss beim besten Willen nicht, wo jeder während der Gottesdienste seinen Platz hatte. Wenn die jüngeren Generationen aber vorab in die Kirchen kommen, so können sie dies ihrem Grosi oder Mami zu Hause vielleicht mitteilen.»

Bund fordert Registrierung

Gemäss Bundesrat soll, nebst dem Reinigen der Hände mit Desinfektionsmittel, auch jeder seinen Namen und seine Adresse beim Eintreten ins Gotteshaus hinterlassen. «Dies ist bei uns nicht nötig», erklärt Francesco Marra und ergänzt: «Wir wissen schon, wer die Leute sind von unseren Pfarreien.» Bedenken äussert er höchstens, wenn Personen aus anderen Regionen an die Gottesdienste des Pastoralraums Muri kommen. «Es wird nicht überall ab sofort Angebote mit Gottesdiensten geben. Wenn dann Leute aus anderen Gebieten zu uns kommen, müssen wir die Namen natürlich nachfragen», erklärt Francesco Marra.

Völlig überrumpelt

Tatsächlich werden ab nächster Woche noch nicht überall die Gottesdienste wieder aufgenommen. «Wir sind von der Entscheidung des Bundesrates, Gottesdienste bereits ab dem 28. Mai wieder durchzuführen, völlig überrumpelt worden und wissen im Moment noch gar nicht, wie wir darauf reagieren sollen», sagt der Leiter des Pastoralraums Siggenthal, Michael Lepke. Ob im erwähnten Pastoralraum ab kommendem Wochenende also wieder Gottesdienste durchgeführt werden, entscheiden die Verantwortlichen kurzfristig und informieren auf ihrer Homepage.

Zwiespältiges Gefühl

Gesangsbücher desinfizieren, leere Weihwasserbecken und lauter abgesperrte Bereiche in den Kirchen – die Wiederaufnahme der Gottesdienste, umgesetzt gemäss Schutzkonzept der Bischofskonferenz, zeigt deutlich: Covid19 hat Spuren hinterlassen. Das religiöse Miteinander hat sich seit dem Lockdown stark verändert und vieles wird noch lange oder gar für immer so bleiben. «Die Einschränkungen entsprechen einer recht verstandenen Selbst- und Nächstenliebe», schreibt die Bischofskonferenz auf ihrer Homepage dazu und betont nochmals, wie wichtig die Schutzmassnahmen seien: «Sie sind nötig und sinnvoll, um in verantwortungsvoller Weise schrittweise das kirchliche und spirituelle Leben in unserem Land wieder zu normalisieren. Und trotzdem hinterlassen die Massnahmen bei Gemeindeleiter a.i., Markus Stohldreier, ein zwiespältiges Gefühl: «Einerseits wird deutlich, welche Möglichkeiten wir vor der Coronakrise hatten, Gottesdienst zu feiern, andererseits merken wir, wie gross die Beschränkungen doch jetzt sind. Aber es ist ein Anfang, der begleitet ist von der Hoffnung, dass sich alles bessern wird.»

 

 

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Abonnieren Sie unseren Newsletter. Er erscheint alternierend zur Printausgabe alle zwei Wochen – immer mit den aktuellsten Horizonte-Geschichten und oftmals spannenden Verlosungen.