Per Schuljahr 2019/2020 soll der neue Lehrplan für Religionsunterricht und Katechese «LeRUKa» im Aargau in Kraft treten. Strukturell orientiert er sich am Lehrplan 21 der Volksschule. Dies hat auch taktische Gründe. | © Marie-Christine Andres

Der neue Lehrplan setzt auf Kompetenzen

Lehrplan für Religionsunterricht und Katechese tritt 2019 in Kraft

Marie-Christine Andres Schürch, 7.9.17

Per Schuljahr 2019/2020 soll der neue Lehrplan für Religionsunterricht und Katechese «LeRUKa» im Aargau in Kraft treten. Strukturell orientiert er sich am Lehrplan 21 der Volksschule. Dies hat auch taktische Gründe.

Das Dokument «Orientierung Religion» hat ausgedient. Spätestens in zwei Jahren wandert es ins Archiv. Im August wurde den Kantonen ein neuer Lehrplan zur Einführung übergeben. Ab dem Schuljahr 2019/2020 wird es für den katholischen Religionsunterricht nur noch einen Lehrplan geben. Sein Name: «Konfessioneller Religionsunterricht und Katechese. Lehrplan für die Katholische Kirche in der Deutschschweiz.» Erarbeitet wurde er vom Netzwerk Katechese im Auftrag der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz. Das Projekt unter dem Namen «LeRUKa» (Lehrplan Religionsunterricht und Katechese) endete mit der Fertigstellung des Lehrplans und dessen Einsetzung durch die Bischöfe. Zuständig für die Einführung sind die kantonalen Fachstellen in Absprache mit dem jeweiligen Bistum.

Mammutaufgabe für die Steuerungsgruppe

Moni Egger ist Leiterin der Fachstelle Katechese–Medien der Aargauer Landeskirche. Sie arbeitet in der Steuerungsgruppe mit, die den neuen Lehrplan LeRUKa im Aargau einführen soll. Der Zeitplan sieht vor, dass der LeRUKa im Kanton in zwei Jahren, aufs Schuljahr 2019/2020 hin, in Kraft tritt. Vorher wartet noch viel Arbeit auf Moni Egger, das Fachstellenteam und die Katechetische Kommission. In den kommenden zwei Jahren werden sie Gemeindeleitende, Pastoralraumleitungen und Schulbehörden informieren, Weiterbildungen für Katechetinnen organisieren und an allen möglichen Veranstaltungen den Mehrwert des neuen Lehrplans erklären. Die Mammutaufgabe sei nötig und lohne sich, ist Moni Egger überzeugt. Erstens müsse ein Lehrplan sowieso alle zehn bis fünfzehn Jahre überarbeitet werden – der bisherige «Orientierung Religion» stammt aus dem Jahr 2002. Und zweitens bringe der LeRUKa eine zentrale Neuerung: Der neue Religions-Lehrplan enthält so genannte «Kompetenzen», welche die Schüler erwerben sollen.

Kirche muss ihr Angebot positionieren

Mit der Kompetenzorientierung übernimmt der LeRUKa die Struktur des «Lehrplan 21», der für die Volksschule beschlossen und in Umsetzung begriffen ist. «Das erleichtert die Kommunikation und trägt zur Klärung in Zusammenarbeit mit der Schule bei.», sagt Moni Egger. Auch David Wakefield, Ausbildner an der Fachstelle für Religionspädagogik des Kantons Zürich und LeRUKa-Projektleiter, betont im Interview mit kath.ch: «Die Konferenz Netzwerk Katechese wollte einen Lehrplan, der kompatibel ist mit dem Lehrplan 21.» Damit sei einerseits die Zusammenarbeit mit dem staatlichen Angebot möglich, andererseits könne sich das kirchliche Angebot durch einen zeitgemässen Lehrplan im Schulbetrieb profilieren. Damit gibt der Projektleiter zu verstehen, dass der LeRUKa durchaus taktische Funktion erfüllt. Mit dem Lehrplan 21 kommt nämlich das Fach «Ethik, Religion, Gemeinschaft», das nicht an eine Konfession gebunden und für alle Schüler obligatorisch ist. Das bringt den konfessionellen Religionsunterricht an der Volksschule zusätzlich unter Druck. David Wakefield formulierte es gegenüber kath.ch so: «Das hat die Frage aufgeworfen, wie sich die Kirche mit ihren Angeboten – dem konfessionellen Religionsunterricht und der Katechese – positioniert.»

Zwei verschiedene Lernorte

Die Antwort soll nun der LeRUKa geben. Zunächst hält er aber fest, dass in der Schweiz grosse Uneinheitlichkeit besteht: «Zu den religionspädagogischen Entwicklungen in der Deutschschweiz gehört auch die Tatsache, dass die Trennung der Lernorte Schule und Pfarrei konzeptionell nie deutlich vollzogen wurde.» Und weiter unten: «In den meisten Kantonen findet keine idealtypische Aufteilung von konfessionellem Religionsunterricht und Katechese auf die Lernorte Schule und Pfarrei statt. In einigen Kantonen sind die Übergänge fliessend, in anderen Kantonen finden kirchlich verantwortete Angebote fast ausschliesslich in der Schule, beziehungsweise Pfarrei statt.»

LeRUKa strebt eine Klärung an

Der LeRUKA strebt hier eine Klärung an: «So wie eine Profilierung des konfessionellen Religionsunterrichts im Hinblick auf den bekenntnisunabhängigen Religionsunterricht nötig ist, so gilt es, auch katechetische Gefässe von denen des konfessionellen Religionsunterrichts zu unterscheiden. Finden katechetische Angebote an der Schule statt, so müssen diese als solche kenntlich gemacht und in ihrer Freiwilligkeit betont werden. Zudem sollten katechetische Angebote nicht die Chancen vertun, die sich durch zeitliche, örtliche, inhaltliche und personelle Flexibilität jenseits der Schule ergeben.» Der neue Lehrplan differenziert genau zwischen den Lernorten Schule und Pfarrei sowie zwischen konfessionellem Unterricht und Katechese. Konfessioneller Religionsunterricht am Lernort Schule wird als Wissensfach verstanden, dessen Ziel die Religiöse Bildung ist. Die Katechese hingegen nennt als Ziele Begleitung und Beheimatung und soll den Kindern ermöglichen, ihren Glauben zu erleben und zu leben.

Ziel ist die Bewusstmachung

Falls Katechese, also Glaubensvermittlung, am Lernort Schule stattfinde, müsse dies klar deklariert werden, findet die Theologin Dorothee Fischer. Sie ist als Seelsorgerin im Pastoralraum Region Brugg-Windisch tätig und präsidiert die Katechetische Kommission als Kirchenrätin der Römisch-Katholischen Landeskirche im Aargau. Damit arbeitet sie an der Einführung des LeRUKa mit. Ziel des neuen Lehrplans sei aber nicht die Vereinheitlichung der Lernorte, sondern die Bewusstmachung. Denn Dorothee Fischer weiss, dass die Praxis innerhalb der Schweiz – und eben auch im Kanton Aargau – extrem vielfältig ist.

Strikte Trennung ergibt keinen Sinn

Jeannette Näf aus Wölflinswil, Katechetin und ebenfalls Mitglied in der Katechetischen Kommission, hat in der Praxis erfahren, dass es nicht immer einfach ist, Wissensvermittlung und Katechese räumlich zu trennen. Mit ihren Schülerinnen und Schülern arbeitet sie momentan zum Thema Erntedank. Das anschliessende Feiern des Gottesdienstes gehört klar zur Katechese, eingeladen sind aber auch konfessionslose Kinder, die zum Teil auch den Religionsunterricht besuchen und den Gottesdienst mit vorbereiten. Eine strikte Trennung von Wissensvermittlung und Katechese nach Lernorten findet Claudia Rüegsegger, Ausbildungsleiterin bei der Fachstelle Katechese–Medien, nicht in jedem Fall sinnvoll. Jedoch verlange das der neue Lehrplan auch nicht zwingend. Der LeRUKa helfe aber dabei, sich neu bewusst zu werden, welche Inhalte man den Kindern an welchem Ort vermittle, findet die Katechetin. Im Aargau, wo die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Landeskirche so geregelt ist, dass die Religionslehrperson gemäss kirchlichem Lehrplan über den Unterrichtsinhalt bestimmt, können ihrer Ansicht nach auch katechetische Elemente am Lernort Schule vermittelt werden.

Überdenken statt über den Haufen werfen

Die grösste Herausforderung bei der Einführung des neuen Lehrplans sieht Jeannette Näf darin, die Unterrichtenden an der Basis für die Idee zu begeistern. Denn die geforderte Differenzierung zwischen den Lernorten und die klarere Profilierung von konfessionellem Unterricht und Katechese können eine Neuorganisation des Unterrichts nötig machen. «Das gibt Arbeit, lohnt sich aber.», findet Jeannette Näf. Auch Dorothee Fischer sagt: «Die Unterrichtenden werden sich neu bewusst werden müssen „Was tue ich? Und wo ist dafür der geeignete Ort?“». Ähnlich klingt es auch bei Moni Egger: «Es gibt sicher Orte, wo man für den neuen Lehrplan nicht viel umstellen muss. Jedoch wäre die Einführung des LeRUKa eine gute Gelegenheit, Althergebrachtes einmal zu überdenken.»

Zwei Jahre Zeit zum Kennenlernen

Falls jemand sich der Anwendung des neuen Lehrplans widersetzt, sind Argumente gefragt. Kontrollen und Disziplinarmöglichkeiten gibt es nicht. Die kommenden zwei Jahre werden mit Infoveranstaltungen und Weiterbildungen beim Umstellen helfen. Und die Planungshilfe wird ebenfalls auf den Aargau angepasst, so dass die traditionellen Schwerpunktthemen beibehalten werden können. Sollte dennoch jemand Schwierigkeiten mit dem LeRUKa bekunden, werde man sicher nachfragen und das Gespräch suchen, sagen die befragten Mitglieder der Steuerungsgruppe übereinstimmend.

 

Den Lehrplan finden Sie hier.

Hier eine Übersicht über den Einführungsprozess, wie er im Moment für den Aargau geplant ist.

 

 

 

 

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