«feu sacré» heisst die  eine tänzerisch-musikalische Inszenierung im Rahmen der Feierlichkeiten «100 Jahre Silja Walter» im Kloster Fahr. Eine Produktion der Tanzcompagnie Flamencos en route, Premiere 29. August 2019. | © Flamencos en route/Alex Spichale

Ein inneres Feuer – Am Anfang war der Tanz

Anne Burgmer/cf, 29.8.19
  • Vom 29. August bis 22. September 2019 wird im Kloster Fahr die Produktion «feu sacré» in kleinem Rahmen zur Aufführung gebracht. Alle Aufführungen sind derweil ausverkauft. Horizonte durfte die Generalprobe miterleben.
  • Die Produktion ist eine tänzerische Hommage an die Schriftstellerin und Benediktinerin Silja Walter und die legendäre Tänzerin Susana, die durch eine innige Freundschaft lebenslang verbunden waren.

Ganz zum Schluss tanzen die Frauen und ihre Schatten an einer Wand der Kirche, bevor die Zuschauerinnen und Zuschauer sich zerstreuen. «feu sacré», das energiegeladene und innige Poem in Tanz, Text und Ton ist vorbei.

Sieben Bühnen über das Kloster verteilt

Wer das Kloster kennt, vielleicht als Gast eine Zeit lang dort wohnte, wird einen neuen Zugang zu den Räumen finden. Sie sind nicht mehr Weg von A nach B, Umfriedung für ein Stück Garten oder Ort der vertrauten Liturgie, die Orte sind Bühne für Gesang und Musik, für Flamenco, für Leben – für das innere Feuer, welches zwei Frauen verband. Auf jeder dieser Bühnen tanzen Farben und Geräusche, wird Kleiderstoff zum Rhythmus und Bewegung zur wortlosen Sprache.

«feu sacré» ist eine tänzerische Hommage an Susana und Silja, an ihren Mut, ihre Inspiration. Fünf Flamenco- und zwei zeitgenössische Tänzerinnen, begleitet von fünf Musikerinnen und Musikern, kreieren ausgehend von den klösterlichen Räumlichkeiten St. Anna Kapelle, Propsteigarten, dem Gang vor dem Silja Walter-Raum, Sprechzimmer, Klostergarten, der Klosterkirche und dem Friedhof ein Tanzpoem, das sich zwischen der Sehnsucht des Individuums und dem Wunsch nach Aufgehobensein in der Gemeinschaft bewegt», konkretisierte Choreografin Brigitta Luisa Merki in einem Horizonte-Beitrag vom Juli.

Projekt entwickelte sich wie im Tanz

Es sind Bewegtbilder besonderer Art, die Brigitta Luisa Merki und die Künstlerinnen und Künstler erschaffen. Zu jedem Zeitpunkt erscheint es, als seien im Tanz entweder zwei Personen (Susana und Silja), zwei Energien in einer Person (Tanz und Kontemplation), zwei Lebensweisen (klösterlich streng und lebendig dynamisch) oder zwei Lebensalter (Jugend und Alter) gegenübergestellt, ineinander verwoben, manchmal fast identisch, doch immer eigenständig. Musikalisch überwiegt der Flamenco, gespielt durch Gitarren und Geige – oft begleitet von den sehnenden Klängen der Sängerin Karima Nayt, die ihre Lieder nach Texten von Silja Walter in arabischer und französischer Sprache teilweise improvisiert.

Es gehe, so Brigitta Luisa Merki, um diese beiden Frauen in ihrer aussergewöhnlichen Verbindung, aber auch in ihrer Verschiedenheit. Das sei Ausgangspunkt der Inspiration gewesen, von dort her habe sich alles ergeben. Die Besucherinnen und Besucher, die den Schatz im Kloster Fahr erleben dürfen, können spüren, dass die Verbindung zwischen Silja Walter und der Tänzerin auch das Jetzt prägt. «Schon bei der ersten Begegnung mit Brigitta Luisa Merki ist der Funke gesprungen», erzählte die Priorin. Das Projekt habe sich Schritt für Schritt fast wie im Tanz entwickelt.

Alle Vorstellungen ausverkauft

Die enge Verbindung findet beim «feu sacré» ihren Höhepunkt, wenn die Fahrer Schwestern und die Tänzerinnen gemeinsam hinter der eisernen Chorschranke stehen und ihre Hände tanzen lassen. Ein Bild, so eindrücklich, dass es kaum zu vergessen ist und sprachlos macht. Auf die Frage, ob die Schwestern auch bei den regulären Aufführungen Teil der Choreografie sein werden, erwiderte Priorin Irene, dass es den Schwestern freigestellt sei.

Ein Wermutstropfen für diejenigen, die nun das «feu sacré» erleben wollen: Alle Vorstellungen, sogar die Zusatzvorstellungen, sind restlos ausverkauft. Das liegt einerseits daran, dass es aufgrund des Parcours durch die Räume des Klosters nur begrenzten Publikumsplatz gibt. Andererseits feiert das Projekt ein doppeltes Jubiläum. Das 100 Jahr-Jubiläum Silja Walters, und das 35-jährige Bestehen von Flamencos en route.

 

Neuerscheinung «Am Anfang war der Tanz»

Über den Verleger Peter Schifferli lernten sich die legendäre Flamencotänzerin Susana und die Klosterfrau Silja Walter kennen. Beide hatten Sehnsucht nach dem, was die andere lebte. Begegneten sich die beiden Frauen, tanzte die reformierte Susana mit der katholischen Nonne und Silja Walter wurde Susana zur geistlichen Begleiterin. Bis anhin unveröffentlichte persönliche Meditationen und Briefe, die Silja Walter für ihre Freundin Susana geschrieben hat, erscheinen Ende August im Buch «Am Anfang war der Tanz».

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Tanz auf der Mauer um den Klostergarten. Die Fahrer Schwestern stehen im «MIttelgang» des Gartens. | © Flamencos en route/Alex Spichale
Tanz auf der Gartenmauer
Die Inszenierung der Choreografin Brigitta Louise Merki beginnt in der Anna Kapelle. Zwei Tänzerinnen, die in ihrer Bewegung fast eins werden. | © Flamencos en route/Alex Spichael
Anna Kapelle
Vor dem Silja Walter Raum und anderen Zellen, das Publikum in die Fensternischen platziert, entfaltet der Flamenco seine volle Energie. Kloster und Tanz stehen eng verbunden gegenüber. | © Flamencos en route/Alex Spichale
Flamenco im Klostergang
Wie ein Angelpunkt: Im holzvertäfelten Raum gibt es Kammermusik von Bach bis Flamenco. Die eine oder andere der Fahrer Schwestern wippt mit dem Fuss und Birgitta Louisa Merki zaubert von dumpf-weich bis hart-knallend Flamencorhythmus zur Gitarrenmusik. | © Flamencos en route/Alex Spichale
Lesung und Musik
Im Innenhof des Klosters, wo jede Schwester ein eigenes kleines, buchsumhagtes Fleckchen umsorgt, tanzen - so scheint es -  wilde junge Blütenknospen. | © Flamencos en route/Alex Spichale
Wilder Tanz im Garten
Nachdem die jungen Blüten das Publikum in die Kirche gelockt haben, treffen sie - wie in allen anderen Bildern auch - auf eine andere Energie. Die Gewänder der Tänzerinnen erinnern an Rosenblüten, zu voller Pracht entfaltet. Weniger wild und dafür reifer. | © Flamencos en route/Alex Spichale
Die Reife des Alters
Ganz zum Schluss gibt es keine prachtvollen farbigen Gewänder mehr, sondern Schlichtheit, die dann draussen, am Friedhof tanzende Schatten an die Kirchenwand wirft. | © Flamencos en route
Zum Schluss bleibt der Tanz
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