08.12.2014

Ein weiterer Schritt hin zur ersehnten Einheit


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Von Horizonte Aargau

Der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch hat Papst Franziskus auf seiner Türkeireise begleitet. Gegenüber der Presseagentur Kipa äusserte der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates sich zu den ökumenischen Konsequenzen des Besuchs, zu einem möglichen Treffen des Papstes mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill sowie zur Zukunft des Einheitsrates.

Herr Kardinal, der Besuch von Papst Franziskus bei Patriarch Bartholomaios wird von manchen als «Wendepunkt für die Ökumene» bezeichnet, von anderen dagegen als normaler Schritt eines gut laufenden Gesprächsprozesses. Was denken Sie?
Kurt Koch: Ich verstehe es im zweiten Sinne. Papst Franziskus hatte den Wunsch, möglichst schnell nach Konstantinopel zu gehen – wie bereits seine Vorgänger – um diese Beziehungen zu vertiefen. Es besteht seit langem die Tradition, dass zum Patronatsfest der Heiligen Peter und Paul eine hohe Delegation von Konstantinopel nach Rom kommt, und umgekehrt zum Fest des Heiligen Andreas eine Delegation von Rom nach Konstantinopel reist. Und diesmal war der Papst selbst dabei, um persönlich diese Kontakte zu vertiefen. Er wollte damit auch zum Ausdruck bringen, wie eng die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und der Orthodoxie inzwischen sind. Der Besuch stand also in einer guten Tradition und war ein weiterer Schritt vorwärts auf die ersehnte Einheit hin.

Die herzliche Atmosphäre am Bosporus stand im Kontrast zu jüngsten Problemen im theologischen Dialog zwischen Katholiken und Orthodoxen. Ergab der Besuch einen Durchbruch?
Bei der letzten Vollversammlung unserer Dialogkommission im September in Amman ergab sich eine sehr schwierige Situation: Der vorbereitete Text wurde nicht angenommen, es gab Vorbehalte vor allem von orthodoxer Seite. Wir haben in Amman einen neuen Text vorbereitet, der aber noch nicht veröffentlicht werden konnte. So müssen wir nun eine neue Sitzung des Koordinationskomitees einberufen, und dann eine neue Vollversammlung – aber wahrscheinlich erst 2017. Wir unterscheiden in der Ökumene zwischen dem Dialog der Liebe und dem Dialog der Wahrheit. Der Dialog der Wahrheit liegt in der Verantwortung dieser theologischen Dialogkommission, die hier weiterarbeiten muss. Der Besuch des Papstes in Konstantinopel war ein wesentlicher Schritt im Dialog der Liebe.

Bei dem Treffen in Konstantinopel haben der Papst und der Patriarch doch sicher über die Probleme dieses Dialogs gesprochen?
Es handelte sich um ein persönliches Vier-Augen-Gespräch zwischen dem Patriarchen und dem Papst, das ich nicht kommentieren kann. In der gemeinsamen Erklärung bringen beide Seiten den entschiedenen Willen zum Ausdruck, dass man diesen Dialog weiterführen will, dass man ihn vertiefen muss, um schliesslich zur Einheit zu gelangen.

Der Patriarch erwähnte in seiner Rede die bevorstehende panorthodoxe Synode 2016? Was erwarten Sie davon? Sind Sie beteiligt?
Die Vorbereitungen dazu haben bereits in den 1960er Jahren begonnen. Bisher ist noch nicht entschieden, ob zu dieser Synode auch Beobachter anderer christlichen Kirchen, also auch von katholischer Seite eingeladen werden. Das wäre ein Beitrag, den wir leisten könnten. Ich kann nur hoffen und ich bete auch darum, dass diese panorthodoxe Synode stattfindet. Denn zwischen den orthodoxen Kirchen bestehen manche Spannungen. Wenn die Orthodoxen unter sich zu mehr Einheit finden, wird das auch eine wesentliche Hilfe für den Dialog mit uns sein.

Beim Rückflug vom Türkeibesuch signalisierte der Papst grosses Entgegenkommen, um ein Treffen mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. zu ermöglichen. Wie steht es darum?
Die Äusserung bei der fliegenden Pressekonferenz gibt genau die Situation wieder: Papst Franziskus möchte mit Patriarch Kyrill zusammentreffen. Er ist im Grunde zu allem bereit, er stellt keine Bedingungen, er möchte ihn nur treffen. Das bedeutet eine grosse Disponibilität. Franziskus hat aber auch Verständnis dafür signalisiert, dass der Krieg und die sehr schwierige Situation in der Ukraine dem Patriarchen heute offenbar wichtiger sind, als die Begegnung mit dem Papst – und dass er dies respektiert.

Erwarten Sie von der geplanten Kurienreform Veränderungen für Ihre Behörde – und welche?
Bislang habe ich noch nichts dazu gehört, in welcher Weise der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen in die Kurienreform einbezogen sein wird – auf der Ebene der Strukturen. Natürlich sind auf der Ebene der Mentalität oder der Spiritualität alle Behörden betroffen. Aber über strukturelle Reformen oder Umgliederungen ist mir nichts bekannt.

Aber es wird auch künftig im Vatikan eine eigenständige Behörde für Belange der Ökumene geben? Oder könnten Sie als Unterabteilung einer der bestehenden Kongregationen zugeschlagen werden?
Das ist eine sehr sensible Frage, die wir sicher auch mit unseren ökumenischen Partnern besprechen müssten, um unnötige Irritationen zu vermeiden. Aber offenbar geht man davon aus, dass ein Rat für die Ökumenischen Beziehungen, so wie er konzipiert ist, weiterbesteht.

Und auch die Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum wird ihrer Behörde angegliedert bleiben?
Ich habe diese Anbindung immer als positiv empfunden; denn das Judentum ist nicht eine Religion wie die anderen, wie Islam, Buddhismus oder Hinduismus, mit denen sich der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog befasst. Das Judentum ist die Mutter des Christentums, die erste Trennung in der Christentumsgeschichte ist die zwischen Synagoge und Kirche. Insofern gehört die Heilung dieser Trennung zwischen Judentum und Christentum auch in den ökumenischen Auftrag der Kirche hinein. Deshalb finde ich diese Organisation gut. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass es andere Überlegungen gibt. 

Johannes Schidelko, kipa

Themen Ökumenisch Welt
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