Am 14. Juni 2019 fand nach 25 Jahren der zweite grosse Frauenstreik in der Schweiz statt. An vielen Orten organisierten sich auch kirchlich Engagierte und in der Kirche berufstätige Frauen zum Frauen*Kirchenstreik. Dieser dauerte bis zum Sonntag, 16. Juni 2019. Besonders der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF) hatte zu verschiedenen Aktionen aufgerufen. | © Anne Burgmer

Frauen*Kirchenstreik: «Geduld hilft nicht!»

Anne Burgmer, 17.6.19
  • 2’000 bis 2’500 Männer und Frauen gingen am vergangenen Freitag, 14. Juni 2019, in Aarau zum zweiten Frauenstreik nach 1991 auf die Strasse.
  • Unter dem Motto «Gleichberechtigung. Punkt. Amen» nahmen auch zahlreiche Frauen vom Aaraugischen Katholischen Frauenbund (AKF) mit pinken Mitren teil.

 

Basteln im Pfarrhaus, Sitzstreik auf dem Schlossplatz Aarau, Ahninnengedenken in der Kirche und im Anschluss raus auf die Strasse: Die Frauen vom AKF sowie Mitarbeiterinnen der Fachstelle Bildung und Propstei der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau hatten ein straffes Programm am Frauenstreiktag. Die Stimmung dabei war gut und kämpferisch. «Wir sind hier, weil wir nicht den Eindruck haben, dass sich seit 1991 viel geändert hat», sagt eine Frau trocken. Sie hält den Streikpunkt mit dem Kurzgebet «Gleichberechtigung. Punkt. Amen» in ihrer Hand.

Pink, pink, pink und blau

Den pinken Punkt sah man allerorten. Ebenso die pinken Mitren, die die Frauen zuvor im Pfarrhaus Peter und Paul gebastelt hatten. Unterstützt wurden sie von den Männern der Fachstelle Bildung und Propstei und der Fachstelle Jugend und junge Erwachsene, die – zufällig alle eher blau gekleidet, – aus verschiedenen Gründen an diesem Tag dabei waren. Sie kochten, servierten, räumten auf und waren nachher ebenfalls im Demonstrationszug dabei. Es gehe ja darum, dass das Leben in allen Bereichen für beide – Frauen und Männer – gerechter gestaltet werde, so der Tenor.

Am Ende der Geduld

Schon immer haben Frauen sich dem widersetzt, was ihnen von Männern gesagt wurde, hiess es später beim Ahninnengedenken in der Kirche Peter und Paul. Beginnend bei den Hebammen, die sich im Buch Exodus dem Pharao widersetzen, wurden starke und selbstbewusste biblische Frauen in das Bewusstesein der versammelten Menschen um den Altar gerufen. 50 bis 60 Frauen und wenige Männer besuchten den spirituellen Impuls, der um den Widerstandstandstext der Theologin Jacqueline Keune herum aufgebaut war: «Mit Geduld werden wir die Verhältnisse des Unrechts nicht verändern und erst recht nicht beseitigen, das haben wir über die Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg erfahren und gelernt. Darum wollen wir uns sichtbar und hörbar machen und heute laut sagen: «Gleichberechtigung. Punkt. Amen!»

Aktionen auch am Wochenende

Die Frauen vom AKF und ihre Mitstreiterinnen reihten sich hernach in den Demonstrationszug in Aarau ein, Vroni Peterhans, Vize-Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes (SKF), bekam an der Abschlussveranstaltung sogar Redezeit. Der Frauen*Kirchenstreik erstreckte sich aber über den Frauenstreiktag hinaus bis Sonntag, 16. Juni. An zahlreichen Orten hing darum die Blache mit dem pinken Punkt an Kirchen, und in den Gottesdiensten wurde auf die Anliegen der Frauen aufmerksam gemacht. So erzählten beispielsweise in der Kirche Heiliggeist in Basel Menschen davon, welchen Schmerz sie spüren, weil sie ihre Berufung aufgrund der Zugangsbestimmungen der Kirche zu den Ämtern nicht vollumfänglich leben dürfen.

Mehr zum Frauen*Kirchenstreik 

Dokumentationen zum Frauen*Kirchenstreik finden Sie auf www.frauenbund.ch

Das katholische Medienzentrum kath.ch hat Impressionen vom Freitag in einem kurzen Film verpackt.

 

 

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Die Fachstellen-Mitarbeitenden der Römisch-Katholischen Landeskirche im Aargau (von links nach rechts): Susanne Muth, Markus Wentink, Urs Bisang, Moni Egger, Bernhard Lindner, Peter Michalik, Isabelle Deschler und Susanne Andrea Birke. Die Männer – per Zufall alle in Blau – kochten, servierten und räumten auf, während die Frauen Mitren, Punkte und andere Plakate vorbereiteten.  | © Anne Burgmer
Es geht nur gemeinsam gut
Vroni Peterhans, ehemalige Co-Präsidentin des Aargauischen Katholischen Frauenbundes (AKF) und aktuell Vize-Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes (SKF), auf dem Schlossplatz. Zahlreiche Frauen vom AKF und dem Aargauischen Landfrauenverband (ALFV) beteiligten sich am Sitzstreik vor der Besammlung zur Hauptdemonstration. | © Anne Burgmer
Vroni Peterhans am Sitzstreik
«Uns ist wichtig, dass es nicht nur um Frauen, sondern auch um Männer geht, die ihre Berufung nicht leben können», betonten diese beiden Frauen aus Aarburg-Rothrist beim Sitzstreik auf dem Schlossplatz. | © Anne Burgmer
Demonstrationsteilnehmerinnen
Pinke Mitren, pinke Gummistiefel, hier und da ein gestrickter Pussyhat und viele, viele Streikpunkte. Pink überwog, gefolgt von Violett. | © Anne Burgmer
Pink ist Trumpf
Beim Ahninnengedenken in der Kirche Peter und Paul Aarau wurden die zahlreichen widerständigen Frauen der Bibel in Erinnerung gerufen und ein Bogen ins Heute geschlagen. | © Anne Burgmer
Ahninnengedenken in Peter und Paul
Immer wieder gut zu erkennen: Katholische Frauen, denen es reicht, und die das mit der pinken Mitra zeigten. Ämter sollen nicht länger nur zölibatär lebenden Männern vorbehalten sein, die Zugangsbedingungen zur Weihe und die Gestaltung der Kirche sollen für alle Geschlechter möglich sein. | © Anne Burgmer
Pinke Mitra - gut zu sehen
In vorderster Reihe: Susanne Andrea Birke, Fachstelle Bildung und Propstei,  rechts neben ihr Lotti Baumann, Präsidentin des Aargauischen Landfrauenverbandes. Dahinter – so die vorsichtige Schätzung eines ordnenden Polizisten – 2'000 bis 2'500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. | © Anne Burgmer
Die vorderste Reihe der Demonstration
Nach wie vor herrscht Ungleichheit in vielen Bereichen. Frauen sind überdurchschnittlich von Armut betroffen. Gleichzeitig leisten sie mehr Care-Arbeit als Männer. Letztere wiederum geraten oft in Schwierigkeiten, wenn sie für die Familie ihr Pensum reduzieren wollen. Männer haben auch keinen Anspruch auf Vaterschaftsurlaub. | © Anne Burgmer
Verschiedene Gründe zum Streik
Die Stimmung war in jedem Moment ausgelassen, fröhlich und bunt. Wegen des Eidgenössischen Turnfestes in Aarau konnte der Demonstrationszug nicht wie sonst bei derartigen Veranstaltungen üblich auf dem Bahnhofsplatz starten. | © Anne Burgmer
Bunt, fröhlich und laut
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