43 neue Synodale erheben sich auf Aufforderung im Aargauer Grossratssaal. Alle 143 Mitglieder der Synode der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau wurden am Mittwoch, 9. Januar 2019, für die neue vierjährige Legislatur verpflichtet und wählten Präsidium und Exekutive. | © Andreas C. Müller

«Gemeinsam attraktiv Kirche machen»

Andreas C. Müller, 9.1.19
  • Die Synode der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau bestätigt an ihrer konstituierenden Sitzung ihre Exekutive für die Amtsperiode 2019-2022 (siehe auch amtliche Nachricht: Synodenbeschluesse_09012019)
  • 43 neue Synodale wurden gestern Mittwoch in die Pflicht genommen. Luc Humbel wurde als Kirchenratspräsident bestätigt, ins Synodenpräsidium gewählt wurde Daniel Holenstein aus Bad Zurzach.

 

Vergangenen Herbst bestellten die Römisch-Katholischen Kirchgemeinden im Kanton Aargau nicht nur ihre Kirchenpflegen neu, sondern auch die Vertreterinnen und Vertreter des kantonalen Kirchenparlaments. Am Mittwoch, 9. Januar 2019, traf sich dieses zu seiner konstituierenden Sitzung. An dieser wählten die 143 von gesamthaft 150 Mitgliedern (7 Sitze sind noch vakant) das Präsidium sowie die Exekutive, den Kirchenrat. Wie erwartet wurden im Kirchenrat mit Luc Humbel, Heinz Altorfer, Martin Rotzler, Claudia Chapuis, Olivier Dinichert, Dorothee Fischer, Ruedi Hagmann, Maria-Pia Scholl und Rolf Steinemann alle neun bisherigen Mitglieder bestätigt – Luc Humbel als Präsident des Kirchenrates.

«Die Gesellschaft menschlicher machen»

Ins Präsidium der Synode wurden Daniel Holenstein aus Bad Zurzach und Margrit Röthlisberger (Vizepräsidium) aus Vordemwald gewählt. In Anlehnung an Heinrich Böll formulierte Daniel Holenstein für die anstehende Legislatur folgenden Leitspruch: «Wir kommen von weit her und müssen weit gehen. Aber keine Angst: Alle sind bei dir, die vor dir waren».

43 neue Synodale fanden sich um 9 Uhr bereits zur Einführungsveranstaltung. Einige kamen in Begleitung Bisheriger. «Danke, dass Sie im Aargau attraktiv Kirche machen möchten», begrüsste der alte und neue Kirchenratspräsident Luc Humbel die Anwesenden. «Danke, dass sie einen Beitrag leisten möchten, dass die Gesellschaft menschlicher wird», ergänzte er.

«Engagement für Schwache und Benachteiligte»

Unter den Neulingen fanden sich Vertreterinnen und Vertreter aus allen Regionen des Kantons. So beispielsweise Patrick Wagner aus Gipf-Oberfrick und Kitti Steffen aus Wittnau. «Nach 40 Jahren positiver Erfahrung in der Kirche vom Ministrieren bis in den Pfarreirat habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen», erklärt erster seinen Entscheid, sich in die Synode wählen zu lassen. Mit seinem Engagement möchte Patrick Wagner dazu beitragen, «dass die Kirche weiterlebt». Und Kitti Steffen freut sich, im Kantonskirchenparlament die Erfahrung und Sicht einer kleinen Gemeinde an der Peripherie einzubringen.

Für die Kantonshauptstadt Aarau ist seit diesem Jahr Toni Schmid Mitglied der Synode. Er freue sich auf diese Aufgabe, erklärt er gegenüber Horizonte. «Ich bin seit letztem Jahr pensioniert, habe Zeit und finde das spannend.» Auf seine Ambitionen angesprochen, meint Toni Schmid: «Ich möchte mithelfen, dass die Pfarreien auch in Zeiten von knappem Personal lebensfähig bleiben, und dass sich die Kirche weiterhin für Schwache und Benachteiligte einsetzt».

«Kirchen erfüllen wichtige Aufgaben»

Mit Beatrice Egli und Theres Münch stellt Baden-Ennetbaden gleich zwei neue Synodale. Theres Münch freut sich auf die Arbeit in dem grossen Organ. Und für Beatrice Egli steht der Informationsaustausch im Zentrum: «Uns war wichtig, dass zwei Mitglieder aus der Kirchenpflege in die Synode gehen. Der Informationsfluss in die Gemeinden funktioniert dann viel besser.»

Seitens der Aargauer Regierung begrüsste Alex Hürzeler die 143 Synodalen. Man schätze in der Aargauer Regierung die konstruktive Zusammenarbeit mit der Römisch-Katholischen Kirche, erklärte der Vorsteher des Aargauer Departements für Bildung, Kultur und Sport. «Die Kirchen erfüllen gerade im sozialen und kulturellen Bereich wichtige Aufgaben». Staat und Kirche hätten zudem gemeinsam, dass sie in ethischen und moralischen Fragen Werte und Antworten geben wollten – gerade zu einer Zeit, wo bereits ein Viertel der Aargauer Bevölkerung konfessionslos sei.

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Regierungsrat Alex Hürzeler überbrachte den neuen Synodalen die Grussbotschaft der Aargauer Regierung. | © Andreas C. Müller
Alex Hürzeler
Bleibt Präsident des Kirchenrates der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau: Luc Humbel. | © Andreas C. Müller
Luc Humbel
Daniel Holenstein aus Bad Zurzach präsidiert die Synode in der kommenden Legislatur. | © Andreas C. Müller
Daniel Holenstein
Will sich in der Synode dafür einsetzen, dass die Kirche auch weiterhin Schwache und Bedürftige unterstützt: Toni Schmid aus Aarau. | © Andreas C. Müller
Neusynodaler Toni Schmid
Neu dabei: Patrick Wagner aus Gipf-Oberfrick will dazu beitragen, dass die Kirche weiterlebt. | © Andreas C. Müller
Neu dabei: Patrick Wagner...
Ebenfalls neue Synodale: Beatrice Eglin und Theres Münch aus Baden-Ennetbaden. | © Andreas C. Müller
...Beatrice Eglin und Theres Münch.

Was ist die Synode?

Die Synode ist das Aargauer Kirchenparlament. | © Andreas C. Müller

Die Synode der Römisch-Katholischen Kirche ist das Aargauer Kirchenparlament. Nach der Gründung des Kantons Aargau im Jahre 1803 und dem daran anschliessenden Kulturkampf mit Klosteraufhebungen und Sonderbundskrieg erhielten die drei Landeskirchen nach der Gründung des Bundesstaates von 1848 vom Kanton Aargau die Auflage, sich demokratisch nach Vorbild der staatspolitischen Institutionen zu organisieren. Das beinhaltete die Pfarrwahl vom Volk sowie den Aufbau politischer Strukturen. Im Gegenzug erhielten die Kirchen das Recht auf Erhebung von Steuern und deren Einzug durch den Staat, das Recht auf Präsenz von Seelsorgenden in Spitälern sowie das Recht zur Erteilung von Religionsunterricht an den Schulen.

1865 erfolgte die Anerkennung er Römisch-Katholischen Kirche als staatskirchenrechtliche Körperschaft, 1866 tagte die Synode zum ersten Mal. In den Kirchgemeinden werden seither sowohl Kirchenpflegen (analog zum Gemeinderat) sowie Synodale (analog zu den Kantonsvertretern für den Grossen Rat) gewählt. Im Unterschied zur Politik wählt allerdings nicht das Volk, sondern die Synode, also das Aargauer Kirchenparlament, den Kirchenrat (entspricht der Kantonsregierung).

Seit 1866 teilt sich somit die Römisch-Katholische Kirche im Aargau in einen weltkirchlichen und staatskirchenrechtlichen Bereich. Erstere folgt der römischen Kirchenhierarchie mit den Pfarreien – zuständig für Seelsorge, Verkündigung und Diakonie. Letztere rekrutiert sich aus der konfessionell zugehörigen Gemeindebevölkerung. Der Kirchgemeinde obliegt die Verantwortung für Finanzen (aus Kirchensteuern), Infrastruktur und Personal.

Im Aargau generieren die Katholiken jährlich etwa 90 Millionen Franken Kirchensteuern. Davon bleiben 85 Prozent in den Kirchgemeinden, der Rest geht an die Landeskirche zur Finanzierung verschiedener kantonaler kirchlicher Fachstellen und des Bistums.

 

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