Freude über den unterschriebenen Vertrag: Künftig verantworten Reformierte und Katholiken im Aargau die Spitalseelsorge gemeinsam. | © Werner Rolli

Gemeinsame Spitalseelsorge vertraglich geregelt

Andreas C. Müller, 10.12.19
  • Am Montag, 9. Dezember, unterzeichneten die Präsidien der Römisch-Katholischen und der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Aargau sowie der Bischofsvikar der Bistumsregion St. Urs des Bistums Basel den Zusammenarbeitsvertrag «über die ökumenisch verantwortete Seelsorge in Institutionen des Gesundheitswesens im Kanton Aargau».
  • Für die Institutionen soll es einfacher werden, Seelsorgende im Dringlichkeitsfall aufzubieten. Des Weiteren sollen mehr Menschen erreicht werden können (Horizonte berichtete).

 

Im Namen der beiden Aargauer Landeskirchen begrüsste Hans Niggeli, Leiter Spitalseelsorge der Römisch-Katholischen Landeskirche, die versammelten Medienvertreter zu dem, wie er es nannte «historischen Ereignis»: Die Kirchenräte der Reformierten und der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau, Luc Humbel und Christoph Weber-Berg, unterzeichneten mit Bischofsvikar Christoph Sterkmann im Andachtsraum des Kantonsspitals Aarau KSA den Zusammenarbeitsvertrag über die ökumenisch verantwortete Seelsorge.

Entscheid aus Überzeugung zugunsten der Menschen

Das Einzigartige, beziehungsweise Historische des Anlasses erläuterte Luc Humbel, Präsident des Kirchenrates der Römisch-Katholischen Landeskirche, wie folgt: «Aus Überzeugung haben wir beiden Landeskirchen uns dazu entschlossen, mit der Spitalseelsorge ein Kerngeschäft miteinander zu besorgen – trotz unterschiedlicher Traditionen».

Catherine Berger, reformierte Kirchenrätin und verantwortlich für den Bereich Spitalseelsorge, ergänzte: «Unser Bedürfnis nach flächendeckender Versorgung war leitend für dieses Vorhaben. Wir kamen zur Überzeugung, dass mehr Menschen erreicht werden können, wenn wir unsere Ressourcen zusammenlegen und gemeinsam koordinieren.» In Zahlen ausgedrückt, betrifft es aktuell 30 Seelsorgende an 25 kantonalen Institutionen im Umfang von 1’800 Stellenprozenten. Die Kosten belaufen sich auf ungefähr drei Millionen Franken.

KSA-CEO: Seelsorge gehört zum Spitalalltag

Auch von Seiten der Institutionen wird der Schritt der Landeskirchen begrüsst. Robert Rhiner, CEO des Kantonsspitals Aarau KSA, betonte an der Medienkonferenz, dass er den Seelsorgenden und den Landeskirchen sehr dankbar sei für den Dienst, den sie verrichteten. «Sie sind immer da, wenn wir sie in schwierigen Lebenssituationen brauchen – nicht nur für Patienten, auch für unsere Mitarbeitenden». Das gehöre einfach zum Spitalalltag und viele Menschen seien schon dankbar gewesen, wenn einer von der Seelsorge gekommen sei, erklärte Robert Rhiner: «Gerade auch jene, die mit der Kirche nichts mehr am Hut hatten».

In 47 Prozent der Fälle kämen die Seelsorgenden mittlerweile zu Konfessionslosen, liess Catherine Berger durchblicken. Und dass die Seelsorge unabhängig jedweder Konfession und Religion eine positive Wirkung entfaltet, schilderte Ursina Häfliger, diplomierte Pflegefachfrau am Kantonsspital Aarau KSA, sehr eindrücklich: «Wir können nicht stundenlang mit Menschen am Bett sitzen und etwas aushalten – da sind wir froh, dass es die Seelsorgenden gibt».

«Seelsorge bewirkt manchmal mehr als der Medischrank»

Auch könne der Seelsorger manchmal mehr bewirken als der Griff in den Medikamentenschrank: Bei einem Patienten im Alter von 39 Jahren beispielsweise habe man infolge seelsorgerlicher Begleitung deutlich weniger Opiate gebraucht, so Ursina Häfliger. Und wenn es künftig für eine Institution nur noch eine Nummer gebe, vereinfache das vieles.

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Um 13:30 Uhr unterschreiben die Kirchenratspräsidenten der Reformierten und der Römisch-Katholischen Landeskirche zusammen mit dem Bischofsvikar den Zusammenarbeitsvertrag. | © Werner Rolli
Der Vertrag wird unterschrieben
Katholiken und Reformierte für eine gemeinsam verantwortete Seelsorge: Christoph Weber-Berg, Präsident der Reformierten Kirche Aargau, und Christoph Sterkmann, Bischofsvikar. | © Werner Rolli
Christoph Weber Berg und Christoph Sterkman
Ursina Häfliger, diplomierte Pflegefachfrau, und Robert Rhiner, CEO des Kantonsspitals Aarau KSA. | © Werner Rolli
Auch das KSA war dabei - und lobte
Luc Humbel, Präsident des Kirchenrates der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau. | © Andreas C. Müller
Luc Humbel
Wenn die Ressourcen beider Landeskirchen zusammen eingesetzt werden, können mehr Menschen erreicht werden, so die Hoffnung der Verantwortlichen. | © Werner Rolli
Dasein, wenn es schlecht geht

Ein historischer Vertrag: Hans Niggeli erklärt im Interview die Hintergründe

«Dass ein dermassen umfangreicher Bereich wie die Spitalseelsorge gemeinsam geregelt und bis hin zur operativen und strategischen Leitung hin gemeinsam wahrgenommen wird, ist einzigartig», erklärt Hans Niggeli, Leiter Spitalseelsorge der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau. | © Werner Rolli

Reformierteund Katholiken verantworten künftig die Spitalseelsorge gemeinsam. Die Verantwortlichen sprechen von einem historischen und schweizweit einzigartigen Schritt in der ökumenischen Zusammenarbeit. Im Interview mit Horizonte erklärt Hans Niggeli, Leiter Spitalseelsorge bei der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau, worum es genau geht.

 

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