Judith und Felix Köln aus Magden feiern die Goldene Hochzeit. Am Samstag, 2. September nehmen sie am Gottesdienst für goldene Paare mit Bischof Felix teil. | © Roger Wehrli

Gemeinsamkeiten sind Gold wert

Judith und Felix Köhn aus Magden sind seit fünfzig Jahren verheiratet

Marie-Christine Andres Schürch, 30.8.17

Am kommenden Samstag, 2. September 2017 lädt Bischof Felix Gmür alle «goldenen Paare» im Bistum Basel zu einem Festgottesdienst nach Solothurn ein. Mit dabei sind auch Judith und Felix Köhn aus Magden, die seit fünfzig Jahren verheiratet sind. Zu Beginn des Gesprächs hebt Felix Köhn scherzhaft drohend den Zeigefinger: «Wenn wir beginnen zu erzählen, kommen Sie hier nie mehr weg…». Eine lebhafte Unterhaltung über fünfzig Jahre Ehe, Gipfelkreuze, Grosskinder, Gott und die Welt.

 

Judith und Felix Köhn, Sie reisen am Samstag nach Solothurn zum Festgottesdienst für «goldene Paare». Worauf freuen Sie sich?
Judith Köhn:
Ich habe im Pfarrblatt von der Feier gelesen, mich auf dem Pfarramt danach erkundigt und uns dann angemeldet. Auf die Feier freue ich mich nicht zuletzt deshalb, weil ich – obwohl meine Eltern gebürtige Solothurner waren – noch nie in der Kathedrale war.
Felix Köhn: Ich hoffe, dass wir gewisse Ideen an den Bischof bringen können und er unsere Anliegen auch aufnimmt.
Judith Köhn: Nach der Feier gibt es noch ein Beisammensein in der Kantonsschule Solothurn. Vielleicht kann man dort mit Bischof Felix ins Gespräch kommen.

Was wollen Sie dem Bischof denn mitteilen?
Felix Köhn:
Wir sind in der Pfarrei St. Anton in der Stadt Basel aufgewachsen. Ich war in der Jungwacht, Judith im Blauring, wo wir uns kennen- und lieben lernten. Wir sind stets in der Kirche geblieben, weil sie viele soziale Aufgaben erfüllt und sich viele Menschen, vor allem Frauen, ehrenamtlich engagieren. Doch genau hier liegt das Problem: in punkto Stellung der Frau ist die katholische Kirche gnadenlos rückständig.
Judith Köhn: Und solange in Sachen Zölibat nichts passiert, wird die katholische Kirche rückständig bleiben.

Sie waren 18 und 21 Jahre alt, als sie sich als Blauringführerin und Jungwachtführer, wie es damals noch hiess, kennenlernten. Wie haben Sie die Kirche damals wahrgenommen?
Felix Köhn:
Wir hatten eine wahnsinnig enge Verbindung zu dieser Kirche. Zum einen zum Gebäude, zur Pfarrkirche St. Anton in Basel. Es war die erste Sichtbetonkirche in der Schweiz, erbaut von Karl Moser in den 1920er-Jahren. Noch immer ein beeindruckender Raum mit einmaligem Licht.
Judith Köhn: In dieser Kirche haben wir 1967 geheiratet.
Felix Köhn: Aber abgesehen vom Gebäude waren wir auch der Institution Kirche eng verbunden. Doch schon damals wollte ich das Image der Kirche und vor allem der Jungwacht entstauben. Wir Jungwächter wurden damals als «Weihwasserfrösche» betitelt, was mich sehr gewurmt hat. Ich habe mit meiner Jungwachtgruppe Neues ausprobiert. Statt Gruppenstunden zu halten, ging ich mit den Buben Zelten und Klettern. So, wie es in der Pfadi damals schon üblich war. Da gab es aber Widerstand vom Schweizerischen Jungwacht-Bund. Zum Glück hatten wir immer wieder gute Präses und auch gute Pfarrer, die uns Rückhalt gaben. Aber in unserer Pfarrei mit damals 33 000 Gläubigen und zeitenweise acht Priestern, gab es auch einige dunkle Stellen. In Sachen Aufklärung war die Kirche enorm hintendrein.
Judith Köhn: Deshalb war auch eine Beziehung zwischen Blauringführerin und Jungwachtführer, wie wir sie hatten, problematisch. Eigentlich sollte es die gar nicht geben.

Trotz allem sind Sie katholisch geblieben?
Felix Köhn:
Was wir machen, ist, im kleinen Rahmen, dort wo wir können, katholisch sein, das Leben nach der Bibel gestalten, anderen helfen und gute Gedanken pflegen.
Judith Köhn: So engagieren wir uns hier in Magden zum Beispiel im Verein «Senioren für Senioren», den wir mitbegründet haben.
Felix Köhn: Die Idee ist, dass Senioren einander im Alltag unterstützen. Wir helfen einem Ehepaar, das Mitte achtzig ist. Ich mähe den Rasen und bleibe danach jeweils noch ein wenig bei ihnen zum Reden. So ist eine Vertrauensbasis entstanden. Bei den letzten Gesprächen stellte ich fest, dass der Tod für dieses Ehepaar zunehmend zum Thema wird. Das war vor zwei, drei Jahren noch nicht so.
Judith Köhn: Uns selber hilft das vielleicht auch zu lernen, mit dem Tod umzugehen.

Obwohl sie beide offensichtlich mitten im Leben stehen.
Judith Köhn:
Das ist so. Dank unseren zwei erwachsenen Söhnen und unseren fünf Enkeln sowie unseren Hobbies haben wir viele schöne Aufgaben. Die Enkel sind inzwischen Teenager, kommen aber immer noch ab und zu vorbei.
Felix Köhn: Mit ihnen können wir über alles reden, auch über heikle Themen wie Sex. Das Vertrauen zwischen uns Grosseltern und den Enkeln ist über lange Zeit gewachsen, seit sie klein waren, haben wir Zeit mit ihnen verbracht. Zum Beispiel haben wir sie jedes Jahr mit in die Ferien genommen. Um diese gute Basis muss man sich rechtzeitig kümmern.

Und was ist die Basis für fünfzig gute Ehejahre?
Felix Köhn:
Wir haben eine gemeinsame Grundlage. Aufgewachsen im gleichen Basler Quartier, beide aktiv in der Pfarrei, beide waren mit den Eltern regelmässig in den Bergen unterwegs. Ich bin durch meinen Vater zum Alpinismus gekommen. Später, als Gebirgsgrenadier im Militär und als SAC-Mitglied habe ich sämtliche Schweizer Viertausender bestiegen. Auch mit unseren Söhnen waren wir häufig in den Bergen unterwegs. Das Gipfelerlebnis ist stark. Oben am Gipfelkreuz ist nur noch blauer Himmel, da ist man nahe beim Herrgott. Eine Besteigung kann auch psychisch einiges bewirken, Angestautes löst sich. Schaut man von oben hinunter, spürt man eine grosse Freiheit. Dafür muss man nicht einmal zwingend auf einen Viertausender, es reicht auch ein Hügel.
Judith Köhn: Auch ich war als Kind mit den Eltern in den Bergen, zum Beispiel im Nationalpark. Mein Vater hatte es zwar auf dem Herz und musste sich zwischendurch hinlegen. Manchmal legte er dann sein Taschentuch auf einen Ameisenhaufen und im Weitergehen roch er daran. Die Ameisensäure helfe ihm beim Atmen, sagte er. Das ist mir geblieben. Überhaupt: es gibt so viele Geschichten in unserem Leben – und sie sind alle noch so präsent. Verrückt, wie rasch die Zeit vergeht.

Gehen Sie heute noch zusammen in die Berge?
Judith Köhn:
Ja, wir wandern zusammen, zum Beispiel im Engadin. Und zwischen Anfang November und Ende Januar streifen wir gemeinsam durch den Wald. Wir sind seit etwa 15 Jahren beide im Naturschutzverein Magden und betreuen dort 150 Nistkästen in drei Waldgebieten. Das ist eine sehr intensive Arbeit den Winter hindurch.

Sie scheinen einige gemeinsame Hobbies zu pflegen.
Felix Köhn:
Das ist auch wichtig. Wir haben zwar beide unseren Freiraum, pflegen aber auch die Gemeinsamkeiten. Eine heikle Ehephase ist zum Beispiel, wenn die eigenen Kinder ausziehen.
Judith Köhn: Vorher war man ja immer beschäftigt. Aber wenn die Kinder weg sind…
Felix Köhn: …da muss man sich als Paar neu finden und eben etwas Gemeinsames suchen. Auch die Pensionierung ist ein heikler Punkt. Und ich finde auch da gilt: sich rechtzeitig Gedanken machen und sich wenn möglich schrittweise dem Ruhestand annähern. Sonst fällt man in das berühmte Loch.
Judith Köhn: Und zwischendurch gehen wir gemeinsam in die Stille. Kürzlich fuhren wir spontan mit einem befreundeten Ehepaar ins Kloster Baldegg und sassen in eine Andacht. Oder wir gehen nach Mariastein oder steigen auf den Buschberg. Dort oben ist es zu jeder Jahreszeit schön. Und etwas abseits der Kapelle, beim Schnäggestei, liegt ein starker Kraftort. Auf dem Buschberg können wir auftanken.

Feiern Sie ihre goldene Hochzeit auch noch «weltlich»?
Judith Köhn:
Ja. Einen Tag nach der Feier in Solothurn gehen wir mit Kindern und Grosskindern essen und feiern.

 

 

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