Hildegard Aepli und Filmregisseur Silvan Maximilian Hohl bei der Premiere von «Habemus Feminas, am 26. August 2017 in Zürich. | © Andreas C. Müller

«Habemus Feminas»

Film zur Pilgerreise «für eine Kirche mit* den Frauen» feiert Premiere

Andreas C. Müller, 26.8.17

Im gut gefüllten Zürcher Arthouse-Kino LeParis gab es stehende Ovationen für den abendfüllenden Dokumentarfilm der jungen Filmcrew um Regisseur Silvan Maximilian Hohler

Aus 20 Minuten geplantem Dokumentarfilm seien letztlich 110 Minuten geworden. «Eine grosse Geschichte verdient einen grossen Film», habe Jungregisseur Silvan Maximilian Hohl der Projektleiterin von «Kirche mit* den Frauen», Hildegard Aepli erklärt. Diese sowie die zahlreichen Anwesenden im Zürcher Arthouse-Kino LeParis zeigten sich am Samstag, 26. August 2017, begeistert. Am Ende des Films gab es viel Beifall und stehende Ovationen. Alle Mitglieder der Pilgerkerngruppe, also auch Franz Mali und Esther Rüthemann sowie die Schwestern vom Kloster Fahr um Priorin Irene Gassmann stiegen zu Hildegard Aepli und der Filmcrew aufs Podium und feierten Verewigung jener Pilgerreisse, die letztes Jahr viele Menschen in der katholischen Kirche der Schweiz bewegte.

Am Küchentisch auf die grosse Geschichte gestossen

Geschickt geleitet der Film durch die zwei Monate, während derer 1 651 Menschen auf verschiedenen Etappen den «harten Kern» der Pilgergruppe nach Rom begleitet hatten. In Farbe kommen immer wieder die Initianten Hildegard Aepli, Esther Rüthemann und Franz Mali zu Wort, um auf das Erlebte zurückblicken, die gemachten Erfahrungen zu reflektieren, zu erklären. Die Aufnahmen von der Reise sind in Schwarz-Weiss. «Das lenkt nicht ab», so Regisseur Silvan Maximilian Hohl gegenüber Horizonte. Auffallend ist auch die mehrheitlich überaus dunkel gehaltene Bildführung. Auch das ganz bewusst: «Ich wollte bewusst auf die Grundelemente fokussieren.»

Ganz zufällig sei er auf das Thema gestossen, erklärte Regisseur Maximilian Hohl bei der Begrüssung des Publikums. Seine Mutter habe wie beiläufig am Küchentisch davon erzählt, dass eine Gruppe Frauen für die geschlechtliche Gleichberechtigung innerhalb der Kirche nach Rom pilgern wolle. «Zwei Wochen habe ich gebraucht um zu merken, wie genial diese Geschichte ist», fügte der Jungregisseur hinzu und hatte die Lacher auf seiner Seite. Entstanden ist schliesslich ein abendfüllender Dokumentarfilm, der den Bogen vom Aussendungsgottesdienst vom 2. Mai 2016 in St. Gallen bis zur Ankunft zwei Monate später in Rom schlägt.

Heiteres, Anstrengendes und Besinnliches

Dass das Filmen sich letztlich als Herausforderung erwies, zeigen die immer wieder eingestreuten Kurzsequenzen, innerhalb derer die Filmcrew über das Erlebte ins Gespräch kommt und den Produktionsprozess reflektiert. Diese Sequenzen sind stets eine willkommen Auflockerung und sorgen für Lacher. Nebst Gedanken über Anspruch und Wirklichkeit in der Kirche und Glaube im Allgemeinen sind es oft ganz praktische Probleme: Was es heisst, auch am Berg stets vornweg zu sein, um die Gruppe von vorn filmen zu können. Oder dann die ungenügende Ausrüstung bei Regen oder der halbwegs verzweifelte Anruf an den Helfer im Auto: «Wir haben die Gruppe verloren, wir haben den Weg verloren und eigentlich wissen wir nicht genau, wo wir jetzt sind.»

Die eindrücklichen Aufnahmen von der Alpenüberquerung lassen erahnen, welche Strapazen die Pilgerinnen und Pilger auf sich nahmen. «Wir hatten viel schlechtes Wetter», resümiert Hildegard Aepli im Film. «Doch letztlich war das besser als die Hitze. Überhaupt ist die Erfahrung beim Pilgern: Es geht – irgendwie.»

Auch die besinnlichen Momente finden Eingang im Film. Die schlichten Eucharistiefeiern, die Schweigestunden unterwegs, das gemeinsame Singen. «Die Menschen, die uns begleiteten, haben sich rasch aufgenommen gefühlt und gemerkt, dass hier Glaube gelebt wird», erklärt Esther Rüthemann im Film.

«Wäre ich nicht dabei gewesen, ich würde es nicht glauben»

«Wenn ich nicht dabei gewesen wäre, würde ich nicht glauben, dass so etwas wirklich wahr ist», erklärte Priorin Irene Gassmann vom Kloster Fahr gegenüber Horizonte im Anschluss an die Filmvorführung. Viele emotionale Erinnerungen seien wach geworden. Auch die Grösse der Gruppe, wie sie im Film sehe, habe sie neuerlich als beeindruckend erlebt. Und nicht zuletzt die Parallelen zur Konzilsaufbruchsstimmung, die der Film impliziert.

Noch sei nicht klar, in welchen Kinos der Film noch gezeigt werde, erklärte Regisseur Silvan Maximilian Hohl. Pfarreien könnten ihn aber bestellen und für 2018 sei ein Download- und Streamingangebot via Webseite geplant.

 

Aufführungsdaten im Aargau:

25. September um 19 Uhr im Treffpunkt der Pfarrei Rheinfelden-Magden-Olsberg (Hermann Keller-Strasser 10, 4310 Rheinfelden)

26. September 2017 um 19.30 Uhr im Kino Orient in Wettingen

 

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Abonnieren Sie unseren Newsletter. Er erscheint alternierend zur Printausgabe alle zwei Wochen – immer mit den aktuellsten Horizonte-Geschichten und oftmals spannenden Verlosungen.