Hansruedi Rohner im Wartezimmer seiner Praxis: Verschiedene Heiligenbilder und -figuren zeigen, auf welche Kraftquelle sich der «Gebetsheiler» stützt: Auf den christlichen Glauben. | © Andreas C. Müller

Hansruedi Rohner: Der Heiler aus Bad Zurzach

Andreas C. Müller, 23.5.18
  • Der 70-jährige Hansruedi Rohner arbeitet als «geistiger Heiler», als «Gebetsheiler». Mit der «Geldmaschine Esoterik« will der tief religiöse Bad Zurzacher allerdings nichts gemein haben.
  • Horizonte besuchte den Heiler von Bad Zurzach und machte den Selbstversuch.

 

Es riecht nach Räucherwerk, als Hansruedi Rohner an der Pfauengasse in Bad Zurzach die Türe öffnet. Der 70-Jährige behandelt Menschen mit chronischen Schmerzen, Burnout, schweren Krankheiten, belastenden Problemen und Sorgen. Menschen aus der ganzen Schweiz und dem grenznahen Deutschland melden sich bei ihm.

«Den Geist kann man nicht heilen, das ist esoterisch»

Hansruedi Rohner führt mich in sein Behandlungszimmer, wo er eine kleine Mariengrotte eingerichtet hat. Während er dort die Kerzen entzündet, erklärt er: «Bevor jemand kommt, spreche ich ein Gebet und meditiere. Dasselbe wiederhole ich nach der Behandlung.»

Und wie behandelt der katholische «geistige Heiler» oder «Gebetsheiler», so möchte sich Hansruedi Rohner bezeichnet wissen, seine Klienten? Als ein «Geistheiler» verstehe er sich nicht, das sei esoterisch. Man könne keinen Geist heilen. Und zur Frage der Behandlung sagt er: «Unterschiedlich. Manchmal reicht es, zuzuhören.» Oder dann meditiere er mit der betreffenden Person. Auch Händeauflegen gehöre dazu. «Das ist jedoch eher ein Hände ineinander legen», erklärt Hansruedi Rohner. «Für eine Art Energie-Austausch». Die meisten Menschen wünschten sich allerdings eine Fernbehandlung, erklärt der gebürtige Bad Zurzacher mit Wohnsitz in Fislisbach. Hierfür wird zunächst telefoniert. Dann schicken die Hilfesuchenden ein Foto. Mit diesen betet Hansruedi Rohner jeden Tag.

Er wolle im Grunde die Menschen, die zu ihm kämen, darin bestärken, wieder das Positive zu sehen. Er habe selbst früher nur das Negative gesehen, erinnert er sich. Das habe bestimmt Stress und Schmerzen verursacht.

«Gott wirkt durch mich»

«Ich bin aber nicht der, der hilft», stellt Hansruedi Rohner bald klar. Ich bin nur der Durchgang. Jesus Christus ist der wahre Heiler», meint er. Auf die Nähe zur Esoterik angesprochen, erklärt der «geistige Heiler» aus Bad Zurzach: Da gibt es feine, aber deutliche Unterschiede, die jedoch den meisten gar nicht auffallen. In der Esoterik heisse es zum Beispiel: «Es atmet dich.» Für Hansruedi Rohner jedoch steht fest: «Jesus Christus atmet dich.»

Hansruedi Rohner entdeckte seine Berufung während einer existenziellen Lebenskrise im Alter von 42 Jahren. Eine schwere Depression aufgrund chronischer Schmerzen brachte ihn bis in die Psychiatrie. Dort fand er zurück zum Gebet und es entstand das Interesse an Theologie. Er habe realisiert, dass es mit Grübeln nur schlimmer werde. Das Gebet hingegen ebnete Hansruedi Rohner nach eigener Aussage nicht nur den Weg zurück ins Leben, sondern zeigte ihm auch seine Berufung als Heiler. Erste Erfahrungen mit seiner neu entdeckten Gabe sammelte Hansruedi Rohner während des Laientheologiestudiums. «Ich war stets ein guter Zuhörer und meine Kurskollegen meinten, Gespräche mit mir hätten ihnen enorm geholfen. Das erstaunte mich.»

Schwieriger Spagat zwischen Weltlichem und Geistigem

Verschiedene «Seelenführer» – so nennt Hansruedi Rohner Bezugspersonen aus dem kirchlichen Umfeld, die er während dieser Zeit kennen lernte – ermutigten ihn auf seinem Weg und bestätigten ihm, dass durch ihn wohl durchaus eine besondere Kraft wirke, die er aus seinem Glauben schöpfe. «Seelenfüher?» Klingt das nicht esoterisch? «Nein, unter einem Seelenführer verstehen Katholiken auch einen Beichtvater.» Bei verschiedenen spirituellen Begleitern besuchte Hansruedi Rohner zudem Exerzitien – unter anderem bei Pierre Stutz, Meinrad Gier und Toni Schallberger aus Mariawil bei Baden.

Schwierig sei es gewesen, den Spagat zwischen Geistlichem und Weltlichen zu schaffen. Seine Frau Silvia habe ihm hierbei sehr geholfen, auch wenn das Verhältnis zu ihr zu Beginn sehr angespannt war. «Wir haben einander zunächst nicht mehr verstanden», erinnert er sich. «Es gab Spannungen. Ich habe mich ja sehr verändert. Trotzdem hat sie durch die ganze Zeit hindurch immer zu mir gehalten – fast als Einzige.»

Kraft tanken im Kloster

Seit sieben Jahren arbeitet Hansruedi Rohner als Heiler. Immer wieder sei es ihm gelungen, Menschen in schwierigen Situationen zu helfen, erzählt er. Das sei nicht immer einfach. Um selbst in der Kraft zu bleiben, zieht sich Hansruedi Rohner immer wieder in ein Kloster zurück. Dies hätte ihn auch auf seinem Weg entscheidend geprägt, meint er.

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Vor einer Sitzung meditiert Hansruedi Rohner. | © Andreas C. Müller
Vor der Mariengrotte
 
Andreas C. Müller

Kommentar

von Andreas C. Müller
redaktion@horizonte-aargau.ch

Nach dem Besuch bei den Handauflegerinnen von Baden führt mich mein Weg zu Hansruedi Rohner, dem Heiler von Bad Zurzach. Auf den ersten Blick erfüllt er das Klischee eines esoterischen Heilers: Der Duft von Räucherwerk, eine schwere Krise, die ihn in der Mitte seines Lebens erschütterte und ihn quasi auf den Weg seiner Berufung führte, die er jetzt ausübt. Doch mit der «Geldmaschine Esoterik» will der gebürtige Bad Zurzacher nichts zu tun haben. Im Gegenteil: Er betont, dass er, katholisch aufgewachsen, im Gebet sowie im Glauben an Jesus Christus seine Fähigkeiten entdeckt und zur Ausbildung gebracht habe. Mehrmals wöchentlich besuche er auch die Heilige Messe. Bekehren wolle er niemanden, so der 70-Jährige, der sich selber als «geistiger Heiler», «Lebensberater» oder «Gebetsheiler» bezeichnet.

Ich wage auch bei Hansruedi Rohner den Selbstversuch: Gemeinsam setzen wir uns vor die Mariengrotte und ich berichte von einem Umstand, der mich beschäftigt. Ich solle auf die Kerze schauen, auf das Licht, weist mich Hansruedi Rohner an. «Aber nicht konzentrieren, nur schauen», meint er noch. Im Licht sei Gott erfahrbar. Und nach einer Weile meint er: Ich solle mein Problem nicht zerdenken, sondern besser beten, wenn es mich belaste. «Grübeln zieht nur runter.»

Was Hansruedi Rohner sagt, dünkt mich plausibel und einen Versuch wert. Und doch bin ich ein wenig enttäuscht. Warum? Weil es keinen unmittelbar spürbaren Effekt gab? Weil es irgendwie wie ein Coaching wirkte – ohne Tamtam mit Schamanentrommel, Klangschalen, Beräuchern, Kristallen und Auro Soma-Flasche? Aber das bezeichnet wohl genau den Unterschied zur Esoterik, zu der sich Hansrusedi Rohner ja abgrenzen will.

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