Noch ist es eher eine Baustelle, denn eine Ausstellung. Im Stapferhaus wird fleissig gewerkelt, damit am 11. März 2017 die Tore zur neuen Ausstellung «Heimat - eine Grenzerfahrung» öffnen können. | © Werner Rolli

Heimat – eine Reise

Horizonte und das Stapferhaus Lenzburg lancieren Leseraktion zur neuen Ausstellung

Anne Burgmer, 16.2.17

«Heimat – Eine Grenzerfahrung» – noch ist der Besuch der Ausstellungsräume auf dem Zeughausareal in Lenzburg eher eine Baustellenerfahrung. Längst noch nicht alles ist fertig. Doch ab dem 11. März öffnet das Museum seine Tore und Ende März gibt es eine besondere Aktion für Horizonte-Leser (Informationen weiter unten).

Vor dem Gebäude stapeln sich die Gondeln des bereits jetzt berühmten Riesenrades wie leere Joghurtbecher. Im Gebäude geht es drunter und drüber. «Einiges ist schon so gut wie fertig, anderes braucht noch mehr Arbeit – es wäre auch erstaunlich, würde es rund anderthalb Monate vor Eröffnung anders aussehen», sagt Alain Gloor.

Reisefreudig

Der 34-jährige Historiker arbeitet inhaltlich an der Ausstellung mit und ist zuständig für die Begleitpublikation und das Veranstaltungsprogramm. Je weiter er durch die noch unfertigen Räume der Ausstellung führt, und erzählt, was sich die für Gesamtleitung und –konzept zuständigen Ausstellungsmacher Sibylle Lichtensteiger und Detlef Vögeli überlegt haben, desto deutlicher wird, dass der Besuch der neuen Ausstellung «Heimat – Eine Grenzerfahrung» eine vielfältige Reise werden wird. Eine Reise durch die Zeit, durch die eigene Biographie, durch den Raum, durch die Gesellschaft und ihre Geschichte.

Die Ausstellung hat alle Anlagen, ein weiterer Erfolg für das Stapferhaus Lenzburg zu werden. Das liegt sicher daran, dass die Voraktion, bei der sich über 1000 Menschen an verschiedenen Chilbis landauf landab im Riesenrad zum Thema Heimat befragen und filmen liessen, bereits faszinierende Einblicke in die Vielfalt des Themas ermöglicht. Doch das wird vielleicht auch daran liegen, dass kaum ein Thema in den letzten Jahren so präsent war, wie die Fragen nach dem, was wir «Heimat» nennen.

Vom Abstrakten ins Konkrete

«Die Ausstellung lädt die Schweizer Bevölkerung in ihrer ganzen Vielfalt ein, die eigene Heimat zu erkunden und fremde Welten zu entdecken», erklärt Alain Gloor. Die Ausstellung soll «einen Dialog über gesellschaftliche Grenzen hinweg ermöglichen und neue Perspektiven auf aktuelle Debatten eröffnen. Wir sind überzeugt, dass das Thema «Heimat» jeden Menschen betrifft. Für uns alle ist Heimat eine Aufgabe auf persönlicher wie gesellschaftlicher Ebene», erläutert Alain Gloor. Den Weg – vom Persönlich-biographischen ins Allgemeine, eher Gesellschaftliche – legen Besucherinnen und Besucher auch in der Ausstellung zurück, die wie ein Parcours angelegt ist. Ein Parcours mit «Chilbi-Atmosphäre».

Bunte Farben und blinkende Lichter täuschen jedoch nicht darüber hinweg, dass das Thema «Heimat» den Menschen bis in sein tiefstes Selbstverständnis trifft und genau deshalb oft auch eine Grenzerfahrung ist. «Die Suche nach Heimat ist immer ein Balanceakt: Das Fremde kann neugierig machen und gleichzeitig abschrecken, und das Eigene kann einem zu viel werden oder gerade fehlen», sagt Alain Gloor. Akut wird die Beschäftigung mit dem Thema «Heimat» oft erst, wenn man seine Heimat verlässt oder verliert, oder das Gefühl hat, die Heimat werde bedroht. Das eine oder andere trifft sicherlich auch auf die Besucher der Ausstellung zu und wie auf jeder Reise mag es die eine oder andere Überraschung geben.

Das erwartet Sie bei der Leseraktion

Bereits zur Ausstellung «Geld – Jenseits von gut und böse» führten Horizonte und das Stapferhaus Lenzburg in Kooperation eine Leseraktion durch. Am Dienstag, 28. März 2017, 18 Uhr, ist es wieder soweit:  Zur neuen Ausstellung «Heimat« wird es wieder eine Sonderöffnung für interessierte Leserinnen und Leser des Aargauer Pfarrblatts Horizonte geben. Gemeinsam mit Alain Gloor, als Vertreter des Stapferhauses, sowie Gabriele Tietze-Roos von der Bistums-Regionalleitung und Andreas Wieland, Präsident der Aargauer Pfarrblattgemeinschaft (siehe Beiträge unten), werden die Leserinnen und Leser eine «wandernde Podiumsdiskussion» im Zeughaus erleben können. Im Anschluss offeriert Horizonte im Café der Ausstellung einen Apéro. Die Anmeldungen werden nach Eingang berücksichtigt. Begrenzte Platzzahl. Verbindliche Anmeldungen richten Sie bitte mit vollständigem Namen und Adresse an: silvia.berger@horizonte-aargau.ch

Die Leserinnen und Leser begleiten

Gabriele Tietze-Roos, Bistumsregionalleitung
«Beruflich wollte ich mich verändern für ein paar Jahre nur. Zum Jahreswechsel 1988/89 sah ich bei Freunden in Luzern das Inserat der Kirchgemeinde Frenkendorf-Füllinsdorf. Ich entsinne mich noch, wie begeistert ich vom Vorstellungsgespräch damals am Palmsonntag zurückfuhr. Aus diesen angedachten paar Jahren wurden 14 Jahre in der Pfarrei Dreikönig; dann arbeitete ich 8 ½ Jahre als Gemeindeleiterin im Laufental, bis ich dann von Bischof Felix 2011 zur Regionalverantwortlichen berufen wurde. Mir sind die Schweiz und die Seelsorge im Bistum Basel sehr vertraut geworden. Es war für meinen Mann und mich stimmig, uns in unserer Wohngemeinde Aesch BL einbürgern zu lassen. Unsere Zuwendung zur Schweiz ist erwachsen aus unzähligen Begegnungen mit Menschen, mit ihren Lebensgewohnheiten und mit der faszinierenden Landschaft.»

Andreas Wieland, Präsident Pfarrblattgemeinschaft
«Nach meinem Theologiestudium, welches ich 1983 an der Uni D-Freiburg abgeschlossen habe, habe ich mich entschlossen in der Schweiz seelsorgerlich zu arbeiten. Im Juli 1983 bin ich umgezogen und habe zuerst als Pastoralassistent  in  Graubünden gearbeitet und seit 1995  als Seelsorger im Bistum Basel. Da ich an der Rhein-Grenze aufgewachsen bin, wurde ich schnell vertraut mit der kirchlichen und gesellschaftlichen Situation und habe mich dadurch bald heimisch gefühlt. Inzwischen habe ich neben meiner deutschen auch die Schweizer Staatsbürgerschaft erworben. Ich bin jetzt 60 Jahre alt und arbeite derzeit als ständiger Diakon und Pfarreileiter in den Fricktaler Gemeinden Herznach-Hornussen und Zeihen.»

Alain Gloor, Recherche und Konzeption
Alain Gloor schaut genau hin und hinterfragt, ohne das grosse Ganze aus den Augen zu verlieren: Mit seinen Recherchen legt er den Boden für das Projekt und er ist auch dabei wenn es darum geht, die Inhalte in den Raum zu bringen. Geboren 1982, Masterstudium Geschichte und Philosophie des Wissens an der ETH Zürich. Arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut Kunst der HGK FHNW in Basel und als freier Journalist. Alain Gloor ist zudem Mitherausgeber des LASSO-Magazins und lebt in Basel. (Quelle: Stapferhaus)

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