Die Aufzeichnung der Osternachtsmesse in Erlinsbach musste am frühen Nachmittag schon beginnen. | © Werner Rolli

Osternachtsmesse mit Gehörlosenseelsorgerin

Andreas C. Müller, 12.4.20
  • Gestern Nachmittag feierten für Sie Beda Baumgartner, Pfarrer in Erlinsbach und Leiter des Pastoralraums Gösgen, zusammen mit Pfarrer Mario Hübscher aus Olten und der Aargauer Gehörlosenseelsorgerin Anita Kohler die Osternachtsmesse. Horizonte war für Sie vor Ort und hat den Gottesdienst aufgezeichnet.
  • Die Corona-Pandemie zwingt Seelsorger und Gläubige zu ungewöhnlichen Massnahmen. Aber die digitale Technik macht es sogar möglich, die Worte des Gottesdienstes in Gebärdensprache parallel zur Liturgie aufzuzeichnen und gleichzeitig auszustrahlen.
  • Kleines Wunder der Technik und grosses Wunder der Auferstehung Christi begegneten sich in der Pfarrkirche von Erlinsbach, St. Nikolaus.

Für die erste Gottesdienstaufzeichnung von Horizonte wagten Beda Baumgartner und Mario Hübscher gleich eine Premiere: Den Einbezug der Gehörlosenseelsorgerin Antita Kohler. Was für die beiden Seelsorger diese Zusammenarbeit bedeutete, und warum Anita Kohler die Möglichkeit, einen auf Video aufgezeichneten Gottesdienst mitfeiern zu können, besonders schätzte, haben Beda Baumgartner und Anita Kohler gegenüber Horizonte wie folgt beschrieben:

Herr Baumgartner: Dass mit Frau Kohler eine Gehörlosenseelsorgerin den Gottesdienst mitfeiert, ist für Sie sicher auch nicht alltäglich.
Beda Baumgartner: Frau Kohler wird einzelne Teile der Feier selber übernehmen, andere für die Gehörlosen in Gebärdensprache übersetzen. Sie trägt dazu bei, dass der Gottesdienst nicht zu wortlastig wird, sondern Zeichen zum Zuge kommen: Beispielsweise das Osterfeuer, das Endzünden der Osterkerze. Wir werden viel in Bildern sprechen und möglichst einfach reden.

Frau Kohler: Was bedeutet die Möglichkeit, am Samstag einen Gottesdienst mitzufeiern, der hernach online abrufbar ist, für die Gemeinde der Menschen mit Hörbehinderung.
Anita Kohler:
Das bedeutet extrem viel! Von vielen kirchlichen Angeboten, die momentan online gehen, sind die hörbeeinträchtigten Menschen durch fehlende Untertitelung oder Übertragung in Gebärdensprache abgeschnitten.

Das vollständige Interview lesen Sie hier.

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Vertritt die Gemeinde der Menschen mit einer Hörbehinderung und übersetzt in die Gebärdensprache: Gehörslosenseelsorgerin Anita Kohler. | zvg
Anita Kohler
Während Pfarrer Baumgartner, rechts, und Pfarrer Hübscher die Osterkerze entzünden, wartet Anita Kohler auf ihren nächsten Einsatz als Gebärdendolmetscherin. | © Werner Rolli
Entzünden der Osterkerze
Pfarrer Mario Hübscher verkündet das Evangelium in der Osternacht über die Videokamera. | © Werner Rolli
Aufzeichnung des Evangeliums

Horizonte-Osternachtsmesse

Aufzeichnung der Osternachtsmesse

Eine Kamera ist fix auf die Gehörlosenseelsorgerin Anita Kohler gerichtet, während die zweite die Liturgen begleitet. | © Werner Rolli

Für Anita Kohler, Beda Baumgartner und Mario Hübscher war das keinesfalls einfach. Diese spezielle Osternachtsmesse, die schon am frühen Nachmittag begann, kostete sehr viel Aufwand. Im Vorfeld mussten die Texte der Lesung, des Evangeliums und der Predigt in eine leicht verständliche, gehörlosengerechte Sprache umformuliert werden. Danach galt es, die gewohnten und gut eingespielten Abläufe der Osternachtsliturgie so einzurichten, dass jederzeit für ein Neueinrichten der drei Kameras vor Ort unterbrochen werden konnte. Die drei Zelebranten liessen sich mit grossem Engagement und Gelassenheit auf dieses Wagnis ein. Bei allem technischen Aufwand verloren sie nie den Humor und vor allem stand die  Hauptbotschaft dieser Messe immer im Vordergrund: Jesus ist wahrhaft auferstanden – und zwar für alle Menschen, ob mit oder ohne Behinderung.

 

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