«Huldrych meets Klous» - einen ökumenischen Anlass besonderer Art haben die römisch-katholischen, reformierten und evangelischen Christen in Bremarten organisiert. Wechselseitig informieren sich Katholikinnen und Katholiken über Zwingli in Zürich. Die evangelischen und reformierten Christinnen und Christen besuchen Bruder Klaus. Einen gemeinsamen Abschluss gibt es in Kappel am Albis. | © Fotos: Bruder Klaus, Bruno Fäh; Zwingli, Anne Burgmer; Montage: Anne Burgmer

Huldrych meets Klous

Ein ökumenischer Anlass der besonderen Art in Bremgarten

Anne Burgmer, 10.5.17

Keine Schnaps-, sondern eine Kaffee-Idee ist es: Reformierte Christen aus Bremgarten und Umgebung besuchen die Wirkungsstätte von Nikolaus von der Flüe. Die Katholiken lernen unterdessen in Zürich mehr über Hudrych Zwingli.

Im Grunde hätte Nikolaus von der Flüe dem kleinen Huldrych Zwingli über den Kopf streicheln können. Als der spätere Reformator im Januar 1484 geboren wurde, hatte der Einsiedler noch gut drei Jahre bis zu seinem Tod im März 1487. Dieses Jahr treffen sich die beiden Identifikations-Figuren zumindest ideell, denn sowohl die Reformation als auch der Nationalheilige feiern Jubiläum. Landauf, landab gibt es entsprechende Anlässe und manch spannende Idee wurde deswegen geboren.

So zum Beispiel «Huldrych meets Klous»: Katholikinnen und Katholiken  aus dem Pastoralraum Bremgarten-Reusstal treffen in Zürich auf Zwingli. Im Gegenzug besuchen Christinnen und Christen der Reformierten Kirchgemeinde Bremgarten-Mutschellen und der Evangelischen Kirchgemeinde Bremgarten das Ranft und Bruder Klaus (genauere Angaben finden Sie im Link unter dem Text). «Ich treffe mich immer wieder mal mit Martina Hess, der Frau von Ueli Hess, zum Kaffeetrinken. Da hatten wir die Grundidee. Wir haben sie dann zusammen mit Ueli Hess und Thomas Prelicz fertig entwickelt», erklärt Corinne Dobler, Pfarrerin der Reformierten Kirchgemeinde Bremgarten-Mutschellen.

Wider konfessionelle Grabenkämpfe

Ein Ziel – so heisst es auf der Homepage der Pfarrei St. Nikolaus in Bremgarten – sei es, beides zu feiern und kennenzulernen, was noch unbekannt sei. Thomas Prelicz, Pfarrer der Evangelischen Kirchgemeinde Bremgarten, ist überzeugt, dass «es sich lohnt, einen Blick in die Geschichte zu wagen. Wir können daraus viel lernen, wenn wir dazu bereit sind. Ausserdem sind solche Anlässe eine Chance, Vorurteile abzubauen und einander besser zu verstehen».

Alle drei Seelsorgenden, Pfarrerin Corinne Dobler, Diakon Ueli Hess und Pfarrer Thomas Prelicz, sind sich einig: Es sei ein Zeichen gut funktionierender Ökumene, dass die Idee bei den Pfarreimitgliedern mehrheitlich auf positives Echos stösst. «Es wurde innerhalb der christlichen Kirche zu viel Kraft in «Grabenkämpfe» investiert. Auch wenn zum Teil immer noch solche Tendenzen bestehen, ist in den letzten Jahren doch einiges an Versöhnung geschehen», erläutert Thomas Prelicz. Und Corinne Dobler weist darauf hin, dass sie «neu Kontakte mit der Neuapostolischen Gemeinde geknüpft habe und schaue, wo es Anlässe gibt, wo wir vier Gemeinden zusammen auftreten können».

Neuauflage des Milchsuppen-Mahls

Die konfessionellen Reisegruppen, die am Samstag, 27. Mai 2017, zunächst getrennter Wege fahren, treffen sich, eine weitere Pointe an der Idee der Bremgarter Seelsorgenden, zum gemeinsamen Milchsuppe-Essen in Kappel am Albis. Bereits im Jahr 1529 vereinte dort ein gemeinsames Milchsuppen-Mahl die Konfessionen und beendete einen aufkommenden Konflikt, den Ersten Kappelerkrieg.

Es soll das Gemeinsame bestärkt und das Trennende in Frieden angenommen werden. Thomas Prelicz erklärt, was ihm wichtig ist: «Wenn ich das richtig verstehe, haben wir als Christen den Auftrag, das Evangelium in unsere Welt hinauszutragen. Dies geschieht vor allem dort glaubwürdig, wo wir als Versöhnte gemeinsam vorwärtsgehen». Eine liturgische Feier beendet den Ausflug.

Was sagen Sie zu Huldrych und Nikolaus?

Bleibt die neugierige Frage, wie die drei Seelsorgenden denn Huldrych Zwingli und Nikolaus von der Flüe charakterisieren würden. Corinne Dobler, Ueli Hess und Thomas Prelicz nehmen die Herausforderung gerne an. Hier ihre Antworten:

Pfarrerin Corinne Dobler über
Hudlrych Zwingli: klar, humorvoll, bodenständig, diplomatisch, solidarisch
Nikolaus von der Flüe: bescheiden, aufrichtig, dankbar, Frieden stiftend, geborgen in Gott

Diakon Ueli Hess ergänzt zu
Huldrych Zwingli: Wie mein Cousin väterlicherseits Pfarrer Ernst Sieber! Von dem ich viel lernen durfte, und er gewiss auch von mir.
Nikolaus von der Flüe: Ein in der Tat und Wahrheit verrückter Mensch.

Pfarrer Thomas Prelicz sagt zu
Huldrych Zwingli: Konsequenter, hingebungsvoller, bis aufs Äusserst gehender Bilderstürmer, Reformator, im positiven Sinne ein Gotteseiferer.
Nikolaus von der Flüe: Weiser, Ratgebender, die Familie verlassender, hingebungsvoller Asket und Mystiker.

Huldrych meets Klous Informationen

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Corinne Dobler, reformierte Pfarrerin in Bremgarten-Mutschellen, heckte gemeinsam mit Martina Hess, der Frau von Diakon Ueli Hess, die Idee am Kaffeetisch aus. | © Markus Hässig
Corinne Dobler, Reformierte Pfarrerin
Der der Pfarrer der evangelischen Pfarrgemeinde Bremgarten, Thomas Prelicz, ist der dritte im Bunde. | ® Jim Parker
Thomas Prelicz, Evangelischer Pfarrer Bremgarten
Die Reformation und damit auch einer ihrer bekanntesten Vertreter begehen das 500 Jahr Jubiläum. | © Anne Burgmer
Zwingli-Statue in Zürich
Diakon Ueli Hess bestätigt die gute ökumenische Zusammenarbeit zwischen den drei Konfessionen. | © Werner Rolli
Diakon Ueli Hess, Bremgarten
Der schweizer Nationalheilige Niklaus von der Flüe feiert dieses Jahr 600-jähriges Jubiläum.  | © Bruno Fäh
Bruder Klaus
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