Michel Staszewicz (dritter von links) und seine Kollegen am Weltjugendtag in Freiburg. | © Raphaël Zbinden

Hunderte von Jugendlichen feierten in Freiburg

Raphaël Zbinden, kath.ch, 30.4.18
  • Am nationalen Weltjugendtag (WJT) an diesem Wochenende in Freiburg nahmen mehr als 1’000 junge Leute teil.
  • In den Jahren, in denen es keinen grossen, internationalen Weltjugendtag (WJT) gibt, findet in der Schweiz ein nationaler Weltjugendtag statt. 2017 wurde der Event in Zürich durchgeführt. Vom 27. Bis 29. April 2018 war nun Fribourg Ort des Treffens.
  • Auch für den 19-jährigen Michel Staszewics bot der Weltjugendtag Gelegenheit, sich intensiv mit seinem Glauben und seiner Zukunft auseinanderzusetzen.

Michel Staszewicz, 19, aus Lausanne, trifft sich mit einigen Freunden vom Weltjugendtag vor der Kathedrale in Freiburg. An diesem milden, sonnigen Frühlingsmorgen machen sie sich auf den Weg, sich bei den Organisatoren anzumelden. Manche sind noch etwas zurückhaltend, aber man spürt schon, dass sie im Verlauf des Tages aufblühen werden.

Zeugnis des Glaubens

In der Kathedrale kommen Hunderte von Jugendlichen zusammen, um Emily Wilsons’ Zeugnis zu hören. Die Kirche ist bis auf den letzten Platz besetzt, manche Teilnehmer müssen auf dem Boden sitzen oder stehen. Michel und seine Freunde finden Platz in der Nähe des Chores.

Sobald Wilson das Mikrofon nimmt, scheint sich deren Energie und gute Laune auf die Versammlung zu übertragen. Ihre Freude an der Schönheit der Schweizer Landschaft brachte ihr gleich einen Applaus ein. Die Katholikin erklärt dann mit Überzeugung und Enthusiasmus ihren Weg als Gläubige. Das passt perfekt zum Thema dieses Weltjugendtages: «Hab’ keine Angst!»

Auf die innere Stimme hören

Geboren in Kalifornien in einer religiösen Familie, fand sich Emily Wilson in ihrer Jugend in einer sehr säkularisierten und ungläubigen Umgebung wieder, wie sie sagte. An der Universität, wo die meisten Studenten ihre Zeit damit verbrachten, die Freuden des Lebens zu suchen, sei ihr katholischer Glaube verpönt gewesen und sie fand sich bald isoliert wieder.

Sie danke Gott, dass er ihr die Kraft gegeben habe, diesem Druck zu widerstehen und ihren Glauben zu bewahren. Wilson ermutigt junge Menschen, sich von den «Sirenen der modernen Welt» nicht beeindrucken zu lassen und auf ihre wahre innere Stimme zu hören.

Vom Vortrag berührt und ermutigt

Das ist für Michel, der an der Universität Freiburg Jura studiert eine wichtige Botschaft: «Ich hatte während meines Studiums nie viele Probleme mit meinem Glauben. Aber ich weiss, dass es viele meiner Freunde schwer haben.» Der Vortrag der Amerikanerin sei ein Aufruf, zu den eigenen Überzeugungen zu stehen. «Das berührt uns junge Katholiken, denn wir sehen, dass es in der Gesellschaft immer schwieriger wird, den eigenen christlichen Glauben zu zeigen», sagt Michel.

Dieser Aufruf zum Mut wurde kurz danach im Gottesdienst unter der Leitung von Bischof Marian Eleganti erneuert. Der Weihbischof von Chur nutzte das Bild des Rades, um junge Menschen zu ermutigen: Wie die Speichen zur Nabe führten, so würden alle Elemente des Lebens zum Zentrum, zu Christus, zusammenzuführen.

Gegen Ängste, die das Engagement junger Menschen behindern können, erinnerte er daran, dass wir Menschen nur durch die Nachfolge Gottes wahre Freiheit erlangen könnten. Bischof Eleganti, der im März dieses Jahres als Jugendbischof zurückgetreten war, wurde von den Zuhörern für sein Engagement gelobt.

Die Stimme Gottes besser hören

Nach dem geselligen und fröhlichen Essen unter einem Zelt auf der Place de la Grenette ist der Nachmittag verschiedenen Workshops gewidmet. Michel entscheidet sich, an einer Präsentation der «Lectio Divina», der Heiligen Schriftlesung, von Pater Constantin Eze teilzunehmen. Der nigerianische Priester erklärt die Bedeutung und den Nutzen dieser von den Kirchenvätern entwickelten geistlichen Leseübung.

Michel ist sehr interessiert an dieser Methode des Gebets. «Mit modernen Kommunikationsmitteln neigen junge Menschen dazu, sich zu zerstreuen. Mir ist klar geworden, wie die ‹Lectio Divina› Disziplin in den Geist bringen und unseren inneren Frieden stärken kann», betont der gebürtige Lausanner. So gelinge es, die Stimme Gottes besser zu hören.

Gestalter der eigenen Zukunft sein

Der zweite Workshop, an dem Michel teilnimmt, wird von Marie-France Riche, einem Mitglied der katholischen Gemeinde Shalom, gehalten. Hier geht es aktiv zu und her, die Teilnehmer sind zum Singen und Tanzen aufgerufen. Die Französin erklärt, wie junge Menschen Gestalter ihrer Zukunft sein können.

Sie betont, dass Gott den Menschen frei sehen will, er aber dazu aufrufe, Verantwortung zu übernehmen: «Wir müssen rechtzeitig Entscheidungen treffen, den ersten Schritt tun, einen Akt des Glaubens tun.» Dies gelte auch dann, wenn Gott eingreife, damit wir auf dem richtigen Weg bleiben, fügt sie an.

Nach diesen inspirierenden Aktivitäten kehrt Michel mit den anderen jungen Leuten zur Place de la Grenette zurück. Hier finden Konzerte statt. Die Bands «Ave» und «Trinity» begeistern mit ihrer Musik das Publikum.

Wertvolle Hilfe erfahren

Vor seiner Abreise in den Kanton Waadt zeigte sich Michel nach diesem Tag voller Freude und zufrieden. «Für uns junge Katholiken sind diese Gruppenveranstaltungen sehr wichtig. Wir befinden uns in einer Zeit, in der wir Entscheidungen treffen müssen, die für unsere Zukunft entscheidend sind», bilanziert er.

Er frage sich oft, wie er sich in der Kirche engagieren müsse, ob für ihn eine Ehe oder das Priestertum der Weg sei. «Die Zeugnisse und Überlegungen, der Austausch, den wir hier haben, sind für uns wertvolle Hilfestellungen», so Michel Staszewicz.

 

 

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