Als einer der engsten Weggefährten des bekannten holländischen Kirchenlieddichters Huub Oosterhuis wird Kees Kok die Einführung zum diesjährigen Oosterhuis-Liedtag in Sursee vom 27. Oktober 2018 gestalten. | © Ingo Beller

«Huub Oosterhuis – Erneuerer der Glaubenssprache»

Andreas C. Müller, 1.10.18
  • Am 27. Oktober 2018 treffen sich in Sursee Chöre und Musikbegeisterte aus der ganzen Schweiz, um die Lieder von Huub Oosterhuis zu singen und besser kennenzulernen. Der holländische Kirchenlieddichter gilt als Vater des mordernen Kirchenliedes für den deutschsprachigen Raum.
  • Horizonte sprach mit Kees Kok, einem der engsten Weggefährten von Huub Oosterhuis. Kees Kok wird am Vorabend des Oosterhuis-Liedtags in Sursee die Einführung gestalten.

Herr Kok, Wir erklären Sie jemandem, der noch nie etwas von Huub Oosterhuis gehört hat, was es mit dieser Persönlichkeit und dessen Liedern auf sich hat?
Kees Kok:
Huub Oosterhuis, geboren 1933, ist ein niederländischer Dichter und biblischer Theologe, der seit 1958 Lieder schreibt für die Liturgie. In den Niederlanden ist Huub Oosterhuis bis auf den heutigen Tag der wichtigste und beliebteste Erneuerer der Glaubenssprache überhaupt – sowohl für Katholiken wie auch Protestanten. Inzwischen hat er ein Oeuvre von mehr als 700 Liedern und anderen gesungenen liturgischen Texten geschaffen: Gebete, Kanons, Litaneien, Bibeltexte und anderes. Viele dieser Werken sind auch ins Deutsche übersetzt und herausgegeben worden. Bekannt ist vor allem das Liederbuch «Du Atem meiner Lieder» mit 100 Gesängen.

Wie haben Sie Huub Oosterhuis kennengelernt?
Als ich 1964 im Priesterseminar war, hatte der Chor dort Lieder von Oosterhuis auf dem Programm. Die schlichte Einfalt der vierstimmigen Psalmlieder in meiner Landessprache war nach Jahren mit lateinischen Messen und verfeinertem gregorianischem Choral etwas völlig Neues und Beindruckendes. Daraufhin entschloss ich mich, in einem der Chöre der «Ekklesia Amsterdam» mitzumachen – der Wirkungsstätte von Huub Oosterhuis. Dort lernte ich dann nicht nur Huub Oosterhuis kennen, sondern auch meine Frau.

Und wie ergab sich die enge Zusammenarbeit mit Huub Oosterhuis?
Nach meinem Studium habe ich 1980 mit Huub Oosterhuis die «Stichting Leerhuis en Liturgie» gegründet, um nicht nur die schönen Lieder und Texte, sondern auch die dahinter steckende, stark biblisch orientierte Theologie zu verbreiteten. Das geschah dann in besagtem «Lehrhaus» –  ein jüdischer Begriff übrigens – sowie in verschiedenen Zeitschriften. Daneben produzierten wir mehr als vierzig CDs und organisierten hunderte von Liedtagen in den Niederlanden, aber auch in Deutschland, Österreich und in der Schweiz.

Besucht man in der Schweiz Gottesdienste, so hört man die Lieder von Huub Oosterhuis eher selten. Im Kirchengesangbuch finden sich nur ein paar. Ist das in Holland anders?
In den Niederlanden ist Oosterhuis der meist gesungene Lieddichter. Seine Lieder füllen oft mehr als die Hälfte der unterschiedlichen katholischen Liederbücher. Und auch im neuesten protestantischen Liederbuch der Niederlande wurden neunzig Lieder von ihm aufgenommen.

Was macht denn das Besondere von Huub Oosterhuis‘ Liedern aus?
Über die Musik, die viele Genres umfasst, wäre sehr viel zu sagen, aber man muss sie wirklich singen und erfahren, um zu verstehen, warum sie so beliebt ist. Jedenfalls sind die Stücke fast immer geschrieben für einen Chor zusammen mit der Gemeinde. Der Chor singt vor und «verziert», aber alle haben immer eine Rolle dabei.

Rund 200 der insgesamt 700 Lieder von Huub Oosterhuis wurden ins Deutsche übersetzt. Wurden seine Lieder auch noch in andere Sprachen übersetzt? Gibt es Übersetzungen in weitere Sprachen?
In Amerika erschienen zwei Englische CDs mit Partituren. Aber es bleibt, neben dem Übersetzen ins Deutsche, wenig Zeit und Energie übrig für Anderes. Und man braucht Übersetzer, die sowohl poetisch als auch biblisch und theologisch wissen, was sie tun. Die sind sehr selten.

Wo fanden die Lieder von Huub Oosterhuis über Holland hinaus am meisten Verbreitung?
Ganz klar in den deutschsprachigen Ländern.

Sie waren schon einige Male in der Schweiz zu Gast. Wenn Sie vergleichen mit anderen Ländern: Wie erleben Sie in der Schweiz die Auseinandersetzung mit den Liedern von Huub Oosterhuis? Ich habe aufgrund meiner Teilnahme an Liedtagen in der Schweiz den Eindruck, dass die Lieder von Huub Oosterhuis auch in der Schweiz sehr beliebt sind, jedoch, abgesehen von einzelnen Kirchen, noch wenig für den Gottesdienst benützt werden. Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass sie ziemlich anspruchsvoll sind. Sie setzen eine durchdachte Liturgie voraus, welche die Lieder und deren Texte vollwertig miteinbezieht und sie ernst nimmt als integrierten Teil der Liturgie. Erst dann kommen sie auch zur Blüte.

Am Liedtag in Sursee im Oktober referieren Sie zum Thema «Das bleibende Lied von Huub Oosterhuis»: Was erwartet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer?
Ich werde versuchen aufzuzeigen, dass die Lieder von Huub Oosterhuis befreiend und beglückend sein können – und herrlich zu singen, weil sie nicht nur von Gott und von alten Geschichten, sondern auch von uns sprechen, von unserm Leben und unserer Liebe. Und über diese Welt, die nicht die gerechte und wahre ist. Und über die kommende, die wir erhoffen.

 

Oosterhuis-Liedtag in Sursee

Eine Anmeldung für den Oosterhuis-Liedtag in Sursee vom 27. Oktober 2018 ist noch bis zum 16. Oktober 2018 für Einzelpersonen und Gruppen via Mail an sekretariat@pfarrei-sursee.ch möglich. Für Auskünfte zum Programm: T 041 926 80 60. Kosten: CHF 65.– / Person (ab 5 Personen CHF 50.–) für Noten, Mittagessen und Getränke.

 

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Abonnieren Sie unseren Newsletter. Er erscheint alternierend zur Printausgabe alle zwei Wochen – immer mit den aktuellsten Horizonte-Geschichten und oftmals spannenden Verlosungen.