Die mehrstündige Reise von Birmenstorf ins Unterengadin mit Hygienemasken war für die Jubla-Schar Birmenstorf die grösste Herausforderung in Sachen Corona-Massnahmen. | © zvg

Hygiene-Chef sorgt für saubere Lagerstimmung

Marie-Christine Andres Schürch, 9.7.20
  • Jungwacht-Blauring Birmenstorf verbringen zwei Sommerlagerwochen in Scuol-Tarasp im Unterengadin.
  • «Es war noch nie so sauber!», findet der Lagerleiter, denn tägliches Putzen und Desinfizieren sowie regelmässiges Händewaschen prägen das Lagerleben.
  • Trotz der über allem schwebenden Corona-Pandemie sorgt das 19-köpfige Leitungsteam mit seinen Einfällen für heitere Lagerstimmung, wie dieser Sommerlagerbericht zeigt.

 

Hoch über dem Inn thront das Schloss Tarasp. Dahinter versteckt liegt ein Seerosenteich, umgeben von Sommerwiesen. Am Ufer stehen drei Zelte. «Hier schlafen wir Leiterinnen und Leiter», erklärt Lagerleiter Matthias Hansmann, «wegen Corona erschien es uns besser, das Lagerhaus nicht allzu dicht zu füllen.» Einen Steinwurf entfernt steht das Haus, wo die Jubla Birmenstorf vom 4. bis 18. Juli im Sommerlager weilt. Im Haus übernachten die 40 Kinder sowie die Lagerleitung und das Küchenteam.

Anreise mit Hygienemasken

Jungwacht Blauring Schweiz hat für die Sommerlager der Jubla-Scharen ein offizielles Schutzkonzept erarbeitet, auf welches sich auch die Schar Birmenstorf stützt. Das Schutzkonzept empfahl schon vor der Einführung der Maskenpflicht das Tragen der Gesichtsmaske im ÖV. «Bei uns trugen alle Kinder, egal welchen Alters, eine Maske. Denn es geht neben dem Schutz auch um die Signalwirkung: Die Jubla nimmt den Eigen- und Fremdschutz vor Corona ernst», erklärt Lagerleiter Matthias Hansmann. Die Reise mit den Masken sei zwar mühsam gewesen, jedoch sei er überrascht gewesen, wie souverän die Kinder mit dieser Einschränkung umgegangen seien.

Die Teilnehmer geniessen das Zusammensein

Nach der eher beschwerlichen Reise sind die Birmenstorfer aber gut im Lagerleben angekommen: «Es geht fast so zu und her wie jedes Jahr», findet David Hansmann. Der Gruppenleiter räumt ein, dass mit dem Gruppentag zwar ein traditioneller Programmpunkt wegfalle, die Lagerstimmung aber nicht unter den Corona-Massnahmen leide: «Wir geniessen das Zusammensein – umso mehr, als dies in den letzten Monaten ja nicht möglich war. Das Lagerleben fühlt sich recht normal an.»

Corona bestimme zwar den Lageralltag mit, doch versuchen die Leiter mit originellen Ideen, dem Thema möglichst positiv zu begegnen. Eine dieser Ideen ist das Ämtli des Hygiene-Chefs. Jeden Tag wird eine Leiterin oder ein Leiter zum Hygiene-Chef bestimmt. Diese Person trägt eine Leuchtweste und hat einen Desinfektionsspray dabei. Sie ist verantwortlich, dass zweimal pro Tag die Türklinken desinfiziert werden, die WCs geputzt sind und die Kinder regelmässig die Hände waschen.

Ein Stempel motiviert zum Händewaschen

Um die Kinder ans Händewaschen zu erinnern, drückt der Hygiene-Chef jedem Kind zu Tagesbeginn einen Stempel auf die Hand. Am Abend muss der Abdruck – dank fleissigem Händewaschen – verschwunden sein. «Das ist eine Idee, die uns so überzeugt, dass wir uns vorstellen können, sie künftig beizubehalten», sagt Gruppenleiter David Hansmann. «Die Kinder sind motiviert und wetteifern darum, wer den Stempelabdruck schneller loswird.» Und mit einem Schmunzeln fügen David Hansmann und Matthias Hansmann an: «Überhaupt war es noch nie so sauber in einem Lager wie dieses Jahr. Das ist ebenfalls eine positive Auswirkung der Schutzmassnahmen.»

Es ist beiden Leitern wichtig, festzuhalten: «Wir wollen Corona nicht ins Lächerliche ziehen, aber auf eine positive, spielerische Weise ins Lagerleben und ins Programm einbauen. Die Kinder machen einfach super mit!»

Nur der Fourier hat Kontakt zur Aussenwelt

Damit die Lagergemeinschaft eine möglichst geschlossene Gruppe bleibt, hat die Schar einen Leiter bestimmt, der die Aufgabe des Fouriers übernommen hat. «Unser Konzept mit dem Fourier sorgt dafür, dass nur ein einziger Lagerteilnehmer Kontakt zur Aussenwelt hat», betont der Lagerleiter. Der Fourier kauft ein und erledigt alle Dinge ausserhalb der «geschützten Lagerwelt».

Weil sowohl im Umfeld eines Leiters sowie demjenigen eines Mitglieds des Küchenteams ein Covid-19-Fall vorkam, stiessen diese beiden erst zum Lager, als klar war, dass sie sich nicht angesteckt haben konnten. Ausserdem mussten jede Leiterin und jeder Leiter vor Lagerbeginn mit Unterschrift bestätigen, dass sie oder er nicht mit dem Virus infiziert sind.

Fieber kommt ab und zu vor

Das Vorgehen im Fall, dass ein Lagerteilnehmer an Covid-19 erkranken sollte, ist durch das offizielle Schutzkonzept klar geregelt: «Wir sind dankbar für dieses Krisenkonzept», sagt der Lagerleiter. Zuerst würde das Krisentelefon der Kantonsleitung Aargau angerufen. Danach würde der Kantonsarzt kontaktiert, der entscheidet, wie es mit dem Lager weitergeht.

Der Gruppenleiter David Hansmann weiss aber aus Erfahrung: «In einem Lager kommt es halt ab und zu vor, dass jemand Fieber hat. Vielleicht hat man die Jacke zu spät angezogen, ist mit nassen Haaren draussen gewesen oder hat sich im Bergbach erkältet. In solchen Fällen soll man reagieren, aber nicht gleich überreagieren.»

400 Schutzmasken und zehn Liter Desinfektionsmittel

Die Jubla Birmenstorf ist in ihrem Sommerlager mit 400 Schutzmasken, zehn Litern Desinfektionsmittel sowie fünf Litern Flächendesinfektion für die Küche ausgerüstet. Beim Essen sitzen die Leiterinnen und Leiter von den Kindern getrennt im Nebenraum, weil das Schutzkonzept die Ansteckungsgefahr beim Essen als besonders hoch einstuft.

Ungesunde Angst vor einer Ansteckung haben weder Kinder, noch Leiter, noch die Eltern. «Die Eltern stellten an den Info-Anlässen vor dem Sola kaum Fragen zum Thema Corona. Sie bringen uns Leitern viel Vertrauen entgegen», sagt Lagerleiter Matthias Hansmann. «Und auch wir Leiterinnen und Leiter stehen voll hinter unserem Sommerlager und schauen, dass wir uns und andere so gut wie möglich schützen.»

 

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Die Leiterinnen und Leiter übernachten im Zelt neben dem Lagerhaus. | © Marie-Christine Andres
Leiterzelte
Jeden Tag wird ein anderer Leiter als Hygienechef bestimmt. Er kontrolliert das Händewaschen, desinfiziert die Türklinken und putzt die Nasszellen. | © zvg
Händedesinfektion
«Wir versuchen, Corona spielerisch ins Lagerleben zu integrieren», sagt die Lagerleitung der Jubla Birmenstorf. | © zvg
Leuchtweste als Erkennungszeichen
40 Kinder und 19 Leiterinnen und Leiter der Jubla Birmenstorf verbringen zwei Wochen im Sommerlager im Unterengadin. | © zvg
Jubla Birmenstorf
Das Lagerhaus liegt mitten in der Bergidylle des Unterengadins. | © Marie-Christine Andres
Lagerhaus in Scuol-Tarasp
Die mehrstündige Reise von Birmenstorf ins Unterengadin mit Hygienemasken war für die Jubla-Schar Birmenstorf die grösste Herausforderung in Sachen Corona-Massnahmen. | © zvg
Die Jubla Birmenstorf unterwegs

«Fläckelager»: Jubla Bad Zurzach bleibt mit Sola zuhause

Gute Stimmung im «Fläckelager» Bad Zurzach: An den langen Tischen fühlen sich die Kinder fast wie in einem Esszelt. | © Dina Holenstein

Die Jubla Bad Zurzach entschied sich, in Anbetracht der besonderen Situation, ihr SoLa vor Ort durchzuführen – mit Übernachtung zuhause. Wie das ankommt? Horizonte hat mit Leiterin Dina Holenstein gesprochen.

Frau Holenstein, nun findet also das SoLa zuhause statt. Wie darf man sich das vorstellen?
Dina Holenstein: Wir treffen uns jeden Tag in Bad Zurzach auf einer Wiese, die «Senftasche» heisst. Von dort aus unternehmen wir jeden Tag während einer ganzen Woche hindurch verschiedene Aktivitäten. Die Kinder können jeweils am Vortag zwischen zwei Aktivitäten wählen – zum Beispiel eine Wanderung oder ein Velotour, im Wald Bäche stauen oder Bändel knüpfen und Singen.

Wie kommt das an?
Wir sind sehr positiv überrascht. Die Stimmung ist sehr gut. Weil die Kinder über Nacht nach Hause dürfen, können wir diesen Sommer schon Zweitklässler dabei haben. Auch die Möglichkeit, ein Programm wählen zu dürfen, kommt gut an.

Wie viele Kinder habt ihr im Lager?
42 Kinder. Betreut werden diese von 20 Leitungspersonen.

Wie macht ihr das mit den Schutzmassnahmen?
Wir halten uns an das Schutzkonzept von Jubla Schweiz: Die Kinder dürfen untereinander Kontakt halten. Wir Leiter halten Abstand. Nach jeden Programmblock erinnern wir zudem ans Händewaschen.

Das Erlebnis unterscheidet sich wohl deutlich von einem üblichen SoLa? Woran merkt ihr das?
Die Kinder sind am Morgen deutlich ausgeschlafener, weil sie zuhause schlafen (lacht). Allerdings fehlt halt auch das Gefühl, dass man so ganz in die Lagerwelt abtauchen kann. Jetzt bewegen sich die Kinder zwischen Lager und Zuhause.

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