Den Frauen reicht es. Im Rahmen des Frauenstreiks im Juni formiert sich auch der Frauenkirchenstreik. Koordiniert werden die verschiedenen Aktionen über die Homepage des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes (SKF). | © Marie-Christine Andres/Montage

In pinken Gummistiefeln zum Streik

Anne Burgmer, 25.4.19
  • Von konservativ bis liberal: Knapp 30 Jahre nach dem Streik von 1991 gehen Frauen am 14. Juni 2019 wieder auf die Strasse.
  • Mit dabei auch Kirchenfrauen: In pinken Gummistiefeln, mit Mitra und Streikpunkt.

 

Am ersten Frauenstreik 1991 sollen geschätzt eine halbe Million Frauen beteiligt gewesen sein. Mit Erfolg: Ein Gleichstellungsgesetz stellte Mitte der 1990er Jahre verbindliche Regeln für die Umsetzung des Gleichstellungsartikels auf und enthielt auch ein Verbot der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz.

Höhenfeuer für Frauenbewegung

Knapp 30 Jahre nach diesem ersten nationalen Frauenstreik formiert sich erneut ein breites Bündnis, um am 14. Juni 2019 mit vielen Aktionen darauf aufmerksam zu machen, dass Gleichstellung nach wie vor nicht erreicht ist. Und längst rufen nicht nur Gruppierungen zum Streik auf, von denen man es erwartet. So schreibt der Schweizer Bäuerinnen- und Landfrauenverband auf seiner Homepage: «Damit die Frauenbewegung nicht nur in den Städten sichtbar wird, rufen wir alle Bäuerinnen, Landfrauen und Dorfbewohnerinnen dazu auf, sich mit einer Aktion der schweizweiten Organisation des Frauenstreiks anzuschliessen.» Am 7. Juni, so die Idee, sollen überall Höhenfeuer entfacht werden.

In Gummistiefeln zum Streik

Im Rahmen des Frauenstreikes formiert sich auch ein Frauenkirchenstreik. Die Forderung nach Gleichberechtigung in der Kirche – auch mit Blick auf die Weiheämter – steht schon lange im Raum. Doch die Skandale um Missbrauch von Kindern, Jugendlichen und Ordensfrauen in der katholischen Kirche haben das Fass für viele Katholikinnen endgültig zum Überlaufen gebracht. In einem Interview mit Radio Live Channel bringt Vroni Peterhans die Problematik auf den Punkt. Es gehe ihnen einmal um die grundsätzlichen Themen des Streikaufrufs, denn «wir vertreten rund 130‘000 Frauen und die Themen sind uns deshalb wichtig», so die Vizepräsidentin des SKF.

Zusätzlich habe sich aber in der katholischen Kirche ein Reformstau entwickelt, der andere Methoden notwendig mache. Frauen und auch aufgrund ihrer Lebensform ausgeschlossene Männer müssten endlich auf allen Ebenen mitentscheiden und –gestalten können. Die von Männermacht dominierte Kirche müsse ihre Strukturen verändern, damit sie zukunftsfähig bleibe. Um in diesem Sumpf nicht stecken zu bleiben, ergeht auf den Seiten des Frauenbundes der Aufruf, man möge in Gummistiefeln zum Streik kommen.

Wir sind gerne katholisch, aber…

«Wir sind gerne katholisch. Das gibt uns Heimat und wir wollen gerne in der Kirche mitmachen. Doch die Strukturen sind für uns nicht einladend und veranlassen Frauen eher dazu, auszutreten», zeigt sich Vroni Peterhans überzeugt. Neben dem SKF rufen auch die Evangelische Frauen Schweiz, die IG feministische Theologinnen und die feministisch-theologische Zeitschrift FAMA zum Streik auf. Der Frauenkirchenstreik soll über den politischen Frauenstreik hinaus auch auf das Wochenende vom 15. und 16. Juni ausgedehnt werden. Verschiedene Aktionsvorschläge sind auf der Homepage des Frauenbundes aufgeführt.

www.frauenbund.ch

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Abonnieren Sie unseren Newsletter. Er erscheint alternierend zur Printausgabe alle zwei Wochen – immer mit den aktuellsten Horizonte-Geschichten und oftmals spannenden Verlosungen.
Mit pinker Mitra werden andere Frauen an Streikaktionen teilnehmen. Es reicht ihnen, dass die Ämterfrage immer noch nicht geklärt ist. | © zvg/Frauenbund
Vorlage aus weissem Papier
Die Kirche wird teilweise als Morast verstanden, in dem man ohne Gummistiefel nicht vorwärtskommt, sondern stecken bleibt. | © Marie-Christine Andres
Mit Gummistiefeln zum Streik
 
Anne Burgmer

Handelt aus Mut!

Frauenkirchenstreik in der Schweiz, Frauenstreik Maria 2.0 in der deutschen Diözese Münster, die internationale Aktion #overcomingsilence oder das Gebet am Donnerstag als eher kontemplativer Protest: Den Frauen und vielen Männern reicht‘s.

Die Bewegungen, die sich formieren, bieten für jeden Charakter etwas Passendes: der Streik für die Kämpferischen, das Gebet für die Bedächtigen. Das Hauptziel all dieser Gruppierungen: Veränderung. Die katholische Kirche, wie sie jetzt existiert, ist hierzulande nicht zukunftsfähig. Punkt. Amen. Sie hat sich unglaubwürdig gemacht, als sie beim Missbrauch von Kindern, Jugendlichen und Ordensfrauen durch Kirchenmänner geschwiegen und weggeschaut hat. Wenn ich darüber nachdenke, fühle ich mich abwechselnd wütend oder erschöpft und frage mich: Wie will (m)eine Kirche, die so handelt, die gute Botschaft noch glaubwürdig weitergeben?

Ich bin froh, dass immer mehr Bischöfe dieses Dilemma erkennen und sich gegen Machtmissbrauch und für Transparenz starkmachen. In ihrer Haut möchte ich allerdings nicht stecken, denn aus irgendeiner Ecke bekommen sie bestimmt Gegenwind. Mein Wunsch für die Bischöfe ist: Handelt nicht aus Angst um euch, euer Amt oder das Image der Kirche, handelt aus Mut und Liebe zum gelingenden Leben!

Weitere Artikel der Kategorie «Frauen/Mütter»