Zwei Frauen und drei Männer feierten am 26. Mai 2019 mit der Institutio die Aufnahme in den ständigen Dienst im Bistum Basel. Die Briefumschläge mit ihren Urkunden in der Hand haltend, stehen (von links) Peter Zürn, Dominik Bucher und Edith Pfister links von Bischof Felix Gmür, rechts von ihm Michael Wawrzynkiewicz und Helena Boutellier. | © Werner Rolli

Institutiofeier in Romanshorn – Der Himmel auf Erden

Anne Burgmer, 27.5.19
  • Mit einer festlichen Institutio in Romanshorn nahm Bischof Felix Gmür fünf Frauen und Männer in den Dienst des Bistums Basel auf.
  • Die Institutio ist eine beidseitig verbindliche Zusage zum Dienst im Bistum durch den Bischof einerseits und die Kandidatinnen und Kandidaten andererseits.
  • Aus dem Aargau waren Helena Boutellier und Peter Zürn als Kandidaten dabei und feierten gemeinsam mit vielen Anwesenden das Ende ihrer Berufseinführung.

 

An einer Stelle gab es herzliches Gelächter: Während des Institutio-Rituals werden auch die Ehepartner der Kandidatinnen und Kandidaten gefragt, ob sie den Weg des Partners in den dauerhaften Dienst im Bistum unterstützen. Die Gefragten antworteten und der Bischof bemerkte: «Hier steht zwar eine andere Formulierung aufgeschrieben, aber es ist gut, wenn alle einverstanden sind.»

Gehorsam der Kandidaten – Verpflichtung des Bischofs

In den dauerhaften Dienst im Bistum aufgenommen wurden Helena Boutellier, Pastoralraum Region Laufenburg, Peter Zürn, zukünftiger Pastoralraum Aargauer Limmattal, zudem Dominik Bucher, tätig in der gastgebenden Pfarrei St. Johannes der Täufer in Romanshorn, Edith Pfister, tätig im luzernischen Pastoralraum Kriens, und Michael Wawrzynkiewicz aus dem Pastoralraum Bern. Das Ausbildungsteam, bestehend aus dem Regens des Priesterseminars St. Beat in Luzern, Agnell Rickmann, der Ausbildungsleiterin Elke Freitag und der Mentorin Jeannette Emmenegger, stellte dem Bischof alle Kandidatinnen vor. Anschliessend bat der Regens auch die Anwesenden, ihr Einverständnis zum dauerhaften Dienst der Kandidaten per Applaus kundzutun: In einer einzigen geschmeidigen Bewegung erhob sich die Gemeinde und applaudierte lang und anhaltend: Zustimmung für die neuen Mitarbeitenden. Besonders betont wurde bei der Vorstellung die lange und vielfältige Berufserfahrung der Kandidatinnen und Kandidaten.

Mehr Zeit für die seelsorgliche Arbeit in der Pfarrei

Peter Zürn arbeitet bereits seit über 20 Jahren in verschiedenen kirchlichen Bereichen. Er ist erfahrener Bibliodramaleiter und war zehn Jahre an der bibelpastoralen Arbeitsstelle des Schweizerischen Katholischen Bibelwerkes tätig. Der Entscheid, die Berufseinführung zu machen, gründete in seinem Entscheid, in den Pfarreidienst zu wechseln. Seit 2016 ist Peter Zürn im zukünftigen Pastoralraum Aargauer Limmattal Teil des Seelsorgeteams Neuenhof, Killwangen und Spreitenbach.

«An der Seelsorge in der Pfarrei fasziniert mich, wie sehr Bibel und spirituelle Themen sich mit dem alltäglichen Zusammenleben an einem Ort verbinden», erklärte Peter Zürn gegenüber Horizonte im Vorfeld der Feier. Nach dem Abschluss der Berufseinführung mit der Institutio, die Peter Zürn als verbindliche Zusagen in zwei Richtungen schätzt, kann er seine Zeit nun der «seelsorgerlichen Arbeit in der Pfarrei widmen, die für mich eine weitere Form ist, mit Menschen in der Kirche Bibel und Spiritualität zu teilen».

Freude über eine rituell eingebundene Wegetappe

Helena Boutellier war lange Zeit als Katechetin tätig, anfänglich vielleicht als Kompromisslösung. «Die  Ausbildung zur Soziokulturellen Animatorin, mit der ich in die Jugendarbeit hätte gehen können, gab es noch nicht», sagt die Theologin. So legte Helena Boutellier mit der Ausbildung am Katechetischen Institut in Luzern die gute Basis, war an verschiedenen Stellen im Einsatz. Fort- und Weiterbildungen führten sie zur Begleitung und Beratung von katechetisch Tätigen und auch in die Felder der Arbeit mit Erwachsenen. «Während dieser Zeit habe ich immer mehr gespürt: Ich brauche noch vertiefter die Theologie, das wäre noch etwas für mich. Da sind Kompetenzen, die ich ausbauen möchte», erinnert sich Helena Boutellier.

Als die Familiensituation es schliesslich zuliess, konnte Helena Boutellier auf dem dritten Bildungsweg und in verkürzter Zeit erst das Theologiestudium absolvieren und dann die Berufseinführung anschliessen. «Den Austausch zwischen den unterschiedlichen Altersgruppen in der Berufseinführung habe ich als sehr wertvoll erlebt», sagt die Pastoralassistentin, die in Kaisten tätig ist. Mit Blick auf die Institutio-Feier freute Helena Boutellier sich, dass diese Wegetappe rituell eingebunden und liturgisch gefeiert werden konnte.

Der Himmel auf Erden als Hoffnung und Ziel

Die Institutio in Romanshorn war auf jeder Ebene gelungen: Sie war festlich, aber ohne überflüssige Schnörkel. Sie war schmissig, denn das Vokalensemble Anthony Singers aus Bern sang mitreissenden Gospel, und sie war inhaltlich niveauvoll. In seiner Predigt ging Bischof Felix Gmür auf die Texte ein, die die Kandidatinnen und Kandidaten ausgewählt hatten. Einerseits die Vision des himmlischen neuen Jerusalem aus der Offenbarung des Johannes (Offb 21, 10-14.22-23), andererseits die Abschiedsrede Jesu aus dem Johannesevangelium (Joh 14, 23-29). Den roten Faden hatte Peter Zürn in der kurzen Einleitung mit der Frage «Ok, wie ist es im Himmel?» ausgelegt.

Felix Gmür fokussierte in seiner Predigt zwei Punkte. Einerseits die Vision des Himmels und wie sie zu verstehen sei. Und andererseits den Heiligen Geist als Beistand. «Immer wenn Menschen versuchten, den Himmel auf Erden zu errichten, folgte  – das lehrt die Geschichte – nicht der Himmel, sondern oft Schlimmes», so der Bischof. Der Himmel auf Erden sei nicht etwas, von dem wir sagen könnten, jetzt ist er da. Es gehe darum, den je guten Weg zu finden, und das gelinge nur mit Blick auf Jesus Christus. «Damit wir nicht allein auf diesem Weg zum Ziel sind, gibt es den Heiligen Geist als Beistand». Sein Wirken sei daran zu erkennen, ob echter Frieden herrsche. «Unzufriedene können keinen Frieden schenken. Jeder von uns hat oft genug Grund, unzufrieden zu sein, weil er etwas nicht hat. Doch ich kann mich Gott öffnen und zufrieden sein mit dem, was ich habe. Mein Auftrag, den ich habe, den ihr habt, ist – das wisst ihr als Seelsorgerinnen und Seelsorger ebenfalls  – nicht immer leicht, doch er macht immer Freude», so  Felix Gmür.

Zuwendung von Bischof und Gemeinde rührte an

Diese Freude war zu spüren, als der Bischof anschliessend die Frauen und Männer in den dauerhaften Dienst des Bistums Basel berief und ihnen mit herzlichen Worten für ihre Bereitschaft und ihr Durchhalten dankte. Zwischen Auszug und Apéro auf ihre Eindrücke angesprochen, sagten Helena Boutellier und Peter Zürn beide, dass sie von der Feier berührter seien als gedacht. Sowohl die Art und Weise des Bischofs als auch die Zuwendung der Gemeinde durch den langen Applaus hätten sie angerührt.

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Einverständnis der Gemeinde: Lang anhaltender Applaus gab den Kandidatinnen und Kandidaten die Bestärkung, dass sie im Dienst nicht alleine sein werden. | © Werner Rolli
Einverständniserklärung per Applaus
Die Kandidatinnen und Kandidaten treten einzeln zum Bischof und legen ihre Hände in seine. | © Werner Rolli
Bereit für den Dienst im Bistum
Helena Boutellier und Bischof Felix Gmür beim Ritus. Links neben dem Bischof steht die Ausbildungsleiterin der Berufseinführung, Elke Freitag. Rechts von Felix Gmür der Regens Agnell Rickmann. | © Werner Rolli
Helena Boutellier beim Ritus
Peter Zürn und Bischof Felix Gmür. Einzeln versprechen die Kandidaten dem Bischof und seinen Nachfolgern Gehorsam, während dieser verspricht, dass er ihnen Aufgaben anvertraut, die den Bedürfnissen des Bistums und ihren Fähigkeiten entsprechen. | © Werner Rolli
Peter Zürn beim Ritus
Der Gospelchor Anthony Singers war aus dem weiten Westen (Bern) in den östlichen Teil des Bistums Basel - den Thurgau - gekommen, um die Institutio-Feier musikalisch zu gestalten. | © Werner Rolli
Mitreissende Anthony Singers aus Bern
Nach der rundum gelungenen Institutio-Feier sagten die Gesichter von Peter Zürn und Helena Boutellier mehr, als Worte ausdrücken können. | © Werner Rolli
Glücklich frisch im Dienst für das Bistum
Nach der Feier heisst: Weiterfeiern. Beim Apéro im Pfarrsaal bot sich die Möglichkeit zur Gratulation und zum Austausch. | © Werner Rolli
Apéro im Anschluss an die Feier

Die kirchliche Berufseinführung

Auf der Homepage des Bistums Basel wird die Berufseinführung wie folgt beschrieben: «Die Berufseinführung ist ein Nachdiplomstudium (NDS BE), das vom Bistum Basel zusammen mit der theologischen Fakultät der Universität Luzern jährlich durchgeführt wird. Sie begleitet den Übertritt vom Studium der Theologie in den konkreten Dienst der Pastoral in einer Pfarrei als Priester, Diakon, Pastoralassistentin oder Pastoralassistent. Die Berufseinführung ist eine Voraussetzung für den kirchlichen Dienst. Sie wird berufsbegleitend durchgeführt (Anstellung von 50-80 Prozent) und dauert zwei Jahre. Sie umfasst den begleiteten Einstieg in den pastoralen Dienst, die Vertiefungsarbeit in den Kurswochen sowie eine Supervision in der Gruppe und eine schriftliche Projektarbeit. Die Berufseinführung führt zur Priesterweihe, sowie zur Institutio für Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten».

Eine Kritik, der sich die Berufseinführung regelmässig ausgesetzt sieht, ist, dass sie zu wenig flexibel auf die Lebensrealitäten am pastoralen Dienst Interessierter eingehe. Darauf angesprochen sagte Elke Freitag, Ausbildungsleiterin im Seminar St. Beat in Luzern und Kursleiterin für die Berufseinführung: «Natürlich taucht immer wieder einmal die Forderung nach einer stärkeren Modularisierung der Berufseinführung auf. Wie diese in Zukunft genau aussieht, ist aber offen. Schritte in diese Richtung sind natürlich immer auch mit der gebotenen Sorgfalt, die es in der Ausbildung für den kirchlichen Beruf braucht, zu überlegen. Gewisse Vorteile, die sich aus der Zusammenarbeit mit der Universität Luzern ergeben (wie etwa ein akademisch zertifizierter Abschluss) sowie das Zusammenwachsen mit Kolleginnen und Kollegen im Kurs über die zwei Jahre der Berufseinführung hinweg, sind Punkte, die nicht leichtfertig «über Bord geworfen» werden sollten.»

Die Kursgruppen des Nachdiplomstudienganges seien insgesamt sehr heterogen, ergänzte Elke Freitag und verdeutlichte: «Die Bandbreite reicht vom Elektroingenieur über die langjährige Katechetin bis zum Verlagsleiter und zur Person mit kaufmännischer Ausbildung. Auch promovierte Theologinnen und Theologen sind unter den Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern der Berufseinführung. Dadurch sind natürlich die Bedürfnisse und Erwartungen der einzelnen Personen recht unterschiedlich. Darauf ist nach Möglichkeit einzugehen. Der grosse Mehrwert an der Heterogenität der Kursgruppen ist, dass diese verschiedenen Stärken und Kompetenzen der Teilnehmenden immer auch in den jeweiligen Kurs mit einfliessen können.»

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