Am Dreikönigswochende sind wieder die Sternsinger unterwegs. In den Gottesdiensten wird an jenem Wochenende immer öfter auch das Opfer zugunsten der Sternsingeraktion aufgenommen. Daran hat die Inländische Mission keine Freude, der traditionell die Epiphanie-Kollekte für bedürftige Pfarreien zusteht. | © Roger Wehrli

Dreikönig: Kein Kollektenkampf im Aargau

Andreas C. Müller, 3.1.18
  • Für Dreikönig empfehlen die Bischöfe die Aufnahme des Opfers zugunsten von Kirchenrenovationen. Doch längst nicht alle Pfarreien halten sich daran. Die Kollekte geht teils an das Sternsingerprojekt.
  • «Die Sternsingeraktion gewinnt an Boden», stellt Urban Fink von der Inländischen Mission fest, an welche das Opfer zugunsten renovationsbedürftiger Kirchen geht. «Das ist im Einzelfall für die Inländische Mission nachteilig».
  • Im Aargau halten sich die Pfarreien an die bischöfliche Empfehlung – oder berücksichtigen die Inländische Mission zumindest an einem anderen Wochenende.

1,5 Millionen Franken sammelten rund 11 000 Kinder als Sternsinger im vergangenen Jahr schweizweit für das Sternsingerprojekt in Kenia und für Kinder in aller Welt. Ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann und mit dem die Inländische Mission, die zeitgleich mit den Sternsingern um pekuniäre Aufmerksamkeit buhlt, nicht mithalten kann. «Um die 600 000 Franken erhalten wir jeweils im Rahmen der Epiphaniekollekte für Kirchenrenovationen», erklärt Urban Fink. Das sei im Vergleich zu anderen Kollekten ein beachtliches Ergebnis.

Gemeinsamer Brief soll beide Kollekten sichern

Gleichwohl: «Die Sternsingeraktion gewinnt in der Schweiz an Boden», weiss Urban Fink. «Das ist im Einzelfall für die Inländische Mission nachteilig, weil Kollekten in Gottesdiensten mit Sternsingern entgegen der bischöflichen Empfehlung an Missio gehen.» Um dem Problem entgegenzuwirken, warben Missio und die Inländische Mission dieses Jahr in einem gemeinsamen Schreiben an die Pfarreien dafür, dass beide Institutionen berücksichtigt werden sollten.

Recherchen von Horizonte ergaben, dass im Aargau die Solidarität spielt. Die meisten Pfarreien folgen der bischöflichen Empfehlung. Das belegen auch die Zahlen des Hilfswerks Missio. Obschon die Aktion Sternsingen von sehr vielen Aargauer Pfarreien Zahlungen aus Sammelaktionen erhält, sind es nur wenige Gottesdienstkollekten. Laut Siegfried Ostermann von Missio gab es im vergangenen Jahr 74 Einzahlungen von Pfarreien für die Aktion Sternsingen (Anmerkung der Redaktion: im Kanton Aargau gibt es 117 Pfarreien), 2016 sogar 76. Hingegen hätten 2017 schweizweit nur gerade 29 Pfarreien Gottesdienstkollekte für das Sternsingerprojekt aufgenommen – im Kanton Aargau sogar nur gerade 7 Pfarreien.

Missio hilft Kindern, die Inländische Mission beim Renovieren

Auch 2018 werden die Sternsingerinnen und Sternsinger ihre Stimme wieder für Gleichaltrige in den Ländern des Südens erheben. Im Rahmen der Aktion Sternsingen 2018 zeigen sie sich solidarisch mit Kindern, deren Alltag nicht von Schule und Spiel geprägt ist, sondern von ausbeuterischer Arbeit. Laut Missio muss jedes zehnte Kind zwischen 5 und 14 Jahren arbeiten. In Ländern wie Indien ist der Anteil an arbeitenden Kindern und Jugendlichen noch viel höher. Viele Familien kommen dort nur über die Runden, wenn ihre Kinder mitverdienen.

Die Aktion Sternsingen unterstützt 2018 die Vikas-Stiftung, die sich erfolgreich gegen Kinderarbeitet engagiert. Beispielsweise ermöglicht sie in kleinen Dorfschulen, dass die Kinder lesen, schreiben und rechnen lernen. So können sie später an staatliche Schulen wechseln. Damit das Projekt der Schulbildung nachhaltig ist, hilft die Stiftung den Frauen und Müttern, sich in Selbsthilfegruppen zu organisieren, umso beispielsweise gemeinsam Geld zu sparen und Kredite zu beund entscheiden zusammen, welche der Frauen einen Kredit bekommt, um zum Beispiel eine Ziege oder eine Kuh zu kaufen.

Derweil sammelt die Inländische Mission im Rahmen der diesjährigen Epiphanie-Kollekte für Pfarreien, denen das Geld fehlt, um an ihren Kirchen unbedingt notwendige Renovationsarbeiten anzugehen. Die Inländische Mission ruft anlässlich des Dreikönigstages Jahr für Jahr zur Solidarität auf und bittet um Spenden für diese bedürftigen Pfarreien. Dieses Jahr sind es Ardon im Wallis, Aqulia im Tessin sowie Oberdorf im Kanton Solothurn.

Aargauer Pfarreien berücksichtigen beide Initiativen

Eine Konkurrenzsituation in Bezug auf die Kollekten, wie es das erwähnte Rundschreiben nahe legt, existiert zumindest im Aargau nicht. Im Gegenteil. Pfarreien wie Eiken, Stein, Herznach, Kaisten, Sulz oder Zofingen feiern zwar am Dreikönigswochenende ihre Sternsingergottesdienste und nehmen dann auch die Kollekte für Missio auf. Doch für die Inländische Mission wird eine Woche zuvor oder danach das Opfer aufgenommen. «Das macht ja auch Sinn. Für Kirchenrenovationen im Sternsingergottesdienst zu sammeln, erscheint doch ein wenig konträr», meint Pastoralassistent Berthold Kessler.

Für Pfarreien wie Aarau, Baden, Bremgarten oder Muri, die keine Sternsinger mehr aussenden, stellt sich das Problem gar nicht. Sie sammeln ausschliesslich für die Inländische Mission. Und dann gibt es noch jene Orte, die es wie Laufenburg handhaben. Dort sind die Sternsinger erst eine Woche nach Dreikönig unterwegs, weshalb an Dreikönig für die Inländische Mission die Kollekte aufgenommen werden kann.

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Dieses Jahr sammelt die Aktion Sternsingen gegen Kinderarbeit. Laut dem Hilswerk Missio muss jedes zehnte Kind zwischen 5 und 14 Jahren arbeiten. In Ländern wie Indien ist der Anteil an arbeitenden Kindern und Jugendlichen noch viel höher. | © kna-bild
Missio: Gegen Kinderarbeit
Die diesjährige Epiphanie-Kollekte unterstützt unter anderem das Kirchenrenovationsprojekt in Ardon im Wallis. | © Urban Fink
Fenster in der Kirche von Ardon
Neben Ardon und Acquila  kann dieses Jahr auch die Wallfahrtskirche im solothurnischen Oberdorf mit Beiträgen aus der Epiphanie-Kollekte rechnen. | © José R. Martinez
Oberdorf: Maria auf dem Dachreiter
Profitierte 2016 von der Epiphanie-Kollekte der Inländischen Mission: Das Verenamünster in Bad Zurzach. | © Foto: Werner Rolli
Verenamünster Bad Zurzach
 
Andreas C. Müller

von Andreas C. Müller
redaktion@horizonte-aargau.ch

Etwa 1,5 Millionen Franken sammeln die Sternsinger schweizweit jährlich für die Projekte des katholischen Hilfswerks Missio. In kleinen Gemeinden hat ein Grüppchen nach 15 bis 20 «Gloggezügli» in etwa den Umfang einer versammelten Gottesdienstgemeinde erreicht. Kommt hinzu, dass der sympathische Haustürkontakt der Kinder mit Gesang und Haussegen für einen guten Zweck rasch einmal zum Spenden motiviert – besonders, wenn es um Entwicklungsprojekte für Kinder geht.

Die Inländische Mission hat demgegenüber einen schwereren Stand: Sie muss via Kollektenkörbchen mobilisieren und leidet offenbar darunter, dass mehr und mehr Pfarreien am Dreikönigswochenende auch im Gottesdienst dem Sternsingerprojekt den Vorzug geben und die Inländische Mission aus dem Kollektenkalender kippen. Unterhaltsbedürftige Kirchen wecken auf den ersten Moment halt weniger Emotionen als benachteiligte Kinder. Insofern kann man es den Pfarreien nicht verdenken, die am Dreikönigswochenende auch gleich noch die Gottesdienstkollekte für das Sternsingerprojekt aufnehmen.

Indem nun die Inländische Mission beklagt, dass ihr Pfarreien zugunsten der Sternsinger die Kollekte unterschlagen, erweist sie ihrem Anliegen wohl einen Bärendienst. Kommt hinzu, dass es sich noch nicht um ein Massenphänomen handelt, wie man im Aargau sehen kann. Allerdings: Sowohl das Beklagen entgangener Kollekten als auch die bischöfliche Weisung betreffend Aufnahme der Kollekte an Dreikönig zugunsten der Inländischen Mission dürften wenig an der Tatsache ändern, dass die Gottesdienstkollekten in Abhängigkeit zur schrumpfenden Anzahl Gottesdienstteilnehmer zurückgehen werden. Gewiss: 600 000 Franken sind ein gutes Ergebnis. Um aber längerfristig Pfarreien mit renovationsbedürftigen Kirchen wirkungsvoll unter die Arme greifen zu können, muss die Inländische Mission bei der Bewerbung ihres Anliegens neue Wege gehen.

 

 

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