10.03.2021

Mit dem Projekt «Lavendel» will die Kirche am Mutschellen neue Wege beschreiten
Kirche als blühender Garten

Von Christian Breitschmid

  • Die Katholische Kirche am Mutschellen will mit ihrem Projekt «Lavendel» das Beste aus dem dualen System herausholen. Für eine Kirche «von unten».
  • Pfarreiseelsorger Michael Jablonowski gibt erste Einblicke in ein Projekt, das den Geist des Neuanfangs atmet.
  • Alles hängt nun davon ab, wie begeisterungsfähig und engagiert sich die Gläubigen auf dem Mutschellen zeigen.


Auch am Mutschellen gilt das duale System, so wie es beinahe in der ganzen Schweiz praktiziert wird. Dieses System verbindet zwei an sich unvereinbare Staatsformen: Monarchie und Demokratie. Die katholische Kirche ist klar hierarchisch aufgebaut. Vom Papst, der die höchste Position einnimmt, nach unten zum Kirchenvolk.

Die Schweiz funktioniert genau andersrum. Das Volk, die Basis, wählt seine Regierung und bestimmt die Regeln. Im dualen System mit seiner kirchenrechtlichen und staatskirchenrechtlichen Seite werden diese beiden Regierungsformen quasi zwangsverheiratet.

Fruchtbare Zusammenarbeit

Was andernorts zu Konflikten und schier unüberwindbaren Kluften führt, hat die Mitglieder der Seelsorge und des Kirchgemeindeverbandes am Mutschellen dazu veranlasst, ihre Bemühungen um eine fruchtbare Zusammenarbeit noch zu verstärken. Im gemeinsamen Projekt «Lavendel» wollen sie das umsetzen. Dabei halten sie sich an das Zitat von Papst Johannes XXIII., das auf der Homepage der Katholischen Kirche am Mutschellen zur Einleitung steht: «Wir sind nicht auf der Erde, um ein Museum zu hüten, sondern um einen Garten zu pflegen, der von blühendem Leben strotzt und für eine schönere Zukunft bestimmt ist.»

«Keine Diktatur von oben»

Michael Jablonowski ist Pfarreiseelsorger im Pastoralraum auf dem Mutschellen und Mitbegründer des Projekts «Lavendel». | Foto: zvg
Pfarreiseelsorger Michael Jablonowski ist im Lavendelprojekt zuständig für die Kommunikation. Er betont im Interview mit Horizonte, dass das ganze Projekt noch in den Kinderschuhen stecke, die Stossrichtung aber klar sei: «Es geht um die Wünsche und Ideen der Gläubigen, um eine Pastoral von unten, gegen eine Diktatur von oben. Wir wollen die Kirche vor Ort lebendig machen. Es gibt nicht nur eine Kirche mit einer Linie. Wir wollen die ganze Bandbreite an Möglichkeiten berücksichtigen. Wobei uns immer bewusst ist: Man muss auch den Mut haben zu scheitern.»

Die nächsten Schritte

Momentan hält eine Steuergruppe, bestehend aus je einem Mitglied der vier Pastoralraumpfarreien am Mutschellen und zwei Mitgliedern des Seelsorgeteams, die Fäden des Projekts in der Hand. Als nächstes soll eine Resonanzgruppe zusammengestellt werden, der neben Rita Brem vom Vorstand des Kirchegemeindeverbandes und Pastoralraumleiter Robert Weinbuch noch zwei bis drei Pfarreiangehörige aus jeder Pfarrei des Pastoralraums angehören sollen.

Dieses Gremium hat die Aufgabe, die Ideen und Teilprojekte, die eingereicht werden auf allfällige Stolpersteine und die Nähe zum Zielpublikum zu überprüfen. «Die Ausgewogenheit ist dabei wichtig», sagt Michael Jablonowski. «Darum sollen in diese Gruppe Begeisterte, Gleichgültige und Skeptiker reinkommen.»

Symbol neuen Lebens

Die Augen des Pfarreiseelsorgers leuchten, wenn er über das Projekt «Lavendel» spricht. Auch wenn es noch einige offene Fragen gibt. Zum Beispiel: «In welcher Radikalität lässt sich dieses Projekt ansetzen? Und wie erreiche ich möglichst viele Leute?» Er habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass er eine Veranstaltung auf sechs verschiedenen medialen Wegen beworben habe und nachher Leute zu ihm gekommen seien, die sagten: «Oh, davon habe ich ja gar nichts gewusst…»

Seine Strategie beruhe darum auf einer niederschwelligen Zweiwegkommunikation, erklärt Michael Jablonowski. So soll der Weg geebnet werden für Ideen und Vorschläge aus dem Kirchenvolk, die den Aufbruch bewirken in ein neues Kirchenleben. Genau so, wie der Lavendel im Frühsommer das neue Leben symbolisiert und beheimatet.

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