An der Swiss Handicap waren dieses Jahr auch die Fachstellen für Behindertenseelsorge der Römisch-Katholischen Landeskirchen Aargau und Zürich vertreten. | © Andreas C. Müller

Kirchen an der Swiss Handicap

Andreas C. Müller, 4.12.17
  • Mit ihrem Auftritt an der Luzerner Swiss Handicap erreichten die Kirchen gegen 10 000 Menschen
  • Aargauer und Zürcher werben für Seelsorge-Angebot in acht Schweizer Kantonen

 

Zusammen mit der Behindertenseelsorge der Katholischen Kirche Zürich präsentierte sich die Aargauer Fachstelle für «Pastoral bei Menschen mit Behinderung» am vergangenen Wochenende an der Swiss Handicap in Luzern, der einzigen Schweizer Messe für Menschen mit und ohne Behinderung. «Unser Ziel ist es, einen guten Eindruck zu hinterlassen, um das Bild von Kirche in den Köpfen der Menschen positiv beeinflussen zu können», erklärt Fachstellenleiterin Isabelle Deschler.

Kirchenfenster ziehen Menschen an

In der Tat werden immer wieder Menschen auf den Stand aufmerksam. Die mit farbigen Glasscherben gestalteten Kirchenfenster machen neugierig. Wer möchte, darf eine Scherbe mit Leim bestreichen und aufkleben. «Die Fenster funktionieren wunderbar als Türöffner, teils beginnen die Leute zu erzählen», freut sich Anna Wörsdörfer von der Zürcher Behindertenseelsorge. «Und sie fragen, was wir genau machen», ergänzt Tanja Huggel vom Sekretariat der Aargauer Fachstelle.

«Neues entsteht», lautet das Motto hinter der Idee mit den Glasfenstern. An den beiden Messetagen können die Besucherinnen und Besucher jeweils ein Fenster gestalten. Eines dieser Fenster kommt in Zürich, das andere im Kanton Aargau zum Einsatz. «Wir werden es zu Veranstaltungen und Gottesdiensten mitnehmen», erklärt Tanja Huggel von der Aargauer Fachstelle.

Nur zwei von acht Fachstellen an Messe vertreten

Auffallend: Obwohl auf einem Flyer für alle acht Fachstellen der Deutschschweiz hingewiesen wird (entsprechende Angebote gibt es auch in Bern, Freiburg, Graubünden, Luzern, St. Gallen und Zug), betreiben einzig Zürcher und Aargauer den Messe-Stand. Selbst die Luzerner sind nicht mit von der Partie. Man investiere lieber direkt in Angebote für Menschen mit Behinderung, heisst es auf Nachfrage bei der Römisch-Katholischen Kirche Luzern. Angesichts der bereits bestehenden Leistungen – unter anderem 24-Stunden-Bereitschaftsdienst, regelmässig Wochenendangebote und Ferienwochen für Menschen mit Behinderung – habe man nur noch begrenzt finanziellen Spielraum. Eine Beteiligung an den Kosten für einen Messe-Auftritt, der rasch einmal mit 10 000 Franken zu Buche schlägt, will somit wohlüberlegt sein.

Für die ehemalige Kirchenrätin Carla Bättig, die während ihrer Amtszeit von 2009 bis 2016 massgeblich für die Gründung der mittlerweile vier Jahre alten Aargauer Fachstelle für «Pastoral bei Menschen mit Behinderung» verantwortlich war, rechnet sich allerdings eine solche Investition. «Ich finde es wichtig, dass die Kirchen an einer solchen Messe präsent sind», erklärt sie. «Das wird wahrgenommen, denn viele Menschen wissen nach wie vor nicht, dass es ein kirchliches Angebot für Menschen mit Behinderung überhaupt gibt.»

Kernziel: Barrierefreier Zugang zum Pfarreileben

Auch die Existenz der noch jungen Aargauer Fachstelle beurteilt die ehemalige Kirchenrätin positiv: «Die Menschen nehmen dank der Fachstelle vermehrt wahr, dass es ein Angebot für Menschen mit Behinderung gibt.» Zudem könnten dank der Fachstelle die Pfarreien besser für einen barrierefreien Zugang zum Pfarreileben sensibilisiert werden. Dies als Zwischenziel zur «Inklusion», für das sich die Fachstelle stark macht. Für Menschen mit Behinderung soll es nicht länger separierte Angebote geben, sondern sie sollen als gleichberechtigte Player am Pfarreileben teilnehmen können.

Über den gemeinsamen Auftritt von Zürchern und Aargauern in Verbindung mit dem Pilgerbüro für die Interdiözesane Lourdespilgerfahrt können zudem die Kosten für den Messe-Auftritt aufgeteilt werden. Auch für Paul Metzger, der für das Pilgerbüro der Lourdeswallfahrt zum ersten Mal an einer Messe teilnimmt, lohnt sich der öffentliche Auftritt. «Wir müssen mittlerweile auch an die Öffentlichkeit, die Leute kommen nicht mehr so selbstverständlich wie früher», erklärt er und meint: «Wir haben hier fantastischen Zulauf. Lourdes besitzt nach wie vor eine besondere Anziehungskraft. Und wenn es gewünscht wird, holen wir die Menschen zuhause ab und bringen sie auch wieder dorthin zurück.»

Positive Bilanz dank handlungsorientiertem Ansatz

Auch Stefan Arnold von der Zürcher Fachstelle zieht am Samstagnachmittag eine positive Bilanz. Man habe zum ersten Mal mit einem Angebot gearbeitet, bei dem Besucherinnen und Besucher spielerisch etwas machen konnten. Das habe sich bewährt.

 

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