Am 23. September finden wieder Kirchenpflegewahlen statt. Nicht alle Kirchgemeinden finden geeignetes Personal. | © Marie-Christine Andres

Kirchenpflegen: Kandidatinnen gesucht

Andreas C. Müller, 10.9.18
  • Wenn am 23. September die Schweizer Bevölkerung über drei eidgenössische Vorlagen abstimmt, müssen die Aargauer Katholikinnen und Katholiken auch ihre Kirchenpflegen wählen.
  • Nicht überall gelingt es, ausreichend Leute für die zu besetzenden Ämter zu finden. Aus diesem Grund organisierte die Römisch-Katholische Landeskirche Aargau ein Informationspodium, an welchem erfahrene Kirchenpflegen Tipps und Tricks für die Personalsuche abgaben.

Dietwil, Boswil-Kallern, Aristau, Künten und Eggenwil-Widen sind nur einige Kirchgemeinden, die Abgänge in den Kirchenpflegen kompensieren müssen. In Dietwil beispielsweise fehlt immer noch ein Kandidat. Und auch das Kirchenpflegepräsidium sei noch vakant, erklärt Daniel Schmid. «Wir haben bereits viel unternommen, die Suche bereits vor einem Jahr begonnen.»

«Viele sind lange dabei, weil keine Nachfolge in Sicht ist»

Auch in Künten wird für die kommende Amtszeit noch eine Person gesucht, bestätigt Kirchenpflegepräsident Hans Ackermann. Zudem dürften vier der sich neuerlich zur Wahl stellenden Mitglieder nicht die ganze Amtszeit machen. «Die meisten sind schon länger dabei – auch weil es schwierig ist, Nachfolger zu finden.»

Die Römisch-Katholische Landeskirche Aargau organisierte im März dieses Jahres gar einen Informationsabend mit Handreichungen und Tipps. Unter anderem berichtete Thomas Büchler aus Rheinfelden, dass vor den letzten Wahlen vier von sieben Mitgliedern ersetzt werden mussten und es auch im Laufe der aktuellen Legislatur noch zwei Abgänge zu kompensieren gab. «Wenn es innerhalb der Gemeinde gut läuft, findet man eher Leute.» – Das «Trouble-Shooting» reize niemanden.

«Suchen Sie niemanden, der Zeit hat, sondern Profis»

«Idealerweise geht man die Suche zur Mitte der Amtsperiode an», meinten Brigitta Bölsterli und Yvonne Rodel, langjährige Kirchenpflegerinnen aus Lenzburg. «Wir haben innerhalb der Kirchenpflege eine verantwortliche Person definiert und eine Arbeitsgruppe gegründet.» Um herauszufinden, ob eine Person geeignet ist, haben Brigitta Bölsterli und Yvonne Rodel mit den Wunschkandidaten ein Treffen im kleinen Kreis verabredet. Interessierte wurden dann an eine Sitzung eingeladen. Bei anhaltender Bereitschaft, ein Amt zu übernehmen, habe man diese Leute im Gremium schon einmal «mitlaufen lassen», wenn diese das wollten.

«Suchen Sie nicht jemanden, der Zeit hat, sondern Profis», empfahl Kirchenratspräsident Luc Humbel. Und: «Die Leute sollten wissen, worauf Sie sich einlassen». Sprich: Es braucht klare Anforderungen. Dass es immer schwieriger werde, Personal für die Kirchenpflege zu finden, habe nicht nur mit den sinkenden Mitgliederzahlen der Kirchen zu tun, glaubt Marcel Notter, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Landeskirche. «Gerade kleine Kirchgemeinden verfügen nicht über dieselben Ressourcen wie mittelgrosse oder grosse Kirchgemeinden.»

Läuft die Arbeit im Gremium gut, findet man eher Leute

Doch längst nicht alle Kirchgemeinden plagen Nachwuchssorgen. «Bei uns ist es nicht so schwer, Leute zu finden», erklärt Thomas Suter aus Muri auf Anfrage. «Wenn die Zusammenarbeit im Gremium von aussen positiv wahrgenommen wird, findet man immer gute Leute», so sein Erfolgsrezept.

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«Die Gründe der Schwierigkeiten von Kirchgemeinden bei der Suche nach Nachfolgerinnen und Nachfolgern sind sehr verschieden», weiss Marcel Notter, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau. «In einer kleinen Kirchgemeinde kennt man sich eher, was die Suche in diesem Punkt einfacher macht als in einer grossen Kirchgemeinde. Auf der anderen Seite verfügen kleine Kirchgemeinden nicht über dieselben Ressourcen-Möglichkeiten wie mittelgrosse oder grosse Kirchgemeinden.» | © Felix Wey
Marcel Notter
Künten ist nur eine von mehreren Kirchgemeinden, die noch Personal für die Kirchenpflege suchen. | © Roger Wehrli
Künten
«Suchen Sie nicht jemanden, der Zeit hat, sondern Profis», rät Kirchenratspräsident Luc Humbel. Und: «Die Leute sollten wissen, worauf Sie sich einlassen». | © Felix Wey
Luc Humbel

Auch Ausländer haben Wahlrecht

Die Kirchenpflege vertritt als Exekutive die Kirchgemeinde und wird alle vier Jahre in einer Urnenwahl neu bestellt – der Regel an einem der beiden letzten Blanko-Abstimmungstermine von Bund und Kanton im Wahljahr. Den Termin festlegen darf die Kirchgemeinde. Wahlberechtigt sind alle Kirchenmitglieder ab 16 Jahren – auch Ausländerinnen und Ausländer. In der Regel umfasst das Gremium fünf bis fünfzehn Mitglieder. Bei weniger als drei Mitgliedern wird eine Sachwaltung von der Römisch-Katholischen Landeskirche eingesetzt. Diese führt administrativ die Geschäfte, bis neue Mitglieder für die ordentliche Kirchenpflege gefunden wurden.

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