Marianne Binder-Keller, Präsidentin der CVP Aargau, kritisierte die Horizonte-Umfrage und zeigte sich erstaunt darüber, dass Aargauer Seelsorgende links wählen, obschon, so die Ständeratskandidatin, deren Positionen in vielerlei Hinsicht mit denjenigen der CVP übereinstimmen. | © Roger Wehrli

«Kirchenmitarbeitende wählen kirchenkritisch»

Andreas C. Müller, 9.10.19
  • Eine in der letzten Horizonte-Ausgabe publizierte Umfrage unter Aargauer Seelsorgenden erhitzte bei der CVP Aargau die Gemüter. In der Umfrage gaben nämlich die befragten Seelsorgenden an, in erster Linie Grüne und SP zu wählen.
  • Namentlich von Seiten der CVP Aargau wurde die Umfrage kritisiert. Horizonte gab Marianne Binder-Keller, Ständeratskandidatin, und Pia Viel, Präsidentin des Aargauischen Katholischen Frauenbundes AKF und Nationalratskandidatin der CVP, die Möglichkeit zur Stellungnahme.

 

Frau Binder, als Präsidentin der CVP Aargau: Wie erklären Sie sich das Resultat der Horizonte-Umfrage?
Marianne Binder-Keller: Als einseitige Wahlempfehlung von Horizonte, was unsere Basis sehr irritierte. Da segnet ein Pfarrer Parteien, aber offenbar muss man in der CVP sein und brav die Kirchensteuern zahlen, um als einzige ausgeschlossen zu werden. Die Positionen der Seelsorgenden habe ich studiert. Sie entsprechen in vielem denjenigen der CVP.

Das können Sie sehen, wie Sie wollen. Es beantwortet aber die Frage nicht. Wie kommt es, dass Aargauer Seelsorgende das Gefühl haben, SP und Grüne würden christliche Anliegen besser vertreten als Ihre Partei?
Vielleicht wünscht man von uns Christdemokraten, dass wir vermehrt kirchliche Anliegen vertreten sollten. Die CVP ist aber eine weltliche Partei und nicht die Kommunikationsabteilung des Vatikans. Das C in unserem Namen steht für die urchristlichen Werte, die den modernen Rechtsstaat prägen: Freiheit, gleiche Rechte, Solidarität.

Wo wären denn klare CVP-Positionen, welche die Befragten offenbar nicht als solche erkennen?
1971 gelangte dank der CVP der Umweltartikel in die Bundesverfassung. Der Erhalt der Schöpfung gehört seit jeher zu unseren Programmen. Die jüngsten Projekte, ein griffiges Co2-Gesetz oder die Energiestrategie tragen die Handschrift der ehemaligen CVP- Umweltministerin Doris Leuthard. Wir setzen uns ein für die Abschaffung der Heiratsstrafe bei den Steuern und bei der AHV, für zahlbare Krankenkassenprämien, für den Erhalt der AHV, für die Vereinbarkeit von Familien-und Erwerbsarbeit, aber auch für die Aufwertung der 6.5 Milliarden Arbeitsstunden, welche in der Hauswirtschaft und der Erziehungsarbeit geleistet werden.

Und spezifisch für die Kirche?
In der CVP sind traditionellerweise sehr viele Menschen, welche sich in Kirchenpflegen engagieren.  Und trotz heftiger Kritik an der Kirche hält ihr unsere Basis wegen ihrer wertvollen seelsorgerischen, sozialen und kulturellen Arbeit die Treue.

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Die Prognosen sagen für die bevorstehenden Wahlen einen Links-Rutsch voraus. Ganz im Trend stehen die katholischen Seelsorgenden aus dem Aargau: Sie wählen bevorzugt SP und Grüne. | © Werner Rolli
Grün und Rot als Favoriten
Sind kirchliche Mandatsträger wirklich politisch so links, wie ihnen von den bürgerlichen Parteien vorgeworfen wird? Das Ergebnis einer nicht repräsentativen Umfrage zeigt: ja. | © Roger Wehrli
Umfrage unter Seelsorgenden

«Linke vertreten Positionen plakativer»

Pia Viel, AKF-Präsidentin und Nationalratskandidatin für die CVP-Aargau. | zvg

Frau Viel, Sie sind Präsidentin des Aargauischen Katholischen Frauenbundes und kandidieren bei der CVP für den Nationalrat.  Das Ergebnis unserer Umfrage hat Sie betroffen gemacht?
Pia Viel: Ja. Wenn man bedenkt, wie viele in der CVP sich für die Kirche engagieren, dann irritiert es mich schon sehr, wenn die Mitarbeitenden dann auf diejenigen Parteien setzen, die kirchenkritisch sind.

Wie erklären Sie sich, dass die befragten Seelsorgenden nicht CVP, sondern SP und Grüne wählen?
Wahrscheinlich einmal mehr, weil SP und Grüne die Positionen plakativer vertreten als eine Partei der Mitte. Dass aber gerade die Sorge um die Schöpfung, welche zu unseren Kernthemen gehört, nicht wahrgenommen wird, schmerzt mich.

Was werden Sie jetzt tun? Ist Sensibilisierungsarbeit bei den Seelsorgenden angesagt?
Vielleicht müssen wir vor allem auch die männlichen Seelsorgenden darauf hinweisen, wie schwer sie es ohne die Solidarität gerade auch von CVP-Frauen haben, und dass wir auch bei schlechten Nachrichten aus der Kirche immer wieder die wertvolle Arbeit an der Basis betonen.

 

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