Für Jana, Lea, Rebekka und Enrico beginnt das neue Jahr in der ersten Reihe. Wenn Papst Franziskus am Neujahrsmorgen die Messe zelebriert, werden die vier Jugendlichen aus Leibstadt im Petersdom ganz vorne dabei sein. Von links: Lea Erne, Enrico Winkler, Yvonne Kramer, Rebekka Kramer, Yvonne Zimmermann und Jana Erne. | © Roger Wehrli

Leibstadter Sternsinger dürfen zum Papst nach Rom

Marie-Christine Andres Schürch, 14.12.17
  • Die Sternsingergruppe aus Leibstadt hat bei der Verlosung des katholischen Hilfswerks Missio eine Reise nach Rom gewonnen, wo sie als Teil der europäischen Sternsingerdelegation Silvester und Neujahr verbringt.
  • Am 1. Januar steht die Teilnahme an der Neujahrsmesse auf dem Petersplatz mit Papst Franziskus auf dem Programm.
  • Es ist erst das zweite Mal, dass sich eine Schweizer Sternsingergruppe einer europäischen Delegation von Sternsinger-Kindern anschliessen kann.

 

Für Jana, Lea, Rebekka und Enrico beginnt das neue Jahr in der ersten Reihe. Wenn Papst Franziskus am Neujahrsmorgen die Messe zelebriert, werden die vier Jugendlichen aus Leibstadt im Petersdom ganz vorne dabei sein. Die Sternsingergruppe aus Leibstadt hat bei der Verlosung von Missio eine Reise nach Rom gewonnen, wo sie als Teil einer Delegation von europäischen Sternsinger-Kindern Silvester und Neujahr verbringen darf.

«Wir lassen uns überraschen»

Noch können sich die drei Mädchen und der Junge aus dem kleinen Aargauer Dorf nicht richtig vorstellen, was sie in der ewigen Stadt erwartet. Begleitet wird das Vierergrüppchen von der Katechetin Yvonne Zimmermann und der Sakristanin Yvonne Kramer, die gemeinsam die Leibstadter Sternsinger betreuen. «Wir gehen jetzt einfach und lassen uns überraschen», sagt Yvonne Zimmermann, die vor ein paar Wochen mit einem einfachen Klick das grosse Abenteuer ausgelöst hatte.

Im Newsletter von «Missio» las die Katechetin Mitte November die Ankündigung: «Schweizer Sternsinger reisen nach Rom». «Missio» koordiniert unter anderem seit fast 30 Jahren landesweit die Aktion Sternsingen. Dieses Jahr verloste die Organisation zum zweiten Mal die Teilnahme an der Neujahrsmesse in Rom. Als Yvonne Zimmermann las, dass Sternsingergruppen eine Romreise gewinnen können, zögerte sie nicht lange und klickte die Verlosung an.

Die Kollegin glaubte an einen Scherz

Im Rückblick sagt die langjährige Katechetin halb ernst, halb im Scherz: «Hätte ich gewusst, was auf uns zukommt, ich weiss nicht, ob ich’s angeklickt hätte.» Nachdem Yvonne Zimmermann von Missio die Nachricht erhalten hatte, dass sie und ihre Sternsinger die Schweizer Sternsinger in Rom vertreten werden, wollte ihr zuerst niemand glauben. Sogar ihre Kollegin Yvonne Kramer, die als Sakristanin in Leibstadt bei der Betreuung der Sternsinger ehrenamtlich mithilft, vermutete beim Lesen der Whatsapp-Nachricht einen Scherz. Nach der ersten Euphorie machten sich die beiden auf die Suche nach Sternsingerinnen und Sternsingern, die mitkommen wollten nach Rom.

Das verflixte Kleingedruckte

«Diese Suche stellte sich als gar nicht so leicht heraus. Wir waren zwei Tage lang fast ununterbrochen am Herumtelefonieren, bis wir das Vierergrüppchen zusammen hatten.», erzählt Yvonne Kramer. Denn obwohl die Leibstadter Sternsinger 12 bis 15 aktive Mitglieder haben, schränkte das «Kleingedruckte» die Auswahl ein. Weil die Leibstadter als Repräsentanten aller Schweizer Sternsinger nach Rom fliegen, müssen sie zwischen 10 und 13 Jahren alt sein. Die meisten Sternsinger gehörten nämlich dieser Altersgruppe an, erklärt Martin Brunner-Artho, Direktor von Missio, auf Anfrage.

Weil Yvonne Zimmermann bereits zwei Tage später sämtliche Daten der teilnehmenden Kinder an Missio weitergeben musste, wurde die Suche zu einem Wettlauf gegen die Zeit. «Am Mittwoch um 14 Uhr hatte ich erst zwei Zusagen, um 17 Uhr, kurz vor Büroschluss, dann endlich alle vier.», erzählt die Katechetin.

Silvesterparty in der Engelsburg

Die 12-jährige Rebekka Kramer sagte zum Glück spontan zu: «Ich glaube, ich habe nur gefragt, wer sonst noch mitkommt», erinnert sie sich. Mit dabei sind auch Jana und Lea Erne, 13 und 11 Jahre alt, sowie der 10-jährige Enrico Winkler. Während Jana Erne gleich Interesse an der Romreise hatte, brauchte ihre Schwester Lea etwas Bedenkzeit. Mit der Vorstellung, Silvester und Neujahr weit weg von zu Hause zu verbringen, musste sie sich erst anfreunden. So ging es auch Enrico Winkler. Doch die Eltern der Angefragten reagierten alle ähnlich und meinten: «Eine solche Chance kommt wahrscheinlich nur einmal im Leben.» Sie lassen ihre Kinder ziehen und freuen sich mit ihnen über das bevorstehende Abenteuer. Auch Yvonne Kramer und Yvonne Zimmermann geben zu, dass sie sich ein wenig an den Gedanken gewöhnen mussten, nicht im Familienkreis zu feiern. Doch weil sich die zwei Begleiterinnen und die vier Jugendlichen vom Sternsingen und Ministrieren schon lange kennen, fühlen sich alle gut aufgehoben in der Gruppe.

Grosszügige Unterstützung durch die Kirchenpflege

Inzwischen freut sich die ganze Gruppe auf die Reise nach Rom. Das Administrative ist geregelt und – dank der Grosszügigkeit der Leibstadter Kirchenpflege – auch das Finanzielle. Denn während Missio Essen und Eintritte in Rom bezahlt, muss die Gruppe selber für Flug und Unterkunft aufkommen. Am 30. Dezember treten die Leibstadter Sternsinger ihre Reise an. Der Direktor von Missio, Martin Brunner-Artho, fliegt zusammen mit den Aargauern nach Rom und begleitet die Gruppe als Reiseleiter. Die Schweizer Delegation ist gleich neben dem Petersplatz in Räumlichkeiten der Suore di Maria Bambina untergebracht. Das Programm reiht Höhepunkt an Höhepunkt: nach einem Besuch bei der Schweizergarde folgen der Jahresabschlussgottesdienst, das Abendessen und die Silvesterfeier mit den Sternsingergruppen aus Italien, Deutschland, Österreich, Ungarn und der Slowakei. Diese findet unweit des Vatikans in der Engelsburg statt.

«Würden sofort nochmals gehen!»

Und dann beginnt das neue Jahr im Petersdom. 60 000 Menschen haben in der imposanten Kirche Platz. Die Leibstadter dürfen zusammen mit den anderen europäischen Sternsingern in der vordersten Reihe Platz nehmen. Gabi Ceric, Pfarreibeauftragte in Oberriet, war im vergangenen Jahr mit einer Sternsingergruppe in Rom. «Meine Gruppe würde sofort wieder gehen», sagt sie, «Die Erlebnisse in Rom werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.» Am meisten beeindruckt waren die Oberrieter Sternsinger vom Petersdom und der Begegnung mit der Schweizergarde. Doch nicht nur die Programmhöhepunkte machten den Jahreswechsel zu etwas Besonderem, sondern auch der Zusammenhalt in der Gruppe und die Tatsache, die Schweizer Sternsinger vertreten zu dürfen. Gabi Ceric sagt: «Es sind viele kleine Dinge, die zusammengespielt haben.» Jana, Lea, Rebekka und Enrico dürfen sich also freuen auf ihre Reise.

 

 

 

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