Das Podium mit den Vertretern der verschiedenen Vorsorgeeinrichtungen von links: Niklaus Schär von der Sammelstiftung CoOpera, Roland Frauchiger von der Pensionskasse der reformierten Landeskirche Aargau, Daniel Roth von der Pensionskasse Mauritius der römisch-katholischen Kirche Aargau und beider Basel, Moderator Heinz Altorfer. | © Roger Wehrli

«Macht es freiwillig, macht es rasch!»

Marie-Christine Andres Schürch, 24.3.18
  • Am Donnerstag, 22. März, diskutierten an einer Podiumsveranstaltung der ökumenischen Kommission Kirche und Wirtschaft Vertreter verschiedener Vorsorgeeinrichtungen öffentlich über nachhaltiges Investieren.
  • In der Podiumsrunde dabei waren die Präsidenten der Pensionskassen der römisch-katholischen und der reformierten Landeskirche im Aargau, Daniel Roth und Roland Frauchiger.
  • Der Präsident von Swiss Sustainable Finance (SSF), Jean-Daniel Gerber, hielt das Einstiegsreferat und rief die Verantwortlichen zum Handeln auf.

 

Gleich zu Beginn seines Referats räumte Jean-Daniel Gerber mit einem Vorurteil auf: «Es stimmt nicht, dass nachhaltige Investments eine schlechtere Rendite abwerfen – im Gegenteil», betonte der ehemalige Direktor des Staatssekretariats für Wirtschaft und aktuelle Präsident von Swiss Sustainable Finance (SSF). Er gab in seinem Referat einen breiten Überblick über das Thema Nachhaltige Anlagen. Diese definieren sich über drei Punkte: Sie schonen die Umwelt, sind sozialverträglich und berücksichtigen «Governance-Aspekte», also Errungenschaften wie Gewaltentrennung und transparente Berichterstattung.

Argument entkräftet

Mit dem Hinweis, dass nachhaltige Anlagen gleich gut rentieren wie herkömmliche, entkräftete der Referent das bisher vorgebrachte Argument der Pensionskassen beider Landeskirchen, sie könnten sich nachhaltige Investments nicht leisten.

Abhängigkeit von den Banken

Daniel Roth, Präsident des Anlageausschusses der Pensionskasse Mauritius der Römisch-Katholischen Landeskirchen Aargau und beider Basel erklärte in der anschliessenden Diskussion, dass seine Pensionskasse im Reglement ausformuliert habe, was sie unter nachhaltigen Anlagen verstehe. Es bleibe aber die Frage, wie man die Einhaltung der festgelegten Kriterien kontrollieren könne: «Man ist auf zuverlässige Bankpartner angewiesen».

Es braucht Zeit und Geld

Roland Frauchiger, Vizepräsident der Pensionskasse der Reformierten Landeskirche Aargau mahnte zur Vorsicht: «Ich als Ingenieur habe Mühe mit den schwammigen Kriterien von Nachhaltigkeit». Jean-Daniel Gerber zeigte auf, was es braucht, um eine Pensionskasse auf «nachhaltig umzustellen»: Zuerst ein Screening der bestehenden Anlagen. Danach müsse der Stiftungsrat klare Kriterien festlegen und die Umsetzung anpacken. Das verursache Kosten, weshalb die Umstellung über längere Zeit erfolgen müsse. Jean-Daniel Gerber meinte, er könne den mit der Kirche verbundenen Pensionskassen das Gleiche raten wie allen anderen: Selber hinschauen und die Investments prüfen. Wie arbeiten die unterstützten Hilfswerke? Sind sie zertifiziert? Welche Hilfswerke berücksichtigen Nachhaltigkeitsaspekte?

Eigenverantwortung ist gefragt

An dieser Stelle kam Niklaus Schär ins Spiel. Der Unternehmer gründete 1985 die Sammelstiftung CoOpera, die Pensionskasse für Unternehmen, Künstler und Freischaffende. Seine Stiftung verfüge über 33 Jahre Erfahrung in nachhaltigem Investieren: «Das Wissen und die Erfahrung kamen mit der Zeit. Und es wuchs auch das Bewusstsein, dass man selber hinschauen muss, was mit unserem Geld auf der Welt passiert!» In den 1980er-Jahren habe CoOpera mutig in den Schweizer Biolandbau investiert und einen substanziellen Beitrag an die Entwicklung geleistet. Niklaus Schärs Ausführungen zeigten, dass nachhaltiges Investieren eine Verantwortung bedeutet, die man entweder wahrnehmen kann oder mit dem Argument, es sei zu undurchsichtig, zu teuer und zu aufwendig, von sich weisen kann.

Die neusten Pläne der EU

Jean-Daniel Gerber mahnte zum Handeln. Die Europäische Union erwäge, nachhaltige Investitionsvorhaben gesetzlich zu fördern. Zwar setze SSF als Vertreter der finanzpolitischen Interessen der Schweiz stets auf Freiwilligkeit. «Doch wenn die EU ihren Aktionsplan durchzieht, sind die Bundesbehörden gezwungen, nachzuziehen». Deshalb seine Aufforderung an die Pensionskassenvertreter, jetzt auf nachhaltige Anlagen umzustellen: «Macht es freiwillig, macht es rasch!»

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Jean-Daniel Gerber bei seinem Einstiegsreferat: «Der einfachste Weg ist nicht immer der sinnvollste», sagte er und warnte davor, simple Ausschlusskriterien wie «keinen Tabak, keinen Alkohol, keine Waffen» zur Definition von nachhaltigen Investments hinzuzuziehen. | © Roger Wehrli
Referent Jean-Daniel Gerber
Daniel Roth, Stadtschreiber von Aarau und Präsident der Pensionskasse Mauritius der römisch-katholischen Kirche im Aargau und den beiden Basel: «Wir als kleine Kasse sind darauf angewiesen, dass es auch rund um uns vorwärtsgeht beim Thema Nachhaltigkeit.» | © Roger Wehrli
Daniel Roth, Pensionskasse Mauritius
Roland Fruchtiger präsidiert die Pensionskasse der reformierten Landeskirche des Kantons Aargau. «Als Ingenieur sind mir die Kriterien für nachhaltige Anlagen noch zu schwammig», gab er sich skeptisch. | © Roger Wehrli
Roland Frauchiger
Niklaus Schär von der Sammelstiftung CoOpera spricht über seine Erfahrungen aus 33 Jahren Bemühungen, nachhaltig zu Investieren. | © Roger Wehrli
Niklaus Schär, Sammelstiftung CoOpera
Moderator Heinz Altorfer, Vizepräsident des Kirchenrats der Aargauer Landeskirche, erläutert eine Studie von Swisscanto, die Überraschendes zeigt: je grösser eine Pensionskasse, desto kleiner der Anteil nachhaltiger Anlagen am Gesamtvolumen. | © Roger Wehrli
Moderator Heinz Altorfer
Christoph Weber-Berg, Kirchenratspräsident der reformierten Kirche im Aargau, meldete sich zu Wort. «Mit der Kirche verbundene Pensionskassen ohne nachhaltige Anlagen bergen ein latentes Reputationsrisiko. Es geht um die Glaubwürdigkeit der Kirche.»
Christoph Weber-Berg
Nachhaltiges Investieren bedeutet Verantwortung. Wir müssen bereit sein, diese wahrzunehmen, auch wenn das Zeit, Geld und Energie kostet. | © Roger Wehrli
Verantwortung wahrnehmen
 
Andreas C. Müller

 

von Andreas C. Müller
redaktion@horizonte-aargau.ch

Und sie bewegen sich doch! Am vergangenen Donnerstagabend haben Vertreter der Pensionskassen der Aargauer Landeskirchen im Rahmen einer Podiumsveranstaltung der ökumenischen Kommission Kirche und Wirtschaft öffentlich über nachhaltiges Investieren diskutiert.

Gewiss: Eine solche Fokussierung kostet Geld und ist gerade für kleinere Vorsorge-Einrichtungen nicht einfach umzusetzen, weil kleinere Pensionskassen stärker von den Banken abhängig sind. Hinzu kommt, dass auch bei den kirchlichen Versicherten eine schlechte Performance mehr zu reden gibt als der fehlende Nachhaltigkeitsgedanke. Doch letztlich entscheidend ist, was Christoph Weber-Berg, Kirchenratspräsident der Aargauer Reformierten, anmahnte: Man muss es tun – «Aus Gründen der Glaubwürdigkeit.» Aufhorchen lassen sollte zudem, dass 2008, also während der jüngsten Finanzkrise, nachhaltig wirtschaftende Vorsorge-Einrichtungen wie beispielsweise CoOpera zu den ganz wenigen Investoren gehörten, die keinen Verlust einfuhren.

Bleibt nun abzuwarten, welche Taten folgen. Dank der Fusion mit den Baslern (Horizonte berichtete), haben die Katholiken nun etwas mehr Spielraum. Und die neue Pensionskasse Mauritius betont auf ihrer Webseite ja auch, sich auf nachhaltige Anlagen konzentrieren zu wollen. Eine rasch umsetzbare Option könnte sein, einen Teil des Kapitals bei Sammelstiftungen wie «CoOpera» unterzubringen.

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