01.06.2011

Männer in Zeiten des Umbruchs


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Von Horizonte Aargau

Noch immer sind in Schweizer Familien die Väter mehrheitlich abwesend. Gegen 90 Prozent der Männer arbeiten Vollzeit. Zunehmend gibt es jedoch Männer, die mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen möchten. Sie stehen vor der Herausforderung, ihre Vaterrolle jenseits überkommener Rollenklischees zu definieren, meint Peter Schröter, der Begründer der «Lebensschule für Männer». In jedem Fall bietet der Vätertag am 5. Juni 2011 Gelegenheit, über die Situation der Väter in der Schweiz nachzudenken.

Wie ist es um die Väter hierzulande bestellt?
Peter A. Schröter: Die Frauenbewegung hat am Patriarchat gerüttelt. Wir erleben eine Zeit des langsamen Umbruchs. Etwa ein Viertel der Männer denkt aktiv über Rollenbilder nach und versucht, einen neuen Weg zu finden. Das hat natürlich Folgen für das Vatersein.

Wie dürfen wir uns das vorstellen?
Diese Männer vertreten die Auffassung, dass Kindererziehung nicht nur Frauensache ist. Sie packen mit an, arbeiten in reduzierten Pensen und teilen sich die Erziehungsarbeit mit ihrer Partnerin.

Das klingt viel versprechend, oder nicht?
Auf den ersten Blick schon. Das Problem besteht jedoch darin, dass diesen Männern klare Vorbilder für ihr Vatersein fehlen. Sie laufen Gefahr, eine bessere Mutter sein zu wollen. Alles was sie über Kinderziehung wissen, stammt aus der Frauenwelt. Der eigene Vater war kaum da, definierte sich über seine Ernährerrolle.

Warum funktioniert denn dieser Mann, der Macho, nicht mehr?
Inzwischen sind viele Frauen berufstätig. Der Macho funktioniert überall dort nicht mehr, wo sich Frauen aus der ökonomischen Abhängigkeit des Mannes befreit haben. Dennoch haben sie sich nicht ganz vom Macho emanzipiert.

Inwiefern?
Emanzipierte Frauen wollen eher sanfte Männer. In diesen sehen sie auch Partner, die ihren Anliegen gegenüber aufgeschlossen sind und als Väter einfühlsam sind. Doch einem sanften Mann können sich die Frauen nicht hingeben. Beim Macho erleben sich die Frauen körperlich begehrt.

Dann ist der «sanfte Mann» also auch ein Irrweg?
Sowohl der Macho als auch der Softie sind verunsicherte Männer. Der Macho überspielt seine Unsicherheit, lässt nichts an sich ran. Der Softie dagegen verliert sich in seiner Unsicherheit und entkoppelt sich von seiner männlichen Identität.

Wie muss denn ein Mann, ein Vater sein?
Wenn du überlegst, wie ein Mann zu sein hat, wie ein Vater sein muss, dann triffst du den Kern des Problems. Wir Männer klammern uns gern an Rollenbilder. Im Job genauso wie im Umgang mit unserer Partnerin und unseren Kindern. Das Handeln richtet sich nach möglichen Erwartungen an unser Mann sein, an unser Vatersein.

Es macht also keinen Sinn, den «modernen Vater» zu definieren?
Allenfalls über Bilder, die uns berühren. Beispielsweise der Vater, der sein Kind in die Luft wirft und wieder auffängt. Das tut kaum eine Frau. Im Grunde geht es darum, dass wir Männer uns in Situationen einschwingen lernen und aus einer Offenheit heraus handeln, auch als Väter. Das bedingt aber Vertrauen in die eigene Persönlichkeit. Wenn wir das haben, müssen wir uns nicht mehr an Rollenbilder klammern.

Wie ist Vertrauen angesichts der Verunsicherung möglich, die viele Männer und Väter in der heutigen Zeit empfinden?
Männer brauchen Freunde, denen Sie alles anvertrauen können, mit denen sie sich verbinden können. In meinen Seminaren helfe ich Männern, gemeinsam eine Tiefe zu erreichen, auf der das möglich ist. Es kann doch nicht sein, dass ein Mann nur oberflächliche Männerbekanntschaften pflegt und auf die Frage, wem er sein Probleme anvertraut, antwortet: Sein Bester Freund sei seine Frau.

Warum ist das so?
Viele Männer scheuen Gefühle und auch, darüber zu sprechen. Wir Männer definieren uns gerne über das, was wir tun, was wir arbeiten und besitzen.

Wie können die Kirchen in dieser Situation den Männern und Väter Impulse geben?
In den Landeskirchen gibt es bereits Gesprächsrunden und andere Angebote speziell für Männer. Gerade die katholische Kirche als «Männerclub» steckt im Grunde in derselben Krise wie der Mann. Sie kann sich auch nicht mehr übers Patriarchat definieren.

Inwiefern?
All die Leute, die sich scharenweise von den Kirchen abwenden, wollen sich nicht von der Spiritualität verabschieden. Sie sehnen sich nach etwas, das lebendig gelebt wird.

Immer wieder muss die Kirche als Problemfall herhalten.
Beobachten lassen sich die Symptome auch anderswo. In unserem Bildungssystem läuft ebenso einiges schief. Jedoch in eine andere Richtung.

Dort gibt es auf der Unterstufe kaum noch Männer.
Genau. Das hat aber auch damit zu tun, dass der Beruf des Kindergärtners oder des Primarlehrers in den Augen der Gesellschaft als unmännlich gilt. Das wird so nicht explizit gesagt, aber indirekt gegenüber Männern in diesen Berufen zum Ausdruck gebracht.

Die Folgen betreffen vor allem die Buben, oder?
Unsere Schulen werden beiden Geschlechtern zu wenig gerecht. Bei den Knaben ist es am augenfälligsten. Aufgrund ihrer männlichen Konstitution können sie weniger gut still sitzen, sich konzentrieren und selbständig arbeiten. Jungs wollen Bewegung, Grenzen ausloten und sich mit anderen messen. Diesen Dingen trägt die Volksschule heute zu wenig Rechnung.
Andreas C. Müller

Für die Römisch-Katholische Landeskirche Aargau organisiert Bildung Mobil Angebote für Männer und Väter.
Auf http://www.bildung-mobil.ch/ genauere Infos. Zu Peter Schröter siehe www.scpt.ch

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