28.08.2014

Mit Blick nach vorne den Wurzeln treu

Von Anne Burgmer

Vom Garten, fast versperrt durch eine hohe Hecke, geht der Blick gen Norden in seine Heimatregion. Im Eingangsbereich des Pfarrhauses deutet sich Zukunft an: Umzugskartons lehnen an der Wand. Ab Oktober 2014 wird Andreas Zimmermann nach insgesamt zwanzig Jahren in der Gemeindeseelsorge eine neue Aufgabe annehmen. Das Kreisspital Muri und die Pflege Muri sind nächste Station. «Ein fast krasser Wechsel, den ich als Herausforderung verstehe», erklärt Andreas Zimmermann.

Erstaunen über sich selbst
1956 geboren, wuchs Andreas Zimmermann ennet der Grenze in Waldshut auf. Nach der Schule folgte eine Ausbildung zum Tiefbauzeichner und rund zehn Jahre Tätigkeit in diesem Beruf. Als einer von rund hundert Ministranten unter einem Stadtpfarrer mit eher militärischer Haltung war Andreas Zimmermann in der Kirche aktiv. Mit einem jungen Vikar und einer Jugendreferentin kam ihm ein anderes Gottesbild nahe: lebendiger und gütiger. «Es wurden tolle Aktionen angeboten. Unvergessen ist eine Fahrradtour nach Chartres. Solche Erfahrungen brachten mich dazu, über meinen Weg nachzudenken», erinnert sich Andreas Zimmermann, «Im Rückblick erstaunt mich am meisten, dass ich den Schritt mit 26 Jahren dann tatsächlich gemacht und meine Wurzeln verlassen habe».

Abschliessen und weiter gehen
Andreas Zimmermann holt sein Abitur nach, studiert in Freiburg im Breisgau Theologie: «Es war noch nicht klar, ob ich Priester oder Pastoralreferent werde». Spätestens mit seiner Hochzeit 1988 ist die Frage beantwortet. Andreas Zimmermann und seine Frau Jutta kommen in die Schweiz. Von Lyss im Berner Seeland über Rütihof verschlägt es ihn und seine wachsende Familie in die Pfarrei Sankt Blasius Gebenstorf. Sieben Jahre sind sie hier, zuletzt mit gemischten Gefühlen. Die Situation gestaltete sich vor allem aufgrund von grossen Differenzen mit der Kirchenpflege zunehmend schwierig. Ein Thema, über das genug gesagt worden sei. Die Familie will trotz des Stellenwechsels in der Region bleiben. «Nach Muri kann ich gut pendeln. Eine Gelegenheit, mit dem Roller-fahren zu beginnen», überlegt Andreas Zimmermann.

Grenzgänger und Frühaufsteher
Zur Familie gehört auch ein Hund. Als Frühaufsteher geht Andreas Zimmermann mit dem «Goldendudel», morgens eine halbe Stunde joggen. «Seit fast zwanzig Jahren bin ich in gemütlichem Tempo bei jedem Wetter draussen. Das tut mir gut, dabei kommen mir Ideen», freut sich Andreas Zimmermann. Eine liebgewonnene Familientradition ist darüber hinaus der gelegentliche Besuch von Public Viewings in Deutschland, wenn EM oder WM ist. Die Familie ist frisch eingebürgert und bleibt sich gleichwohl ihrer Wurzeln bewusst. Als wertvollen Ausgleich empfindet Andreas Zimmermann auch, dass er aufgrund seines Pensums Familienvater sein konnte. «Schon als die Kinder Säuglinge und Kleinkinder waren, war ich aufgrund meiner 80 Prozent Anstellung zwei Tage daheim und meine Frau ging arbeiten. Diese Tage waren manchmal anstrengender, als ein Tag in der Pfarrei, doch für mich ein Ausgleich, weil es ganz anders war. Für die Beziehung zu den Kindern war das unbezahlbar», zeigt sich Andreas Zimmermann überzeugt.

Neues probieren
Die Kinder- und Familienarbeit lag Andreas Zimmermann auch in seinen Gemeinden am Herzen. Grundsätzlich probiere er gerne Neues aus sagt er schmunzelnd. Zum Beispiel das Männerpalaver. Dass er mit Neuerungen auch aneckt, ist Andreas Zimmermann bewusst. Nach einer Selbsteinschätzung befragt äussert er: «Ich denke schon, dass Menschen die eher konservativ katholisch sind, vielleicht ein Problem mit mir bekommen können. Menschen am Rande oder ausserhalb der Kirche, die eine lebendige, lebensnahe Seelsorge wünschen, reagieren hingegen eher positiv. Letztlich muss ich erklären können, warum ich eine bestimmte Meinung zu einem Thema habe.»

Anne Jablonowski

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