30.08.2021

Die Geschichte des ehemaligen Klosters an der Reuss ist nun einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.
Museum Gnadenthal ist eröffnet

Von Marie-Christine Andres Schürch

  • Idyllisch am Ufer der Reuss bei Niederwil liegt das Kloster Gnadenthal, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster.
  • Die denkmalgeschützte Anlage ist Teil des Areals des Reusspark, Zentrum für Pflege und Betreuung.
  • Das gestern Sonntag im Reusspark neu eröffnete Museum Gnadenthal dokumentiert auf unterhaltsame Weise sowohl die Geschichte des Klosters als auch die über hundertjährige Pflegegeschichte.

Gestern Sonntag, 29. August, wurde auf dem Areal der Pflegeinstitution Reusspark das Museum Gnadenthal eröffnet. Die bewegte Geschichte des Ortes bietet mehr als genug Stoff dafür – den Museumsgestaltern mangelte es weder an Anekdoten noch an Material, um die Besucherinnen und Besucher in die Vergangenheit eintauchen zu lassen.

Zusammengetragen, sortiert und inventarisiert

«Es war uns immer bewusst, dass ein grosses Erbe hier ruht», sagte Kurt Notter, Vizepräsident des Vereins Gnadenthal, an der Voreröffnung des Museums vergangene Woche. Wie gross das Erbe tatsächlich ist, entdeckten die Museumsmacher, als sie das Material aus Schränken, Estrichen und Abstellkammern zusammentrugen. «Bücher, historische Akten, Bilder, sakrale Gegenstände, alles wild durcheinander gelagert», zählte Kurt Notter auf. Cynthia Luginbühl, Kulturbeauftragte im Reusspark, war beim Zusammentragen und Sortieren des Materials ebenfalls dabei: «Wir haben jedes einzelne Objekt erfasst und ein Archiv erstellt.» Eine Auswahl der Gegenstände ist nun im Dachstock des ehemaligen Klosters ausgestellt. Die Ausstellung dokumentiert die Pflegegeschichte, die im Jahr 1894 begann und in die heute breit anerkannte Pflegeinstitution Reusspark mündete.

Im Dachstock wird die Geschichte der Pflege im Gnadenthal anhand historischer Gegenstände erzählt. | Foto: zvg

Neben der Pflegegeschichte mit ihren Hochs und Tiefs widmet sich das neue Museum Gnadenthal aber auch der Geschichte des Klosters. Bereits um das Jahr 1250 herum liess sich eine Gemeinschaft religiöser Frauen am Ufer der Reuss nieder und nannte den Ort «vallis gratiarum», Tal der Gnaden. Später wurde die Gemeinschaft in den Zisterzienserorden aufgenommen. Das Kloster durchlebte schwierige Phasen wegen Pest, Brandkatastrophen und Finanznöten. Es genoss aber auch Blütezeiten dank Wallfahrt und Kunsthandwerk.

Das Gnadenthal ist ein Frauenort

Sowohl das Kloster als auch die spätere Pflegeanstalt wurden von Frauen geführt. «Das Gnadenthal ist ein Frauenort», betonte deshalb Fabian Furter vom Büro «imRaum» in Baden, welches das Museum Gnadenthal realisierte. Diesen Umstand hätten sie sich bei der Museumsgestaltung zunutze gemacht. So kommen an den einzelnen Stationen des Audiorundgangs ausschliesslich Frauen zu Wort. Die Frauenfiguren, die alle von einer historisch verbürgten Person inspiriert sind, erzählen die Geschichte des Ortes aus ihrer persönlichen Perspektive.

Das Museum Gnadenthal besteht aus verschiedenen Elementen und Räumen. Im sogenannten Entenhaus führt ein kurzer Film in die Geschichte des Ortes ein. Danach machen sich die Besucher auf den Audiorundgang, wo an den einzelnen Stationen dank QR-Code und Handy Szenen aus der Vergangenheit in Bild und Ton auferstehen.

«Ora et labora et lege» – «Bete, arbeite und lese»

Im ehemaligen Refektorium des Klosters gelangen Besucher einmal im Monat sonntags in die Schatzkammer des Museums. Die in Vitrinen präsentierten religiösen Objekte aus dem ehemaligen Kloster zeigen eindrücklich, mit wie viel Sorgfalt, Kreativität und Sachverstand die Zisterzienserinnen neben dem Beten und Lesen auch den Grundsatz der Arbeit beherzigt haben.

In der «Schatzkammer» im ehemaligen Refektorium befinden sich wertvolle sakrale Gegenstände aus dem Klosteralltag. | Foto: zvg

Die Initiative für das frisch eröffnete Museum war 2017 vom ehemaligen Direktor des Reussparks, Thomas Peterhans, sowie von Irene Briner, Kultur- und Projektmanagerin, ausgegangen. Die heutige Reusspark-Direktorin, Alexandra Heilbronner, wies bei der Museumseröffnung auf den Wertewandel und den Wissenszuwachs im Pflegebereich hin: «Der einstige pflegerische Anspruch ‚satt, sauber, trocken’ genügt heute längst nicht mehr.» Im Reusspark stünden jederzeit die Menschen im Mittelpunkt, als Bewohner, Mitarbeiter oder als Gast.

«Der Reusspark lebt!»

Auch Museumsmacher Fabian Furter schätzt, dass der Reusspark mehr sein möchte, als eine würdige letzte Station für pflegebedürftige Menschen: Ausflugsziel, grüne Oase, Erlebnisort. Dem stimmte auch Regierungsrat Jean-Pierre Gallati, Vorsteher des Departements Gesundheit und Soziales, in seiner Grussbotschaft zu. Im Lauf der letzten hundert Jahre habe sich der Reusspark von der Pflegeanstalt zur grössten Pflegeinstitution im Kanton entwickelt. «Der Reusspark lebt!»

Museum Gnadenthal

Die Angebote «Auftakt im Entenhaus» und «Audiospaziergang» sind kostenlos und ab dem 30. August 2021 täglich frei zugänglich. Der Museumsraum im Refektorium wird ab September 2021 einmal im Monat an einem Sonntag von 13.00-17.00 Uhr für Sie geöffnet. Die genauen Öffnungszeiten finden Sie hier. Die Ausstellung im Dachstock ist nur mit einer Führung zugänglich. Weitere Infos zu den Führungen finden Sie hier.


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