Solidaritätsfahne für Opfer sexuellen Missbrauchs im zürcherischen Pfäffikon. | © zvg

Ostern im Zeichen der Empörung

Andreas C. Müller/kath.ch, 21.4.19
  • «Wir sind bestürzt und beschämt, traurig und wütend.» Mit diesen Worten und weit herum sichtbaren Fahnen am Kirchenturm wird im zürcherischen Pfäffikon ein Zeichen gegen sexuelle Gewalt gesetzt.
  • In der Osternacht wurde an die Aktion mit einem Schreiben angeknüpft, das die am Gottesdienst Teilnehmenden unterschreiben konnten. Dieses Dokument soll nun an die Bischöfe und Ordensoberen zugestellt werden.

 

«Seit Karsamstag hängen an unserem Kirchturm Fahnen: als Protest gegen die Übergriffe und gegen deren Vertuschung, als Ausdruck unserer Bereitschaft, an der Erneuerung der Katholischen Kirche mitzuarbeiten und als Botschaft an die Betroffenen der Übergriffe, dass wir mit Ihnen solidarisch sind.» Mit diesen Worten wenden sich die Seelsorgerinnen und Seelsorger der Pfarrei St. Benignus im Zürcher Oberland an die Öffentlichkeit. Die drei Fahnen tragen die Aufschrift «Gerechtigkeit», «Solidarität» und «Wahrhaftigkeit».

Jeglichen Missbrauch verurteilen

Mit dieser Botschaft, die auch mit Armbändern und Ansteckschleifen zum Ausdruck gebracht werden kann, wird darauf aufmerksam gemacht, dass in Pfäffikon im Zürcher Oberland jegliche Art von Missbrauch verurteilt und Gerechtigkeit für die Betroffenen gefordert wird.

Die Fahnen und weiteren Zeichen sind in der Farbe blaugrün gehalten, was sich augenfällig auch auf der Internetseite der Pfarrei zeigt. Das Blaugrün steht für die nicht-kirchliche Bewegung «sexual assault awareness» (Bewusstsein für sexuelle Übergriffe). Die Pfarreimitarbeitenden richten ihren Blick aber nicht zuletzt auf die zahlreichen Übergriffe, die innerhalb der Kirche stattgefunden haben. Sowohl die Missbräuche als auch das Vertuschen wird mit der Aktion verurteilt.

Aktion in der Osternacht

Wie Seelsorgerin Patricia Machill erklärt, hat das Thema auch im Osternachtsgottesdienst Platz eingenommen. Die Fahnen sollen sicher bis Pfingsten am Kirchturm zu sehen sein, und Pfarreimitglieder wurden eingeladen, ein vom Seelsorgeteam erstelltes Schreiben zu unterzeichnen.

Dieses werde anschliessend der Schweizer Bischofskonferenz, der Bistumsleitung Chur, dem Generalvikariat für den Kanton Zürich und der Vereinigung der Ordensoberen zugestellt. Damit soll der Aktion in Pfäffikon noch mehr Aufmerksamkeit gegeben werden. Vor allem aber sei es wichtig, dass das Engagement gegen sexuellen Missbrauch und dessen Folgen Konsequenzen zeitige, erklärt die Pastoralassistentin.

Für den Aargau sind der Redaktion keine vergleichbaren Aktionen bekannt, jedoch wird im Kloster Fahr schon seit Valentinstag regelmässig für eine Veränderung in der Kirche gebetet (siehe Zusatztext): Machtmissbrauch und Diskriminierung innerhalb der katholischen Kirche sollen endlich ein Ende haben.

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«Wir alle wissen, wie es um unsere Kirche steht. Unrecht geschah und geschieht, Macht wurde und wird missbraucht»: So beginnt das Gebet «Schritt für Schritt, für eine Veränderung in der Kirche», das seit Valentinstag jeden Donnerstag im Kloster Fahr gebetet wird – auf dass Missbrauch und Diskriminierung in der Kirche aufhören. Und das nicht nur im Kloster Fahr. Das Gebet wurde weltweit innerhalb der Benediktinerkongregation verschickt und wird nicht nur im deutschsprachigen Raum an verschiedenen Orten gebetet. Auf www.gebet-am-donnerstag.ch wird fortlaufend dokumentiert, wie das Gebetsnetz wächst.

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