Symbolbild: Hilfesuchende Frau. Viele Menschen fallen wegen der Corona-Pandemie in einen finanziellen Engpass und suchen bei Caritas Aargau Hilfe. © Dominic Wenger

Panik: «Kurzarbeit!» – Caritas Aargau hilft

Cornelia Suter, 28.4.20
  • M.S. arbeitet in einer Aargauer Bäckerei. Durch die Corona-Situation wurde sie auf Kurzarbeit gesetzt.
  • Die Corona-Krise stürzt Menschen, welche bereits vorher am Existenzminimum lebten, in eine akute Notsituation.
  • Caritas hilft Betroffenen mit beratender Unterstützung und Gutscheinen.

 

 

«Am Anfang war es pure Panik», beschreibt die 36-jährige Mutter ihre Reaktion, nachdem der Chef ihr Anfang April Kurzarbeit verordnet hatte. M.S., welche nicht mit vollem Namen genannt werden möchte, arbeitet in einer Aargauer Bäckerei. «Ich habe drei Kinder zu Hause und einen Ehemann, der schwer krank ist», sagt M.S. mit zittriger Stimme.

Die Ärmsten trifft es heftig

Gerade in Krisensituationen geraten die Schwächsten einer Gesellschaft am stärksten unter die Räder. Das ist auch in der aktuellen Corona-Krise nicht anders. Vielen armutsgefährdeten Familien fehlt das Geld, um Rechnungen zu bezahlen. Für Sie steht kein vom Finanzdepartement garantierter Kredit zur Verfügung. Familien und Alleinstehende mit einem kleinen Einkommen geraten innert kürzester Zeit in finanzielle Engpässe.

So auch Familie S. «Durch die Kurzarbeit bekomme ich 20% weniger Lohn ausbezahlt», erklärt M.S. und rechnet vor: «Mit einem Lohn von knapp 2’500 Franken monatlich müssen Krankenkasse und Miete bezahlt werden. Dazu kommen die Krankheitskosten des Ehemannes und die Verpflegung der Kinder.» M.S. gesteht: «Ohne die finanzielle Unterstützung der ältesten Tochter, welche im 2. Lehrjahr als Gesundheitsfachfrau steht, wäre die Situation aussichtslos.»

Caritas verzeichnet viele Hilfegesuche und zahlt Nothilfe

M.S. wendete sich an einen Kirchlich Regionalen Sozialdienst (KRSD) der Caritas Aargau. Doch mit Ihrem Hilferuf ist sie bei weitem nicht alleine. Zahlreiche Mütter und Väter haben sich in den letzten beiden Monaten mit den gleichen Sorgen an die Caritas gewandt und bitten um Unterstützung. «Das Wichtigste ist die Beratung selber», erklärt Emil Inauen, Co-Leiter Bereich KRSD der Caritas Aargau. «Zuerst wird das Familienbudget analysiert und geschaut, wo noch Sparpotential vorhanden ist.» So können beispielsweise noch Prämienverbilligungen bei der Krankenkasse beantragt werden.

Familie S. bekommt, nebst beratender Hilfe, zusätzliche Unterstützung – auch dank der Spendenaktion der Glückskette. «Als Nothilfe werden Ende April und Ende Mai je 300 Franken ausbezahlt, in Form von Gutscheinen. Damit kann die Familie Esswaren und Anschaffungen des alltäglichen Bedarfs decken», erklärt Emil Inauen.

Kontakteinschränkungen erschweren Beratung

Auch für Debora Sacheli, Sozialarbeiterin beim Kirchlich Regionaldienst der Caritas in Oftringen, hat sich der Alltag in der Corona-Pandemie verändert: «Ich berate unsere Klienten zur Zeit vor allem übers Telefon und per E-Mail». Dies erschwert vor allem das Organisatorische. «Hat beispielsweise ein Klient ein Probleme mit der Krankenkasse, so brauchen wir eine unterschriebene Vollmacht, damit wir uns mit der Krankenkasse in Kontakt setzen dürfen. Nun schicken wir diese Vollmacht den Klienten per E-Mail zu», erklärt Debora Sacheli. Oft macht die Mitarbeiterin der Caritas jedoch die Erfahrung, dass für viele Klienten der E-Mail-Verkehr zu kompliziert ist: «Sie bevorzugen die klassische Variante per Post. Dies dauert dann natürlich länger bis es wieder bei mir landet».

«Von 56 laufenden Klienten-Dossiers habe ich in Bezug auf Corona 26 Klienten aktiv Unterstützung geboten und diese zum Teil täglich und sehr intensiv beraten», verrät Debora Sacheli. Einen Klienten, welcher kaum Deutsch spricht, musste die Caritas-Mitarbeiterin sogar bei der Arbeitslosenkasse vertreten: «Dieser Mann arbeitete vorher als Koch und ist seit der Corona-Zeit arbeitslos. Speziell an diesem Fall war, dass ich die Anmeldung beim RAV sowie die Erstgespräche mit der RAV-Beraterin durchgeführt habe, da die Deutschkenntnisse des Klienten zu gering waren, um das Gespräch selber am Telefon zu führen.»

 

 

Caritas bittet um Unterstützung

Caritas Aargau und die angeschlossenen Kirchlich Regionalen Sozialdienste (KRSD) unterstützen Menschen, die durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen wirtschaftlichen Einschränkungen in Not geraten sind. Wer Familien wie jener von M.S. helfen möchte, kann dies mit einer Spende bei Caritas Aargau machen.

 

 

 

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